Die Geschichte der Zwangsaussiedlung meiner Familie
Die Geschichte der Zwangsaussiedlung meiner FamilieFoto-Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-W0911-501 / CC-BY-SA
Die Geschichte der Zwangsaussiedlung meiner Familie

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurden auf Grund des Potsdamer Abkommens viele Deutsche ihrer angestammten Heimat im Osten beraubt und aus ihr vertrieben. In Nacht- und Nebelaktionen wurde die deutsche Bevölkerung aufgefordert, sich mit einem Höchstgewicht an persönlichen Sachen an einem Sammelort einzufinden, wurde in Lastkraftwägen zu Bahnhöfen gebracht und mittels der Eisenbahn Richtung Westen "verbracht". Der makabre Spruch "Heim ins Reich" erfuhr eine traurige Umkehr. Viele von dieser Zwangsaussiedlung betroffene Menschen überlebten diese Umsiedlung nach Deutschland nicht. Sie waren Freiwild und ohne rechtlichen Schutz.
Auch meiner Familie wiederfuhr dieses völkerrechtliche Unrecht der "ethnischen Säuberung". Wir stammen aus dem Sudetenland, das durch die nationalsozialistische Politik 1938 dem Deutschen Reich angegliedert wurde und lebten in Olmütz. Meine Mutter, meine Großmutter und meine Geschwister waren von dieser "Aussiedlung", die uns später den durch einen Spezialausweis belegten "Heimatvertriebenenstatus " einbrachte, betroffen. Ich war das zweitjüngste von fünf Kindern, das jüngste, meine Schwester überlebte diese Zwangsaussiedlung nicht. Dem Erzählen meiner Mutter nach und belegt durch Dokumente wurden wir mit der Eisenbahn nach Hof gebracht, um von dort mit Lastkraftwägen im damaligen Deutsche Reich verteilt zu werden. Wir wurden einger in den Heimatvertriebenen- und Flüchtlingsstrom, der sich in den Süden nach Oberbayern ergoß. In einem kleinen Dorf in der Hallertau wurde uns von der Zielgemeinde Wohnraum "zugewiesen". Dieser wurde verständlicherweise den Einheimischen, in der Regel Bauern, "abgetrotzt". In unserer ersten Unterkunft lebten wir in einer Art "Austragshäuserl" mit 6 Personen in einem ungeheizten Zimmer, in dem eines Tages die Zimmerdecke herunterfiel. Nachts rückten wir wegen der Kälte zusammen, um uns gegenseitig zu wärmen. Die Bauern waren uns wenig freundlich gesonnen. Da der Wohnraum zu eng war, wurden wir später in größeren Räumen im Graf Törringschen Schloss untergebracht. Da es nichts zu heizen gab, uns die Gemeinde auch nicht mit Heizmaterial versorgten, wurden vorhandene nicht gebrauchte hölzerne Möbel des Schlosses auseinander genommen, zersägt und zerhackt, um verbrannt zu werden. "Not kennt kein Gebot", das war die Devise der damaligen bitteren Stunden. Da auch diese zwei Räume auf Dauer für uns sechs Personen zu eng waren, brachte man uns im Gemeindehaus unter. In ihm standen uns neben einer Wohnküche mit einem Holzofen mit Wasserschiffchen zwei weitere Räume zur Verfügung, die wir unter uns aufteilten. Meine Mutter schlief in der Wohnküche, meine Brüder und ich in dem einen, meine Schwester und die Großmutter in dem anderen Raum. Der Boden der Räume war aus Holzdielen, die jeden Samstag von uns mit Wurzelbürsten gereinigt wurden und auf die wir dann zum Schutz gegen vorzeitige Verschmutzung Sackleinen auslegten. Der Samstag war auch der Badetag, d.h. aus dem Wasserschiffchen wurde ein Zuber mit heißem Wasser gefüllt, in den wir dann der Reihe nach stiegen, um eingeseift und abgeschrubbt zu werden. Die Seife wurde hinterher mit frischem warmWasser abgespült.
