Mehr Erfahrung, mehr Geld: Damit können vor allem junge Berufstätige und Hoc ...
Mehr Erfahrung, mehr Geld: Damit können vor allem junge Berufstätige und Hochqualifiziert im Gehaltsgespräch punkten. Älteren Arbeitnehmern empfehlen Gehaltsexperten eine andere Strategie.Foto-Quelle: Pixabay
Tipps für die Gehaltvsverhandlung: Mehr Lohn - So klappt’s

Für viele Berufstätige ist dies ein äußerst unangenehmer Teil des Arbeitslebens: die Gehaltsverhandlung. Einen höheren Lohn zu fordern vom Chef. Um erfolgreich zu sein, empfehlen Forscher unterschiedliche Strategien und verraten, wieviel Geld man - je nach Beruf und Erfahrung - verlangen kann.

Für viele Arbeitnehmer gehören regelmäßige Gehaltsverhandlungen zum Alltag.

„Der kritische Blick auf die eigene Gehaltsabrechnung ist besonders wichtig, wenn der Arbeitgeber keinen Tarifvertrag anwendet“, sagt Dr. Malte Lübker, Gehaltsexperte am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

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Ob nun im Bewerbungsgespräch zu Beginn oder nach Jahren der Betriebszugehörigkeit: Niemand will sich über den Tisch ziehen lassen. Und später erfahren, dass er oder sie sich viel zu günstig verkauft hat - weil Kollegen mehr verdienen.

Wichtig für ein erfolgreiches Gehaltsgespräch

Denn es funktioniert ja nicht wie in dem alten Gunter Gabriel-Song: "Hey Boss, ich brauche mehr Geld!" Zum Chef marschieren, auf den Tisch hauen, von "leeren Taschen" und "fehlenden Groschen" jammern - und die Sache ist so gut wie geritzt.

Im Gegenteil. Geldnot ist das schwächste Argument überhaupt.

"Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Gehaltsverhandlung ist eine realistische Einschätzung der angestrebten Gehaltserhöhung", heißt es vonseiten der Hans Böckler Stiftung.

Bloß: Was ist realistisch? Wieviel kann man verlangen?

Strategien für die Gehaltsverhandlung

Die Forscher haben rund 195.000 Gehaltszettel für über 500 Berufe ausgewertet, die auf dem WSI-Portal Lohnspiegel.de erfasst sind. Grundlage für den Lohn- und Gehaltscheck ist eine Online-Umfrage unter Erwerbstätigen in Deutschland, die ständig ergänzt wird.

Um erfolgreich und mit mehr Geld aus dem Gehaltsgespräch zu gehen, empfiehlt der Gehaltsexperte Malte Lübker nach Analyse der Daten unterschiedliche Strategien - je nachdem, in welcher Phase seiner beruflichen Laufbahn man sich befindet.

Junge Berufstätige und Hochqualifizierte

Wer im Job bereits einige Jahre Erfahrung gesammelt hat oder zur Gruppe der Hochqualifizierten gehört, sollte im Gehaltsgespräch seine gestiegene Berufserfahrung ins Feld führen, um seine Forderung nach einem höheren Gehalt zu untermauern, empfehlen die Forscher.

Mithilfe dieses Arguments seien "beachtliche Steigerungen" möglich, heißt es vonseiten des WSI.

"Am Anfang des Berufslebens wächst der eigene Erfahrungsschatz besonders schnell und viele übernehmen im Betrieb neue Verantwortlichkeiten", sagt Dr. Malte Lübker. "Das macht einen für den Arbeitgeber wertvoller – und mit etwas Verhandlungsgeschick lässt sich das in barer Münze auszahlen."

Je größer die Qualifikation, desto größer die Gehaltszuwächse

Bedeutet der Analyse zufolge ganz konkret: Beschäftigte mit fünf Jahren Berufserfahrung verdienen im Schnitt 13 Prozent mehr als Neueinsteiger. Nach zehn Jahren liegt der Vorsprung bereits bei 22 Prozent.

Als Faustregel gelte: Je höher die Qualifikation, desto größer fallen die Gehaltszuwächse mit gestiegener Erfahrung aus.

So verdienen demnach Hochqualifizierte im Schnitt nach 20 Jahren fast 50 Prozent (46 %) mehr als zu Beginn ihres Arbeitslebens. Berufstätige in einem Job, für den kein Berufsabschluss nötig ist, sondern nur eine einjährige Berufsausbildung oder kurze Anlernphase, verdienen demnach auch nach 20 Jahren nur 19 Prozent mehr als am Anfang. Das gilt den Forschern zufolge etwa für Altenpflegehelferinnen, Lagerarbeiter oder Beamte im einfachen Dienst.

Erfahrene Berufstätige und Beschäftigte in einfacheren Tätigkeiten

Eine andere Strategie empfehlen die Wissenschaftler langjährigen Arbeitnehmern und Beschäftigten in einfacheren Tätigkeiten: Statt im Gehaltsgespräch auf die langjährige Erfahrung zu verweisen, sind sie demnach mit einer anderen Taktik besser beraten.

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Bei ihnen sei der Verweis auf Gehälter, die bei der Konkurrenz gezahlt werden, der Schlüssel für ein erfolgreiches Gehaltsgespräch.

Wieviel zahlt die Konkurrenz?

Nur: Woher weiß man, wie hoch das Gehalt ist, das Kollegen in anderen Unternehmen überwiesen wird?

Zur Orientierung empfehlen die Gehaltsexperten diese Anlaufstellen im Internet:

  • der Gehaltscheck auf dem WSI-Portal Lohnspiegel.de bietet individuelle Vergleichsberechnungen für über 500 Berufe
  • über Tarifvergütungen in verschiedenen Berufen und Branchen informiert das WSI-Tarifarchiv
  • Infos über mittlere Verdienste in zahlreichen Berufen bietet der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit

Beim Gehaltsgespräch lohne es sich, mutig realistische Forderungen zu stellen. Nicht nur mit Blick auf die nächste Gehaltsabrechnung, sondern auch langfristig, so die WSI-Experten. Denn: "Einmal ausgehandelt, bleibt die Steigerung in der Regel bestehen und ist zugleich Ausgangsbasis für die nächste Gehaltsverhandlung."

Weitere wichtige Argumente parat haben

Doch natürlich reicht der Verweis auf die eigene Erfahrung oder die Gehälter der Konkurrenz allein nicht aus, um den Chef zu überzeugen.

"Überzeugend wird der eigene Auftritt, wenn man weitere Argumente parat hat", so die WSI-Forscher.

Dazu sollten sich Beschäftigte vor dem Gespräch fundierte Antworten zum Beispiel auf diese Fragen überlegen - und damit für sich werben:

  • Was ist der eigene Beitrag zum Erfolg des Unternehmens?
  • Wo hat man sich als guter Teamplayer erwiesen?
  • Welche Aufgaben sind in der letzten Zeit dazugekommen?

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