Wertguthaben: Dabei sparen Beschäftigte einen Teil ihrer Arbeitszeit oder ei ...
Wertguthaben: Dabei sparen Beschäftigte einen Teil ihrer Arbeitszeit oder einen Teil ihres Lohns längerfristig an, um später eine Auszeit vom Job zu nehmenFoto-Quelle: imago images/imagebroker
Rente: Früher in Ruhestand ohne Abschläge dank "Wertguthaben"

Früher aufhören zu arbeiten, früher ohne Abschläge in Rente - um diesen Traum zu verwirklichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist vielen unbekannt: Auch so genannte "Wertguthaben" können für einen vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand genutzt werden. Wie das funktioniert, erfahren Sie hier.

Die Altersgrenze für die reguläre Altersrente wird schrittweise auf 67 Jahre angehoben, auch aus der abschlagsfreien Frührente, der "Rente mit 63", wird faktisch bis zum Jahr 2029 eine "Rente mit 65".

Einige Experten und Politiker glauben, dass über kurz oder lang kein Weg daran vorbeiführt, dass Arbeitnehmer erst mit 70 in Rente gehen.

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Vor diesem Hintergrund überlegen viele, was es für Möglichkeiten gibt, sich früher von den Kollegen und in den Ruhestand zu verabschieden.

"Rente mit 63" boomt

Seit einiger Zeit berichtet die Deutsche Rentenversicherung von einem Run auf die "Rente mit 63".

Doch die Voraussetzungen dafür sind vergleichsweise hoch - eine wesentliche ist, dass Arbeitnehmer 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben müssen. Das ist etwa für diejenigen vor der Regelaltersgrenze nicht zu schaffen, die ein Studium absolviert haben.

Auch Sonderzahlungen an die Rentenversicherung, um bei früherem Renteneintritt Abschläge zu vermeiden, werden zunehmend beliebter.

Rentenversicherung verzeichnet "enormen Zulauf"

Eine weitere Möglichkeit dagegen ist weniger bekannt: Wertguthaben. Auch sie können seit 1998 genutzt werden, um früher in Rente zu gehen. Was offenbar viele Menschen jetzt in Erwägung ziehen.

"Das Referat für Wertguthaben bei der DRV berichtet von einem enormen Zulauf in diesem Bereich“, sagte Gundula Sennewald, Rentenexpertin bei der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin, den "Stuttgarter Nachrichten".

Was sind "Wertguthaben"?

Wertguthaben kann man sich als ein separates Arbeitszeit-Konto vorstellen, mit dem Arbeitnehmer Entgelt- oder Zeitanteile ansparen. Also entweder einen Teil ihres Lohns, oder einen Teil ihrer Arbeitszeit.

Das Ziel: Diese in Form von Geld angesparte Zeit irgendwann zu nutzen, um eine längere Auszeit vom Job zu nehmen - dennoch aber bezahlt zu werden und sozialversicherungsrechtlich abgesichert zu sein.

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Während dieser Freistellung wird dann das angesparte Wertguthaben ausgezahlt. Arbeitnehmer können die Auszahlung auch bis ans Ende ihres Arbeitslebens verschieben und nutzen, um früher aus dem Berufsleben auszusteigen.

Wofür können Wertguthaben genutzt werden?

Neben einem früheren Renteneintritt ist es auch möglich, das angesparte Wertguthaben für die Erziehung eines Kindes, die Pflege von Angehörigen, ein Sabbatical oder einen Langzeiturlaub zu nutzen.

Wie funktioniert das ganz konkret?

In Absprache mit ihrem Arbeitgeber können Arbeitnehmer ein solches Zeitwertkonto anlegen. Während der Ansparphase zahlen die Beschäftigten einen Teil ihres Bruttolohns in das Wertguthaben ein, der Arbeitgeber seinen Anteil an der Sozialversicherung. Auch Sonderzahlungen, Überstunden, nicht in Anspruch genommene Urlaubstage oder Mehrarbeitsvergütungen können dafür genutzt werden.

"Das Besondere an den so entstehenden Wertguthaben ist, dass in der Ansparphase zunächst keine Steuern und Sozialversicherungsabgaben fällig werden", heißt es bei der Deutschen Rentenversicherung. "Diese sind erst zum Zeitpunkt der Auszahlung zu entrichten, so dass während der Freistellung von der Arbeit weiterhin ein Sozialversicherungsschutz besteht."

Das angesparte Guthaben wird dann in der Freistellungsphase abgebaut, also an den Arbeitgeber ausgezahlt, wenn er zeitweise oder direkt vor Rentenbeginn nicht mehr arbeitet. In dieser Zeit ist er/sie auch sozialversichert. Allerdings müssen die ausgezahlten Beträge versteuert werden, auch Sozialversicherungsbeiträge werden dann fällig.

Kann ich auch Zeit ansparen?

Um Wertguthaben anzusparen, können zwar auch Überstunden oder nicht genutzte Urlaubstage genutzt werden. Doch das Konto muss in Geld geführt werden, so sieht es das Gesetz vor. Bedeutet: Wird Arbeitszeit eingebracht, muss diese in konkrete Beträge umgerechnet werden.

Muss mein Arbeitgeber mir Wertguthaben ermöglichen?

Nein, Unternehmen sind dazu nicht verpflichtet. Es ist ein freiwilliges Angebot, das viele Firmen aber nutzen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Stichwort: Moderne Arbeitszeitmodelle.

Die Rahmenbedingungen für ein Wertguthaben legen Arbeitgeber und -nehmer in einer Vereinbarung fest. "Darin muss festgeschrieben sein, dass das Wertguthaben für eine Freistellung angespart wird", heißt es vonseiten des Bundesarbeitsministeriums. Zu diesem Zeitpunkt muss sich der Arbeitgeber aber noch nicht überlegt haben, für welche Form der Freistellung - früherer Rentenbeginn, Pflege, Sabbatical - das Wertguthaben genutzt werden soll.

Was passiert mit dem Wertguthaben, wenn ich die Firma wechsele - oder diese insolvent ist?

Der Wechsel des Arbeitgebers ist kein Problem, Wertguthaben können mitgenommen werden. Sollte der neue Betrieb es ablehnen, das Zeitwertkonto weiterzuführen, können Beschäftigte das Wertguthaben auch an die Deutsche Rentenversicherung übertragen, die das Guthaben dann auszahlt.

Außerdem müssen Arbeitgeber die Wertguthaben ihrer Arbeitnehmer gegen Insolvenz versichern, auch das schreibt das Gesetz vor.

Ich will mehr wissen - wo bekomme ich verlässliche Informationen?

Informationen rund um Wertguthaben bietet die Broschüre "Wertguthaben - Arbeitsleben aktiv gestalten", die das Bundesarbeitsministerium herausgegeben hat. Inzwischen ist das Heft vergriffen, steht aber online zur Verfügung.

Auch bei der Deutschen Rentenversicherung gibt es zu dem Thema nähere Infos und die Online-Broschüre "Wertguthaben übertragen".

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