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Die Grundrente sollte vermeiden, dass langjährige Geringverdiener im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind. Doch in Großstädten hilft vermutlich selbst der Höchstsatz wenigFoto-Quelle: Pixabay
Grundrente: Selbst Höchstsatz reicht in Großstädten kaum zum Leben

Langjährige Geringverdiener mit kleiner Rente sollen ab 2021 Grundrente bekommen. Jetzt zeigen Zahlen aus dem Arbeitsministerium wie hoch der maximale Zuschlag ist - in Großstädten reicht er nicht für eine Rente, die höher ist als Hartz IV für Senioren. Dabei war genau dies das Ziel von Arbeitsminister Heil.

"Wer lange gearbeitet hat, wird künftig im Alter nicht auf die Grundsicherung angewiesen sein", so bringt die SPD das von ihr auf den Weg gebrachte Konzept der Grundrente auf den Punkt.

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Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat immer wieder den Unterschied hervorgehoben zwischen der geplanten Grundrente und der Grundsicherung im Alter, umgangssprachlich auch Hartz IV für Senioren genannt. Letztere ist eine Sozialleistung, die Grundrente eine Leistung der Rentenversicherung.

Anspruch auf Grundrente, die Anfang 2021 eingeführt werden soll, haben diejenigen, die mindestens 35 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben und dennoch nur eine geringe Rente erhalten. Auch wer nur auf 33 oder 34 Jahre kommt, kann Grundrente erhalten, allerdings nicht den vollen Betrag. Rund 1,3 Millionen Rentnerinnen und Rentnern soll diese zugute kommen.

"Leistung sollte sich lohnen"

Zwar können Betroffene bereits jetzt schon einen Antrag auf Grundsicherung im Alter stellen. "Im Ergebnis haben Sie aber nicht mehr Geld als wenn Sie Ihr Leben lang gar nicht gearbeitet hätten", heißt es auf der Webseite der SPD zur Grundrente. "Das ist ungerecht und würdelos. Denn Leistung sollte sich schließlich auch lohnen!"

Doch genau dieses Ziel verfehle die Grundrente - zumindest in Großstädten, berichtet das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) und bezieht sich auf Zahlen aus dem Bundesarbeitsministerium.

Maximal 404,86 Euro brutto

Der maximal mögliche Grundrenten-Zuschlag liegt demnach bei monatlich 404,86 Euro brutto - macht 360,73 Euro netto nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

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Das geht dem RND zufolge aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Johannes Vogel (FDP) hervor.

Berücksichtige man die bestehenden Rentenansprüche, ergebe sich bei der Grundsicherung bundesweit ein durchschnittlicher Nettobedarf von 447 Euro monatlich, schreibt das RND. Um diesen Betrag werden die Renten von berechtigten Empfängern aufgestockt.

In einigen Großstädten ist dieser Betrag wegen der Wohnkosten höher und liegt dem Arbeitsministerium zufolge in München bei 579 Euro, in Frankfurt/Main bei 573 Euro, in Hannover bei 559 Euro und in Köln bei 535 Euro. In Leipzig wird der Nettobedarf auf 456 Euro beziffert, in Dresden auf 415 Euro.

"Weiter auf Grundsicherung angewiesen"

Dies zeige, dass die neue Grundrente "ausgerechnet in Ballungsgebieten" den Betroffenen keinen finanziellen Vorteil biete, selbst wenn sie Anspruch auf den Höchstbetrag haben, kritisiert der FDP-Sozialexperte Vogel: "Selbst der maximal mögliche Rentenaufschlag kann den durchschnittlichen Nettobedarf oft nicht decken, die Menschen sind also weiter auf die Grundsicherung angewiesen.“

An diesem Mittwoch (19. Februar 2020) will das Bundeskabinett den Gesetzentwurf zur Grundrente verabschieden. Ab Januar kommenden Jahres soll sie ausgezahlt werden.

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