Zu wenig Lebensmittel für Tafeln - Helfer sind gegen Abgabegesetz

33.000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr werden in Bayern an die Tafeln gespendet. Das gab das Sozialministerium auf Anfrage der SPD-Landtagsfraktion bekannt. Dies entspreche nur 2,4 Prozent von rund 1,3 Millionen Tonnen Lebensmittelverlusten, die vermieden werden könnten. Eine gesetzliche Pflicht zur Weitergabe von Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen lehnt die Regierung trotzdem ab. Selbst die Tafeln sprechen sich dagegen aus. Die SPD fordert ein Umdenken.

In Bayern werden nur 2,4 Prozent von 1,3 Mio Tonnen Lebensmittelverlusten ge ...
In Bayern werden nur 2,4 Prozent von 1,3 Mio Tonnen Lebensmittelverlusten gespendet.Foto-Quelle: Pixabay

"In Bayern werden einfach zu viele genießbare Lebensmittel vom Einzelhandel weggeworfen, längst nicht alle unverkäuflichen Lebensmittel kommen den Tafeln zugute. Der Tisch bei den Tafeln könnte also viel reicher gedeckt sein. Ich finde das beschämend, wir brauchen hier dringend eine Kurskorrektur", so SPD-Abgeordnete Ruth Müller gegenüber der Deutschen Presse Agentur.

Der Verband Tafel Bayern sammelt nach eigenen Angaben "Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft, Backwaren vom Vortag, beschädigte oder eingedrückte Verpackungen oder Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern". Auch falsch bedruckte Verpackungen, Produkte aus Sonderaktionen oder Saisonware seien geeignet. Häufig würden aber ganze Paletten Obst entsorgt, weil es sich finanziell nicht lohnt, einzelne Früchte auszusortieren.

Eine gesetzliche Pflicht würde der Vorsitzende Peter Zilles dennoch nicht begrüßen. "Bei einer Ad-hoc-Gesetzesänderung würde unsere komplette Infrastruktur zusammenbrechen." Dafür habe man weder die Manpower noch die Logistik. Die freiwillige Basis mit dem Handel laufe dagegen sehr gut.

43 kg Lebensmittelmüll könnten verhindert werden

Insgesamt beträgt das Vermeidungspotenzial für Lebensmittelverluste in Bayern laut Kompetenzzentrum Ernährung 73.000 voll beladene LKW. Dies setzt sich wie folgt zusammen:

  • Verluste in der Landwirtschaft durch Schädlingsbefall oder verfrühte Keimung 290.000 t
  • Verluste in der Lebensmittelverarbeitung durch Produktionsfehler 220.000 t
  • Verluste in Lebnesmitteleinzel- und Großhandel 99.000 t
  • Privatabfälle 544.000 t

Das bedeutet auch, dass 43 kg Lebensmittelverluste pro Kopf vermieden werden können.

Müllvermeidung und weniger Lebensmittelverschwendung nicht vereinbar

Der Handel ist grundsätzlich selbst daran interessiert, möglichst wenig Lebensmittel wegzuwerfen. Aber dieses Ziel steht im Konflikt mit der immer lauter werdenden öffentlichen Forderung nach Müll- und Verpackungsvermeidung.

"Es ist eine Illusion, vom plastikfreien Supermarkt zu träumen, weil sonst noch mehr Abfälle anfallen", sagte Bernd Ohlmann vom Handelsverband. Eine nicht eingeschweißte Gurke sei einfach weniger lange haltbar. "Wenn wir weniger Plastik und weniger Lebensmittelverschwendung wollen, ist das die Quadratur des Kreises."

LESEN SIE AUCH
Überfüllte Züge? Bahn kontert: Greta reiste 1. Klasse mit Sitzplatz

1 Kommentar

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
wize.life-Nutzer
Es Zeigt das wir eine wahnsinnige Überproduktion haben. Mit der Schließung der Agrarkonzerne kann man einen Großteil dieser Überproduktion und die Verpestung unserer Luft, Land und Wasser in den Griff bekommen. Die eingesparten Milliarden an Subventionen in die Infrastruktur investieren. Das Ausland soll sich seine Nahrung selbst besorgen, das hilft dem Klima, weniger Transporte. Wir subventionieren hier die Großzüchter von Schwein und Rind, verseuchen damit unsere Umwelt, berauben den Bauern im Ausland seiner Existenz um Türken und Chinesen mit unserem Billigfleisch zu beliefern. Machen wir endlich Schluss mit diesem Globalem Irrsinn. Klimaschutz kann in manchen Bereichen so einfach sein wenn nicht korrupte Politik das verhindert.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.