Das Leben in diesem kleinen bäuerlichen Dorf war karg, wir erhielten die uns zustehenden Essenrationen, Milch wurde in irgendeiner Weise beim Bauern "erstanden", ab dem Frühjahr waren wir mit unserem Leiterwagen in den nahen Wäldern unterwegs, um in Kartoffelsäcken Tannen- und Fichtenzapfen zu sammeln. Dazu wurde trockenes Reisig gesammelt. Die Wälder in Deutschland sahen damals aus wie "leergefegt". Besonders spannend waren die sonntäglichen Spaziergänge, die u.a. dazu dienten, in den Wäldern dürre Bäume auszuspähen, die dann nicht lange standen. Sie wurden gefällt, entastet, zugeschnitten, auf den Leiterwagen verladen, mit den mit Zapfen gefüllten Kartoffelsäcken abgedeckt und über Schleichwege nach Hause gebracht. Das Trocknen der Zapfen, das Zersägen der Stämme und das Zerhacken zählt damals mit zu unseren Tagesspielen. Auch dienten die Spaziergänge dem Sammeln von Beeren und Pilzen, eine willkommene Bereicherung unseres Speiseplanes. Da wir in einer Hopfengegend wohnten, suchten die Hopfenbauern jedes Jahr im Herbst Arbeitskräfte zum Hopfenzupfen. Für jeden Metzen gab es eine Wertmarke, die am Ende der Ernte gegen bares Geld eingetauscht wurde. Das war für uns die einzige Möglichkeit, Geld zur Anschaffung neuer Kleidung zu verdienen. Ansonsten wurde die Kleidung von den Geschwistern übernommen und aufgetragen. Manchesmal trugen wir Buben auch Frauenschuhe.
Eine weitere Möglichkeit mit dazu beizutragen, dass für das tägliche Essen gesorgt wurde, war in unserer Freizeit die Hilfe am Bauernhof. Ob im Frühjahr Kartoffelkäfer zu sammeln oder im Herbst Kartoffel zu ernten waren und wir zur Nachlese einbestellt wurden, alles war willkommen, um unseren Hunger zu stillen, denn unsere Arbeit wurde mit Naturalien entlohnt.
Noch vor der Ernte schwärmte meine Mutter mit Bekannten des Nachts aus, um aus den Kartoffeläckern frische Kartoffel "zu ernten". Zwar standen manche Bauern nachts Wache, doch das Mitleid mit uns Heimatvertriebenen, die nichts hatten als das, was sie auf ihrem Leib trugen, war groß, so dass wir manches Mal von Mitgliedern der Bauernfamilie gewarnt oder ermuntert wurden, den Kartoffelacker heimzusuchen oder zu meiden. Ein besonderer Tag war der Schlachttag. Wenn die Schlachtung vorbei war, zogen wir mit großen Milchkannen zum Metzger und erstanden für ein paar Pfennige "Wurschtsuppe". Dabei war es ein Unterschied, ob eine Verkäuferin oder die Metzgerin selbst die Milchkanne füllte. Letztere schöpfte von oben die "Fettaugen" ab während die Verkäuferinnen mit der Schöpfkelle tief tauchten, um Reste von geplatzen Würschten aufzufischen.
Gut ging es uns, wenn sich die Amerikaner mit ihren endlosen Marschkollonnen durch unser Dorf bewegten. Diese warfen uns aus den vorbeifahrenden Autos ihren Proviant zu. Da wir ausgehungert und sehr schlecht gekleidet waren, war deren Mitleid groß und so erhielten wir alles mögliche aus deren großzügiger Verpflegung. Damals bekam ich meine erste Orange. In Unkenntnis schälte ich sie vorher nicht und biß kräftig in die noch ungeschälte Frucht. Auch Zigarettenkippen wurden gesammelt und an erwachsenen Raucher weitergegeben. Waren die Manöver der Amerikaner vorbei, suchten wir deren Biwakplätze in den Wäldern auf , öffneten die gerade zugeschütteten Gruben und fanden noch reichlich deren Verpflegungsreste. Da es wenig Möglichkeiten des Verdienstes gab, nahm unsere Mutter Heimarbeiten an. So nähte sie z.B. Wildlederhandschuhe und schneiderte für Leute am Ort.
