Der Entlastungsbetrag ist ein gesetzlich geregelter Kostenerstattungsanspruc ...
Der Entlastungsbetrag ist ein gesetzlich geregelter Kostenerstattungsanspruch für Pflegebedürftige.Foto-Quelle: Robert Kneschke - Fotolia
Für häusliche Pflege - Diesen 1500-Euro-Zuschuss kennen viele nicht

Haushaltshilfe, Putzfrau, Botendienste, Hilfe bei der Körperhygiene usw. Pflegebedürftige müssen tief in die Tasche greifen, um die häusliche Pflege finanzieren zu können. Damit die Kostenbelastung nicht zu groß wird, hat die Regierung zum 1. Januar 2017 den sogenannten Entlastungsbetrag eingeführt. Pflegebedürftige aller Pflegestufen können zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe von monatlich 125 Euro in Anspruch nehmen. Doch machen davon keinen Gebrauch.

§ 45b des Sozialgesetzbuches Elf regelt den Anspruch aller Pflegebedürftigen auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Demnach können Pflegebedürfte in häuslicher Pflege unabhängig vom Pflegegrad zusätzliche Leistungen beantragen. Der Anspruch beläuft sich auf monatlich bis zu 125 Euro, dies entspricht bis zu 1500 Euro pro Jahr.

Wie der "NDR" unter Berufung auf Daten der Techniker Krankenkasse berichtet, fordern viele Berechtigte das Geld jedoch nicht an. In Mecklenburg-Vorpommern sollen 2019 nur 59 Prozent der Pflegebedürftigen von im Recht Gebrauch gemacht haben.

Keine Barauszahlung möglich

Bei dem Entlastungsbetrag handelt es sich nicht um einen Barauszahlung, sondern einen zweckgebundenen Anspruch auf Kostenerstattung - "für qualitätsgesicherte Leistungen zur Entlastung pflegender Angehöriger und vergleichbar Nahestehender in ihrer Eigenschaft als Pflegende".

Der Betrag wird demnach nur gewährt, wenn die Leistungen auch in Anspruch genommen wurden.

In Vorkasse gehen und Kostenerstattung beantragen

Das bedeutet: Die Pflegebedürftigen müssen zunächst in Vorkasse gehen und betragen dann gegen Vorlage von Rechnungen und Quittungen die Erstattung der Kosten bei ihrer Pflegekasse oder privaten Pflegeversicherung.

Pflegebedürftige, die sich damit überfordert fühlen, können Pflegediensten eine Abtretungserklärung unterschreiben. Dann holen sich die Dienste die Kostenerstattung direkt von der Kasse.

Erstattbar sind beispielsweise Kosten, die durch Tages- oder Nachtpflege, Kurzzeitpflege oder ambulante Pflegedienste entstehen. Für Personen mit Pflegestufe 1 auch Hilfe beim Duschen oder Baden.

Monatlicher Betrag verfällt nicht

Wenn der monatliche Entlastungsbetrag von 125 Euro nicht völlig genutzt wird, wird der Restbetrag auf die Folgemonate übertragen. Nicht verwendetes Budget zum Ende des Kalenderjahres, kann noch bis Ende Juni des Folgejahres in Anspruch genommen werden. Danach besteht die Möglichkeit nicht mehr.

Um erstattbare Betreuungs- und Entlastungsleistungen erbringen zu dürfen, müssen die Anbieter nach Landesrecht anerkannt sein. Informieren Sie sich bei der zuständigen Pflegekassen, welche Optionen Sie haben.

Grundsätzlich haben auch Nachbarschaftshelfer das Recht auf den Entlastungsbetrag. Pro Monat sind maximal 25 Stunden à 8 Euro steuerfrei abrechenbar, wenn die Person einen entsprechenden Kurz durchlaufen und sich bei der Pflegekasse als Helfer registriert hat.

Erstattbare Entlastungs- und Betreuungsleistungen

Als Entlastungsleistungen zählen z. B.:

  • Begleitung zum Hausarzt
  • gemeinsames Backen mit Alltagsbegleiter
  • haushaltsnahe Dienstleistungen wie Reinigung, Einkäufe, Fahrdienste, Verpflegung, Botengänge
  • Inanspruchnahme von Pflegebegleitern

Als Betreuungsleistungen zählen z. B.:

  • Tagesbetreuung in Kleingruppen
  • Einzelbetreuung durch anerkannte Helfer
  • Betreuungsgruppen für Demenzkranke
  • Mobilisation unter Begleitung
  • Besuchsdienste
  • sinnvolle Beschäftigung (lesen, backen, kochen)
  • familienentlastende Angebote

In bestimmten Fällen steht der Entlastungsbetrag auch Pflegeheimbewohnern zu.

