Keinen Raum haben und vielleicht auch keine Zeit
Weihnachtsdekoration
WeihnachtsdekorationFoto-Quelle: DEF

Ein Haus mit vielen Bewohnerinnen - immer gibt es Vieles zu besprechen, aber nicht immer die Gelegenheit dazu. Diese bot sich beim Adventsabend des DEF München, zu dem der Saal und die lange Tafel von der Leiterin und Münchner Vorsitzenden Erika Lech-Vlasa schön geschmückt worden waren.

Von der Herbergssuche lässt sich nicht erzählen, ohne an die Flüchtlinge zu denken


Die Landesvorsitzende Dietlinde Kunad wandelte in ihrer Ansprache die beliebte Karikatur von den heiligen drei Königinnen mit ihren eher praktischen und nicht so prunkvollen Gaben an der Krippe in eine augenzwinkernde kleine Weihnachtsgeschichte um - Ja, wenn das Frauen machen, dann kommt wenigstens was Handfestes dabei heraus! Und hinterher lästert es sich umso schöner… Um dann ernst fortzufahren mit einem Thema, das heuer in sehr vielen Weihnachtsansprachen variiert werden wird: Die Herbergssuche. Es ist unmöglich, wie sonst von der Herbergssuche zu handeln, oder gar die Worte auszusprechen „denn sie fanden sonst keinen Raum in der Herberge!“, und nicht an die Flüchtlinge zu denken, auf den Feldern, auf den Brücken, in den Zelten oder Turnhallen… Auch einige DEF-Gruppen nehmen sich bereits oder auch schon länger der Flüchtlinge an, wie Memmingen oder Schweinfurt. Andere werden folgen. Vor allem aber sind schon viele DEF-Frauen ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung aktiv und arbeiten mit anderen daran, es den neuankommenden Männern und Frauen und ihren Kindern ein bisschen leichter zu machen. Es ist eine Aufgabe für uns alle, als Frauen in Verantwortung, als Christinnen, als Verband und als gesamte Gesellschaft.

Allgemeiner Ausbau und weicheres Wasser


Der nachfolgende Geschäftsbericht von Geschäftsführerin Katharina Geiger wandte sich naturgemäß mehr den Realitäten zu. Zwei Neuerungen haben die Frauen direkt erfahren: die doch längere Zeit des Umbaus seit dem Sommer bis jetzt in Keller und Erdgeschoss, die Schaffung neuer und schöner Büroräume für die Geschäftsstelle, die Schaffung neuer Stauräume im Keller. Eine weitere bauliche Neuerung wird im kommenden Jahr der Einbau eines weiteren Aufzugs sein, mit dem man vom Hof ebenerdig ins Haus gelangen kann. Damit wird es auch möglich sein, mit einem Rollstuhl oder einem Rollator barrierefrei überall hin zu gelangen.

Lebhaft wurden erste Erfahrungen über eine weitere neue Entwicklung ausgetauscht: Wie wirkt sich der Einbau einer Entkalkungsanlage bereits aus? Das traditionell ganz schön harte Münchner Trinkwasser verkalkt in sechzig Jahren die Leitungen doch erheblich. Aber wenn es ab sofort schön weich aus der Leitung kommt, braucht es weniger Waschmittel, Spüli, Reinigungsmittel oder Shampoo - fühlt sich evtl. anders an.

Vom Sonntag und dem Zeit haben


Als Dritte stellte sich Dr. Bettina Marquis als neue Bildungsreferentin vor. Sie erinnerte sich zugleich auch an frühere Weihnachtsfeiern im Haus mit dem Konzertflügel und den Weihnachtsliedern des „Chörle“, aber auch an den Münchner Medienstammtisch, auf dem häufig Neuerscheinungen besprochen wurden. In diese Richtung geht auch die für den Januar geplante Diskussion des Buches „Wir Erben“ der jungen und kritischen Journalistin Julia Friedrichs.

Am selben Tag war in der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit der Kommunikationswissenschaftlerin und Journalistin Miriam Meckel erschienen, in dem der Sonntag oder aber auch die für Spitzenkräfte einfach nicht verfügbare freie Zeit thematisiert wurde. Meckel ist vor einigen Jahren mit dem Buch „Brief an mein Leben“ über ihren eigenen Burnout hervorgetreten. Aber auch ihre neue Position an der Spitze der Wirtschaftszeitung Wirtschaftswoche wird ihr wenig bis gar keine Zeit zum Atmen lassen.

Den Sonntag, den Freiraum den Mitarbeitern lassen - was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, ist es jedenfalls nicht in den Chefetagen. Meckel merkt an, dass für sie der Samstag eigentlich wichtiger ist, denn am Sonntag muss sie wie andere in ihrer Position bereits wieder Vorbereitungen für die neue Woche treffen, diese vorstrukturieren, sich informieren und vorausplanen. Es scheint auch so, als sei in dieser hochbelastenden Art zu arbeiten das Problem nicht ein Chef oder eine Chefin, sondern die gesamte Struktur und vor allem die sehr hohen Erwartungen an die eigene Performance.
Arbeiten und leben, Zeit- und Leistungsdruck, aber auch Zeit für die anderen, die Familie, das ist ein guter Ansatzpunkt für ein Mediengespräch, das in einer großen überregionalen Zeitung in der Adventszeit erscheint. Es ist auch ein Thema, das in einem Verband wie unserem über den Wert des Sonntags als eines Symbols für die Ruhe von der Arbeit und die Besinnung und überhaupt die Organisation unseres eigenen Lebens in einer Leistungsgesellschaft das Nachdenken lohnt.

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