Ob in einem Job oder im Ehrenamt: Auch Rentner sollten einer sinnvollen Besc ...
Ob in einem Job oder im Ehrenamt: Auch Rentner sollten einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen, so die These des US-Forschers Daniel LevitinFoto-Quelle: Nathan Anderson/Unsplash
Wissenschaftler: Warum wir am besten niemals in Rente gehen sollten

Viele Menschen fiebern jahrelang dem Tag entgegen, an dem sie sich von den Arbeitskollegen und in den Ruhestand verabschieden können. Weil sie glauben, dass dann das Leben angenehmer wird. Stimmt gar nicht, sagt jetzt ein US-Neurowissenschaftler: Ein Leben ohne Beschäftigung mache unglücklich.

Die These des amerikanischen Neurowissenschaftlers und Psychologen Daniel Levitin: "Das ideale Alter, um in Rente zu gehen? Nie!", schreibt er in seinem neuen Buch "Successful Aging: A Neuroscientist Explores the Power and Potential of our Lives", das bisher nur auf Englisch erschienen ist.

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Darin beschäftigt sich der emeritierte Professor mit der Frage, wie man ein möglichst langes und glückliches Leben führt.

"Halten Sie sich beschäftigt"

Seine Antwort: "Wer zuviel Zeit ohne Sinn und Zweck verbringt, wird unglücklich. Halten Sie sich beschäftigt!", sagt Levitin. Das sei besser für Gemüt, Gesundheit und Lebenserwartung.

Und mit Beschäftigung meine er nicht irgendwelchen "trivialen Kram", sondern: "sinnvolle Aktivitäten". Etwa, indem man in seinem Beruf weiterarbeitet - oder sich ehrenamtlich engagiere.

Für diese These führt der Wissenschaftler Menschen an, die dafür das beste Beispiel seien. Einige davon - allesamt zwischen 70 und 100 Jahre alt - hat er dafür interviewt, um herauszufinden, was genau ein befriedigendes Leben ausmacht.

Liebe und sinnvolle Arbeit

"Jeder einzelne von ihnen hat auch im Alter weitergearbeitet", schreibt Levitin. Und zitiert unter anderem Sigmund Freud, der gesagt habe, die zwei wichtisten Dinge im Leben seien: Liebe und sinnvolle Arbeit. "Freud hat sich bei vielem getäuscht", so der Neurowissenschaftler, "aber damit scheint er richtig gelegen zu haben".

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Dies bestätigen nach Ansicht des einstigen Professors auch die "Horden von Menschen", die im Ruhestand merken: So toll ist das ja gar nicht - und wieder bei ihrem alten Arbeitgeber anheuern.

Rolle rückwärts ins Arbeitsleben

Amerikanische Ökonomen haben dafür demnach sogar einen neuen Begriff geprägt: Als "unretirement", zu Deutsch etwa: "Entrentung", bezeichneten sie die Rolle rückwärts ins Berufsleben - die in den USA und Großbritannien ausweislich verschiedener Studien 25 bis 40 Prozent der (in den Studien analysierten) Rentner vornehmen.

Selbst für Senioren, die körperlich eingeschränkt sind oder an Krankheiten wie Alzheimer leiden, ist es dem Neurowissenschaftler zufolge das Beste, wenn sie weiterarbeiten - ob nun in Job oder Ehrenamt. Wenn auch in geringerem Maße und angepasst darauf, wozu sie körperlich in der Lage sind.

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Unter sinnvoller Beschäftigung versteht der US-Forscher dabei nicht nur Vollzeitjobs, sondern beispielsweise auch das freiwillige Engagement in Hilfsprojekten. So könnten Senioren etwa benachteiligten Kindern mit Rat und Tat zur Seite stehen, sich in Kirche oder Wohlfahrtsorganisationen engagieren - oder sich in Volkshochschul- oder Online-Kursen weiterbilden.

Immer mehr deutsche Rentner arbeiten

Auch in Deutschland arbeiten immer mehr Senioren weiter. Als Gründe nennen sie häufig: Spaß an der Arbeit, Kontakt zu Kollegen, den Wunsch, weiterhin eine Aufgabe zu haben.

"Viele Leute arbeiten freiwillig weiter", sagt etwa die Alterforscherin Verena Klusmann von der Universität Hamburg. "Es ist sehr identitätsstiftend, weiter im Arbeitsleben zu stehen."

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