Umwandlungsanspruch für Pflegesachleistungen

Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben ab Pflegegrad 2 zudem die Möglichkeit, ihren monatlichen Leistungsbetrag für ambulante Sachleistungen umzuwandeln.

Wird dieser Leistungsbetrag nicht in voller Höhe ausgeschöpft, kann er für ein nach Landesrecht anerkanntes Angebot zur Unterstützung im Alltag verwendet werden.

Beispiel: Die Pflegekassen gewähren Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 ambulante Sachleistungen in Höhe von 689 Euro pro Monat für die häusliche Pflege. Beansprucht der Pflegebedürftige beispielsweise nur 500 Euro, kann die Differenz von 189 Euro für zusätzliche Entlastungs- und Betreuungsleistungen verwendet werden.

Weitere Informationen gibt's auf www.pflege.de

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7 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Ich habe diesen Entlastungsbetrag von zwei verschiedenen Anbietern in Anspruch genommen und bin zweimal enttäuscht worden . Die Pflegedienste haben mich in ihr "Programm" eingearbeitet , unabhängig davon , wie ich mich dabei gesundheitlich gefühlt habe . Der andere Pflegedienst schickte mir ihre Putzfau , die sehr einfach gestrickt war und weder in der Lage war , auf meine Bedürfnisse einzugehen , sondern eigentlich mehr ihre Bedürfnisse im Vordergrund sah . Sie "jagte" mich durch die Geschäfte , um jedesmal ´ne halbe Stunde früher Feierabend machen zu können . - Habe mich bei der Leiterin beschwert , aber da es die Tante ihres Ehemannes war, hieß es , das sie das darf . - Jetzt habe ich die Nase voll und verzichte auf dieses Geld - Lasse jedes Jahr 1.500,-€ verfallen . - Meine Nerven und meine Ruhe sind mir lieber , wie solche Aufregung . - Möchte solange es geht , ein selbstständiges Leben führen und mich nicht rumtraktieren lassen . - Es gibt genug Menschen in meinem Umfeld , die das alles gerne für mich machen würden , aber dafür müsste ich das Geld selber gegen Quittung ausbezahlen dürfen , was aber leider nicht geht ! - Blödes Gesetz !!!
wize.life-Nutzer
Über die Verhinderungspflege könnten sie dir helfen, das Geld bekommst du von der Pflegekasse erstattet. Das ist das einzige Budget, das auch an Privatpersonen ausgezahlt wird. Aber es dürfen keine Verwandten sein, die gehen mal wieder leer aus...
wize.life-Nutzer
Verhinderungspflege habe ich , aber das hat mit der Entlastungspflege nichts zu tun . Verhinderungspflege ist dafür gedacht, wenn meine Pflegeperson aus Krankheits - oder Urlaubsgründen ausfällt , damit man nicht in die Kurzzeitpflege ins Heim muss . Soll man jetzt auch nicht fürs Spazierengehen verwenden , weil man nicht weiß , ob doch die Pflegeperson mal über einen längeren Zeitraum ausfällt . Das sieht man dann erst später ,....
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wize.life-Nutzer
Wir kennen den Entlastungsbetrag und haben ihn in der Vergangenheit schon oft angewendet, sowohl für hauswirtschaftliche Hilfen, Einkaufshilfe als auch für den Eigenanteil bei Kurzzeit- und Tagespflege.
Allerdings ist es auch nicht in jeder Region einfach, einen geeigneten Anbieter zu finden, der auch wirklich das anbietet (leisten darf), was dem persönlichen Bedarf entspricht. Manche wollen dann z. B. keinen Einkaufsservice machen oder dürfen keine Glühbirne auswechseln an der Deckenbeleuchtung und ehrenamtliche Dienste haben oft kein Auto. Die sind dann zwar günstiger, dürfen aber vieles nicht machen, weil sie nicht entsprechend versichert sind.
Wir haben zum Glück einen Dienst, der bisher noch alles kann und darf und sind damit sehr zufrieden. Aber die sind wie gesagt auch heute noch eher selten zu finden und nicht alle sind berechtigt, mit der Pflegekasse abzurechnen.
wize.life-Nutzer
Genau das meinte ich.
wize.life-Nutzer
Tschüss
wize.life-Nutzer
Tschüss
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