Drohen durch Behandlungszentren mit Finanzinvestoren überflüssige Behandlung ...
Drohen durch Behandlungszentren mit Finanzinvestoren überflüssige Behandlungen? (Symbolbild)Foto-Quelle: pixabay/ Marion Brun
Angst vor unnötigen Behandlungen: Finanzinvestoren kaufen Arztpraxen

Immer mehr niedergelassene Fachärzte verkaufen ihre Arztpraxen an Firmen oder internationale Finanzinvestoren. Das hat Folgen für Patienten wie auch das Gesundheitssystem insgesamt. Die Angst von Experten: Dass der Rendite halber unnötige und teure Behandlungen vorgenommen werden.

Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung rechneten Zahnarztzentren in Investorenbesitz im Jahr 2018 pro Patient rund ein Drittel mehr mit den Kassen ab als Praxen in Arztbesitz, wie die "Welt am Sonntag" (Wams) berichtet.

OP-Zahl stieg parallel zum Anstieg der Zentren

Bei den Augenärzten etwa in Baden-Württemberg sei die Zahl der ambulanten Operationen am Grauen Star in den vergangenen Jahren parallel zum Anstieg der Medizinischen Versorgungszentren um mehr als ein Viertel gestiegen.

Mehr unnötige Behandlungen? Höhere Kosten!

Diese Zahlen nähren Befürchtungen von Gesundheitspolitikern, Ärzte- und Kassenvertretern, dass aufgrund von ambitionierten Gewinnerwartungen mehr und teils unnötige Behandlungen in Behandlungszentren von Investmentfirmen verordnet und mit den Kassen abgerechnet würden.

Mögliche Folgen für Patienten

Stimmt die Schlussfolgerung, würde das für Patienten bedeuten, dass sie sich teils überflüssigen Behandlungen unterziehen müssen. Langfristig können steigende Kosten für Kassen auch zu höheren Beiträgen führen.

Sitz der Investoren teils in Steueroasen

Bundesweit arbeiten der Zeitung zufolge bereits rund 18.000 der insgesamt 94.000 Fachärzte, die Kassenpatienten versorgen, als Angestellte bei sogenannten Medizinischen Versorgungszentren. Seit der gesetzlichen Öffnung hierfür sind etwa 4100 solcher Zentren entstanden, die teilweise bundesweit Arztketten bilden. Hinter fast jedem sechsten Zentrum stehen Investorenfirmen, teils mit Sitz in Steueroasen wie den Cayman Islands.

Lauterbach sieht unüberwindbare Interessenskonflikte

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert, den Verkauf von Arztsitzen an Finanzinvestoren zu verbieten. "Wenn solche stark profitorientierten Mehrheitseigner die ambulante Versorgung betreiben, entstehen unüberwindbare Interessenkonflikte", sagte Lauterbach der "Wams". Das Geschäftsmodell der Fondsgesellschaften bestehe darin, die Praxisverbünde profitabler zu machen und sie nach wenigen Jahren gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Wird die freie Arztwahl beschränkt?

Auch die größte gesetzliche Krankenkasse AOK fordert engere gesetzliche Regeln für die Verkäufe. "Auf jeden Fall müssen die Eigentümerstrukturen in diesem Bereich und die wirtschaftlichen Verflechtungen transparenter werden", sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Wolfgang Eßer, nannte die Verkaufswelle einen "unumkehrbaren Systemumbau" hin zu einem gewerblich orientierten Gesundheitswesen. Auch der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, warnte vor dem Entstehen "konzernartiger Strukturen", die möglicherweise die freie Arztwahl der Patienten beschränken könnten.

Es könnte erst der Anfang sein

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank sieht die Verkaufswelle erst am Anfang. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Verkäufe von Arztsitzen in den kommenden Monaten und Jahren deutlich anziehen wird“, sagte Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik bei der Bank. Denn viele niedergelassene Ärzte stünden kurz vor dem Ruhestand. Verkauften Ärzte Praxen an Investoren ließen sich teils deutlich höhere Preise erzielen als bei der Übergabe an andere Ärzte.