An den Tag meiner Einschulung 1949 denke ich heute noch, denn im Unterschied zu den Mitschülern meiner Klasse hatte ich weder einen Schulrantzen, noch eine Schiefertafel mit Schwämmchen noch Bleistife oder ähnliches Grundmaterial eines ABC-Schützen. Die erste gemeinsame Aufgabe an diesem Tag war das Malen eines Osterhasen. Damit auch ich daran teilnehmen konnte, zerriß meine Mutter die Papiertüte mit dem Pausenbrot und darauf konnte ich dann meinen Osterhasen malen. Später bekam ich dann auch eine Schiefertafel, die zu hüten war wie ein Augapfel. Wir Kinder gingen aber nicht gerade pfleglich mit unseren Schulrantzen um. Die Folge war dann eine zerbrockene Schiefertafel und das Problem, woher eine neue nehmen? Unsere Schule hatte nur zwei Klassen, d.h. es wurden immer zwei Jahrgänge gemeinsam unterrichtet, vormittags und nachmittags.
Das, was mir bis heute in angenehmer Erinnerung geblieben ist, war die grenzenlose Freiheit in diesem kleinen ländlichen Dorf mit seinen Wiesen, Feldern, Wäldern und Bächen. Sowie die Schularbeiten erledigt waren, ging es hinaus in die Natur, deren Spiel- und Lebensraum für uns unendlich war. Vor nichts hatten wir Angst, nichts erschien uns zu gefährlich, um nicht getan zu werden. So stiegen wir auf die höchsten Bäume, wechselten diese von Wipfel zu Wipfel, gingen im Sommer ins Waldbad oder dem nahegelegenen Fluß zum Baden und im Winter rutschten wir auf unseren Schuhen auf den vereisten Straßen oder sahen den Brauereiarbeitern zu, die mit speziellen Sägen große Flöße aus des Eis des Dorfweihers herausschnitten, sie zerkleinerten und zuschnitten zur Kühlung des Biers der Graf Törringschen Brauerei. Auch war es für uns ein Abenteuer, über die noch geschlossene Eisdecke zu laufen, um "Bugeis" zu erzeugen, also Eis, das sich unter unseren gemeinsamen Schritten bog. Natürlich brach immer wieder einer von uns ein und auch ich wurde einmal von einer Nachbarin, die zufällig mein Malheur beobachtete, naß auf dem Arm nach Hause getragen. Ein weiteres Abenteuer war das Springen von Eisplatte zu Eisplatte. Hier konnte man seinen Mut beweisen. Schlitten- oder skifahren war nicht möglich, es mangelte an den Sportgeräten, also rutschten wir mit anderen Dingen die Hänge herunter.
Eine Besonderheit war das Eintreffen der Störche in unserem Dorf, auf die schon alle gewartet hatten. Die Störche hatten auf dem Kirchturm ihr Nest gebaut und wenn sich dann Nachwuchs einstellte, hörte man das Klappern der Schnäbel im ganzen Ort.
Wer etwas auf sich hielt, wurde Ministrant und durfte an den kirchlichen Feiern, an den Bittprozessionen durch die heimatlichen Flure teilnehmen. Begehrt war auch das Begleiten des Pfarrers auf seinen Versehgängen zu Sterbenden. War ein Sterbefall eingetreten, wurde der Kirchturm besetzt und Ausschau nach dem Leichenzug gehalten. Wurde er gesehen, wurde von uns händisch mit dem Glockenseil die Totenglocke geläutet. Der Verstorbene wurde noch in der Leichenhallte aufgebahrt, manchesmal mit "Totenwache" und dann fand die Beerdigung statt, an der das ganze Dorf teilnahm.
