Homeoffice: Was als Arbeitsunfall gilt - und was nicht
Homeoffice: Was als Arbeitsunfall gilt - und was nichtFoto-Quelle: Pixabay
Homeoffice: Was als Arbeitsunfall gilt - und was nicht

Für viele Deutsche bedeutet die Corona-Krise, dass ein paar Wochen lang von zu Hause aus gearbeitet werden muss. Während Arbeitsunfälle in den Betriebsräumen leichter einzuordnen sind, ist dies beim Homeoffice nicht immer der Fall. Wann gilt ein Unfall in den eigenen vier Wänden als Arbeitsunfall - und wann nicht?

Vorweg muss jedem klar sein: Zum Thema Arbeitsunfall im Homeoffice gibt es bislang keine eindeutige Regelung. Dennoch können Arbeitnehmer, die schnell feststellen möchten, ob sie in einem konkreten Fall unfallversichert sein könnten, sich an bestimmten Prinzipien orientieren. Diese gehen aus Gerichtsentscheidungen hervor.

Bei einem Gerichtsverfahren, in dem es um einen Sturz auf der Kellertreppe ging, gab das Bundessozialgericht der Arbeitnehmerin recht. Die Frau war auf dem Weg in den Keller ihres Hauses, wo sie ihre mit dem Arbeitgeber vereinbarten Büroräume hatte, auf der Treppe gestürzt. Infolge des Unfalls erlitt die Frau Verletzungen an der Wirbelsäule.

Die Berufsgenossenschaft wollte den Sturz auf der Kellertreppe nicht als Arbeitsunfall anerkennen. Diese sei nicht Teil der geschäftlich genutzten Räumen, zudem sei der Unfall nicht bei der Ausführung einer beruflichen Handlung erfolgt - die Frau wollte mit ihrem Vorgesetzten telefonieren -, sondern bei vorbereitenden Handlungen zum Telefonat.

Dieser Argumentation folgte das Gericht nicht. In ihrer Begründung des Urteils erkannten die Richter, dass

  • der Keller der mit dem Arbeitgeber vereinbarte Arbeitsort war;
  • die Frau befand sich auf Anweisung ihres Vorgesetzten auf dem Weg in den Keller;
  • das Telefonat eine Aufgabe im Interesse des Unternehmens war.

Zudem könne die Außentür als Grenzziehung für Betriebswege in diesem Fall nicht gelten. Aufgrund dieser Umstände sei der Sturz als Arbeitsunfall anzusehen.

Unfälle im Zusammenhang mit dem privaten Lebensbereich

Anders verhält es sich, wenn der Unfall bei der Ausführung einer Handlung im Zusammenhang mit dem privaten Leben des Arbeitnehmers stattfindet. Bei einem anderen Gerichtsfall war eine Arbeitnehmerin auf dem Weg von ihrem Büro im Obergeschoss ihres Hauses in die Küche im Erdgeschoss gestürzt. Den Unfall wollte die Frau als Arbeitsunfall anerkannt sehen.

In diesem Fall entscheid das Bundessozialgericht zu Lasten der Arbeitnehmerin. Die der privaten Wohnung innewohnenden Risiken habe nicht der Arbeitgeber, sondern der Versicherte selbst zu verantworten. Den Weg in die Küche habe die Frau schließlich nicht auf Anweisung ihres Vorgesetzten zurückgelegt, sondern um für sich Wasser zu holen.

Ähnlich hat das Sozialgericht in München erst vor kurzem entscheiden: Wer im Homeoffice einen Unfall erleidet, etwa auf dem Weg zur Toilette, hat keinen Anspruch auf Entschädigung.

Grundsätzlich muss bei einem Unfall im Homeoffice die Frage geklärt werden, welche Handlung der Arbeitnehmer zu welchem Zweck ausgeübt hat. Anders als in der Arbeitsstätte ist die Trennung zwischen dienstlichen und privaten Handlungen und Räumen im Homeoffice schwieriger. Im konkreten Fall kann dann der Versicherungsschutz entfallen.

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