Arztketten wiegeln ab

Die Betreiber der Arztketten bezeichneten die Sorgen der Kassen und Gesundheitspolitiker als unbegründet. Praxisverbünde erlaubten es Ärzten vielmehr, sich „voll der Patientenversorgung zu widmen“, statt einen Großteil ihrer Zeit für die Verwaltung aufwenden zu müssen, sagte Daniel Wichels, Chef der Zahnarztkette Zahneins und Vorsitzender des Bundesverbandes für nachhaltige Zahnheilkunde, die die Interessen zahnmedizinischer Versorgungszentren vertritt.

Eigentumsverhältnisse oft sehr intransparent

Die Linke-Bundestagsfraktion kritisierte bereits 2019 in einem Antrag an den Bundestag, Patienten könnten kaum noch feststellen, wem ein Behandlungszentrum gehöre und an wen die Gewinne flössen. Sie fordert eine Offenlegungspflicht der Eignerstrukturen.

Ministerium will "zeitnah" Gutachten in Auftrag geben

Das Bundesgesundheitsministerium kündigte auf Anfrage an, "zeitnah ein Gutachten zur Weiterentwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Medizinische Versorgungszentren" in Auftrag zu geben. Es solle Klarheit über mögliche Zusammenhänge zwischen den Trägerstrukturen und der Versorgungsqualität bringen.