Ein weiterer Reiz für uns war die Herbst- und somit Erntezeit. Wir wußten genau, wo welcher Obstbäume "reif" waren und besserten so unseren Speiseplan auf.
Es war zwar eine bitter arme doch vom Erlebnis- und Freizeitwert her wunderschöne Kindheit, an die ich mich gern und altersbedingt immer häufiger erinnere.

10 Kommentare

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Deshalb meine Er. Winterblumen lesen , kann auch bei BoD aufgerufen und bei mir bezogen werden .
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Hallo Hasko danke für den Bericht. Mein Mutter und Eltern mit Bruder stammten auch aus dem Sudetenland, aus Mikwitz und am Tag der Vertreibung sagte ihnen ein Zettel am Marktplatz, dass sie 30 Kilo Gepäck und ja keine Wert- und Spielsachen mitnehmen durften. Wer dies misachtete, den erschlug man ganz einfach mit dem Gewehrkolben. Mein Großmutter packte vor lauter Aufregung die Flickwäsche ein und ein großes Federbett, denn ihre Schwiegermutter mußte auch mit. Opa war zu dem Zeitpunkt im Krieg. Er hat übrigens seine Heimat nie wieder gesehen. Sie kamen erst nach nach Kral-Müritz und dann nach Bayern. Bei einem Bauern zwagseingesiedelt, erging es ihnen wie Dir. Als meine Mutter zur Schule kam und man den Pfarrer nicht "schmieren" konnte - mit was auch, bekam meine Mutter trotz guter Leistungen - schlechte Noten - bis mein Opa ihm sagte, was Sache ist. Die Bauern sagten zu meinen Großeltern, wenn sie zuhause was gehabt hätten, wären sie nicht vertrieben worden und rumzigeunert - sie
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konnten sich das nicht vorstellen. Meine Mutter mußte ihre geliebte Puppe zurücklassen, mein Onkel seine Briefmarken - 7 u. 14 Jahre waren sie damals als. Alles hat man ihnen genommen, aber nicht ihre Würde. Gehungert haben sie und mein Onkel bekam oft die Aufgabe mit meiner Mutter Abenteuer zu spielen, damit sie vom Hunger abgelenkt wurden. Kartoffel hat man auch heimlich geholt und schwer geschuftet beim Bauern. Eine winzige Kammer war das zuhause. Oma und Opa haben so lange sie lebten dieses Unrecht nicht verziehen.
Ich erinnere mich als in unserer Schule für arme tschechische Kinder gesammelt wurde, da sagte sie zu mir voller Hass: Ne a laarche Haarchbix grieged di von mir.
Nicht eine leere Heringbüchse bekommen die von mir.
Für mich als kleines Mädchen nicht begreifbar, war meine Großmutter doch so eine herzensgute Frau.
Ehemalige Nachbarn haben ihr dann noch das Fotoalbum von "Drüben" geschickt u. ein paar Erinnerungsstücke, da sie mit diesen tschechischen Nachbarn so gut auskam.
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Ergänzung zu ganz oben - der Ort muss Minkwitz heißen, Kreis Friedland
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Hallo Roswitha, das an den Heimatvertriebenen begangene Unrecht, das ja durch die immer noch geltenden Benesch-Dekrete noch nicht einmal versuchsweise gutgemacht wurde, insbesondere das Recht auf die Heimat, wird zum Glück noch durch die Vertriebenenverbände - ohne dass es um materielle Wiedergutmachung geht - stets in Erinnerung gerufen. Wer von uns möchte inzwischen aus der "neuen" Heimat dorthin zurück und dort leben, wo soviel Leid und Elend geschehen ist, wo die deutschen Freiwild waren. Mein Onkel, Augenzeuge von nach dem Zusammenbruch an den Deutschen begangenen tschechischen Unrecht wie körperliche Züchtigung, Raub, Vergewaltigung, Mord usw. weigerte sich stets noch einmal in seine Heimat zu fahren. Meine Mutter war, begleitet von meiner Schwester, nureinmal dort und kehrte erschüttert zurück, weil sich ihre Heimat so sehr zum Nachteil verändert hat. Vieles hat sich inzwischen gebessert, die menschenverachtenden Gesetze sind aber geblieben und das in einem Mitgliedstaat der EU.
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vom Elternhaus meiner Mutter steht nur noch der Erdkeller - vieles ließ man verkommen.......hier haben sie sich ein schmuckes Häuschen gebaut mit viel Eigenleistung, wer wollte da zurück. Ich gebe Dir recht zum Rest Deines Berichtes, obwohl Mitgliedsstaat der Eu
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Einfach nur Danke für Deinen Beitrag
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Erschütternd ist für mich nicht die Vertreibung, denn diese hatte eine jahrelange Vorgeschichte.

Sicher war für jeden Betroffenen die Vertreibung ein grausamer Akt, aber ich finde es weitaus schlimmer wie die Alteingesessenen damals mit den Flüchtlingen umgegangen sind. Den Krieg haben alle Deutschen gemeinsam verloren, aber manche hat das Schicksal hart getroffen und sie haben Heimat, Hab und Gut verloren. Anstatt auf Mitmenschlichkeit hoffen zu können, wurden die Flüchtlinge von den Einheimischen wie Aussätzige behandelt. Keiner wollte die Landsleute freiwillig aufnehmen. Den Kindern wurde verboten mit den Flüchtlingskindern zu spielen. Dieser Zustand hielt im ländlichen Raum noch weit bis in die 60er Jahre an. Wohl dem, der es später geschafft hatte in der Großstadt unterzukommen.
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Ja Sylvia, hier schreibt jemand, der "Ahnung" hat! Was in meinem Bericht nicht erschien ist das zusätzliche Trauma unserer Kindheit mit ihren menschenunwürdigen Umständen und der Resonanz durch die Einheimischen, insbesondere durch die Kinder, die bekanntermaßen sehr grausam sein können. Ich mache kein Hehl daraus, dass ich erst heute erkenne, wie ich unter diesen Traumatas als Kind und Jugendlicher gelitten habe. Hinzu kam noch, dass ich diese wenig bekannte Namensform von Johann als Vorname trage, damals in den 30er Jahren eine von den Nazis geliebte Romanfigur des Schriftstellers Martin Luserkes. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich mich entschloss, meinen Bericht zu schreiben.
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Hallo Hasko,
die Großeltern meines Mannes kamen aus Ostpreußen und sind kurz vor Kriegsende geflüchtet. Sie wurden dann nach einer langer Odyssee hier im Badischen angesiedelt. Mein Mann, der 1969 geboren wurde, wurde auf dem Dorf in der Rheinebene, in dem sich seine Familie Mitte der 70er Jahre ein altes Bauernhaus kauften, noch als "Flüchtlingskind" tituliert und misstrauisch beäugt. Viele Freunde hatte er wohl damals nicht. Zwei Generationen später!!!

Meine Mutter (geb. 1937) wuchs auf einem Dorf in Niedersachsen auf. Als die Flüchtlinge kamen, hieß es zu den Kindern dort: "Spielt nicht mit den Flüchtlingskindern, denn sie haben alle Läuse!" Meine Mutter erzählte oft wie die Bauern in den Hungerjahren immer noch Schinken und Speck hatten und dem Dorfpfarrer immer etwas zukommen ließen, während die Besitzlosen hungerten. Die Frauen und Kinder mussten Feldarbeit leisten und bekamen neben einem kargen Lohn Erbsensuppe mit Würmern von der Bauersfamilie aufgetischt.
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