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7 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Ich wundere mich immer wieder über die Naivität der Menschen. Wer wachen Auges durch die Welt geht der musste doch erkennen dass es den Arzt so wie wir ihn von Früher kennen kaum noch gibt. Arztpraxen sind zu Profitzentren verkommen, eine individuelle Behandlung kann gar nicht mehr erfolgen wenn im 5 Minutentakt die Patienten durch geschleust werden. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen so wie Wohnungen sind den Finanzhaien von der Politik überlassen worden. Aus unseren Beiträgen gehen Milliarden nicht in die Versorgung sondern für Gewinne an die Anleger. Diese Politik ist pervers und Menschenfeindlich und wird noch von den meisten blinden Bürgern unterstützt.
wize.life-Nutzer
Es gibt durchaus noch Ärzte, die die Patienten nicht im 5-Minutentakt durchschleusen. Durch unseren Umzug waren wir gezwungen neue Ärzte zu finden, es hat aber gedauert, die passenden zu finden.
Mir war es auf jeden Fall lieber, dass der Chirurg eine Oberschenkelamputation meines Mannes ambulant durchführte und die Fallpauschale kassierte, als wenn er im zuständigen Krankenhaus operiert worden wäre. (war bei ihm relativ harmlos, da keine Narkose erforderlich war, nur eine leichte Sedierung). So blieb er wenigstens von Krankenhauskeimen verschont.
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wize.life-Nutzer
Ich weis nicht was die mit dieser Panikmache bezwecken,dieses Thema ist Sache der Politik,die wie schon so oft in den letzten 15 Jahren völlig versagt hat,die Krankenhäuser wurden verschachert,ganze Häuserkomplexe verscheuert,wer ausen vor bleibt ist das Volk!
Hauptsache Unruhe stiften,die Bürger verunsichern,sch... Regierung!
wize.life-Nutzer
Sehr geehrter Hr. WILFRIED KROHN,
prinzipiell stimme ich ihrer Meinung schon zu, betrachte selbige jedoch als zu oberflächlich und trifft eben nicht den Kern in dieser Problematik !
In unserer "Kleinstadt" (ca. 10 000 Einwohner) wurde ein Krankenhaus geschlossen weil die Problematik darin bestand das der Grund und Boden "unserer Stadt" gehört, die Immobilien jedoch einem weit größeren Krankenhaus gehörte. Seitens der Bürger und auch der hiesigen Politik war zu verdanken das jede Woche Mahnwachen durchgeführt wurden und werden. Leider verloren,jedoch kämpfen wir jetzt darum das wenigstens ein "MVZ" eingerichtet werden kann.
Natürlich ist "Kommunalpolitik" nicht mit "Bundespolitik" vergleichbar, da muss ich mich schon ihrer Meinung anschließen, auch wenn man bedenkt das viele Arztpraxen aus Altersgründen schließen oder geschlossen werden! Hier in den letzten Jahren 3 Allgemeinmediziner und ein Orthopäde. Auf dem Krankenhausgelände soll nun Wohnraum entstehen, natürlich nicht Sozial gefördert, jedoch immer noch in der Hoffnung auf ein mit integriertes "MVZ". Damalig hatte man wohl die Hoffnung in Osnabrück in eben diesem Krankenhaus mit angeschlossenen Schwesternwohnheim ca 700 eher mehr Flüchtlinge unterbringen zu können, was unser Stadtrat eben damit verhindert hat. Natürlich hat die Bundespolitik hier mit Ihren beschlossenen
Gesetzen den Hauptanteil an dieser Misere, wobei man auch die Krankenkassen nicht vergessen darf, welche nun ja sich nach eben diesen Gesetzen richten müssen. Es ist doch ebenso ein Unding das es in letzter Zeit immer wieder zu Medikamenten Engpässen kommt.
Diesbezüglich kann ich mich nur Ihrer Meinung anschließen, ob die Ursachen dafür beseitigt werden können oder ob dies gar nicht gewollt ist entzieht sich meiner Kenntnis. Ich denke eher, wie von Ihnen dargestellt, dass die Schuld hierfür bei der Politik zu suchen ist.
Auf diese Weise darf man gespannt sein wie viel schlechter es noch werden wird, denn eine Verbesserung der Situation ist für mich nicht in Sicht. Eine Möglichkeit wäre ja noch, weitere Ärzte und Pflegepersonal aus dem Ausland nach Deutschland zu holen, wobei ich nicht wissen möchte wie hoch der Anteil derer ohnehin schon ist.
Einen schönen Abend noch und bleiben Sie gesund!
wize.life-Nutzer
„Eine Möglichkeit wäre ja noch, weitere Ärzte und Pflegepersonal aus dem Ausland nach Deutschland zu holen, „
Wie viele den noch? Die ehemaligen Ostblockstaaten leiden schon Heute unter der Abwerbung durch uns. Ich hatte in den letzten Jahren leider mehrfach das Vergnügen in ein Krankenhaus zu müssen. Bei den Aufnahmegesprächen war teilweise eine Verständigung gar nicht möglich da ich meinen Arzt nicht verstehen konnte. Auch von Pflege konnte keine Rede sein. Wer wirklich hilflos in seinem Bett lag war auf Hilfe der Familie oder des Zimmernachbarn angewiesen. Was wir brauchen ist die Abschaffung der Gewinnmitnahme durch Konzerne. Gewinnmaximierung hat bei der Gesundheit und der Pflege nichts zu suchen. Es werden Milliarden von Beitragsgelder an Kapitalhaie verpulvert.
wize.life-Nutzer
Das Kernproblem ist doch sicher,die Merkel Regierung verhindert durch Sparmaßnahmen gute Ausbildung,egal in welcher Brange,das geht in den Schulen los,kein Lehrpersonal,die Schüler lernen an Staatlichen Schulen so gut wie nichts,die Lehren das selbe,kein Ausbildungspersonal,diejenigen die gut ausgebildet werden kommen meist vom Gymnasium oder Privatschulen,da ist es für Merkel doch viel billiger,die Einheimischen garnicht auszubilden,dafür Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben,die spart Milliarden,wo Du auch fragst,die Alten gehen in Rente,aber Ausgebildet wird keiner,wozu auch!
Wenn sich hier nichts ändert,wird Deutschland das,Armenhaus der Welt und wofür,für die Schwarze Null!
wize.life-Nutzer
Wer glaubt dass diese Politiker sich um das was die Menschen angeht auch kümmern der glaubt auch an den Osterhasen. Alles was wichtig ist sind die Konzerne. Dank der menschenfeindlichen Politik unserer Regierung boomen die Börsen. Konzerne haben Probleme, Gewinneinbrüche, Milliardenstrafen aber die Börsen boomen. Die kriminellen Kapitalmärkte haben sich schon lange von der Realwirtschaft abgekoppelt. Die Gewinne werden mit Luftbuchungen gemacht. Die Gewinne aus dieser Gauner - Wirtschaft werden auch dank der politischen Unterstützung nicht versteuert. Solche Nieten wie unser FM tönen laut von Börsensteuer und wird sofort von der EU eingebremst. Die Gewinne der Reichen werden durch Betrug, Enteignung der Bürger und dem Diebstahl von Beitragsgeldern erzielt.
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