Herzstillstand: Warum Frauen seltener wiederbelebt werden als Männer

Herzerkrankungen sind eine der häufigsten Todesursachen - bei Männern und Frauen. Umso erschreckender ist das Ergebnis einer aktuellen Studie: Demnach werden Frauen, die außerhalb eines Krankenhauses einen Herzstillstand erleiden, seltener von Augenzeugen reanimiert als Männer.

Im Vergleich zu ihnen ist bei Frauen außerdem die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie nach einer Reanimation sterben.

Frauen werden nach Herzstillstand seltener erfolgreich reanimiert - zu diese ...
Frauen werden nach Herzstillstand seltener erfolgreich reanimiert - zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle StudieFoto-Quelle: Pixabay

Diesen Unterschied in der Behandlung haben Forscher aus den Niederlanden nachgewiesen. Dafür haben die Wissenschaftler der Universität Amsterdam insgesamt rund 5700 Fälle von Reanimation nach Herzstillstand analysiert.

Im Video:

Herzstillstand: Wie jeder mit «Defis» Leben retten kann

Bei einem Herzstillstand hört das Herz auf zu schlagen. Patienten müssen so schnell wie möglich wiederbelebt werden, da bereits nach wenigen Minuten Gehirnzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und absterben. Durch Reanimation können sie zurück ins Leben geholt werden.

Umso fataler der Unterschied zwischen den Geschlechtern, den die Forscher festgestellt haben: Kaum ein Drittel (28 Prozent) der insgesamt 5700 Reanimationen wurde an Frauen durchgeführt, in der überwiegenden Mehrzahl waren es Männer (72 Prozent), die nach einem Herzstillstand davon profitierten.

Überlebenschance bei Männern deutlich höher

Noch gravierender ist der Unterschied bei der Überlebensrate: Von den wiederbelebten Frauen wurden 12,5 Prozent aus dem Krankenhaus entlassen, überlebten also den Herzstillstand. Bei den Männern waren es dagegen 20 Prozent. Die Überlebenschancen sind damit der Studie zufolge für Männer fast doppelt so hoch wie bei Frauen.

Auch interessant:

Notruf bei Herzinfarkt: Frauen werden schlechter versorgt als Männer

Eine mögliche Erklärung dafür könnte in einer falschen Einschätzung der Symptome liegen, vermuten die Forscher.

Viele Menschen sind sich vielleicht nicht bewusst, dass ein Herzstillstand genauso häufig bei Frauen auftreten kann wie bei Männern

sagt Studienleiter Hanno Tan der Zeitschrift „New Scientist“.

Außerdem könnte es auch sein, dass Frauen selbst die Symptome falsch deuten und nicht erkennen, in was für einer lebensbedrohlichen Situation sie sind.

Unterschiedliche Symptome bei Männern und Frauen

Das liege womöglich auch daran, dass die Symptome für einen Herzinfarkt - eine der häufigsten Ursachen für Herzstillstand - bei Frauen andere sind als bei Männern.

„Bei Frauen kann sich ein Herzinfarkt ankündigen durch Symptome, die nicht so leicht interpretiert werden können“, so Tan. Dazu zählen demnach Müdigkeit, Erbrechen, Atembeschwerden, Schmerzen in Schulter, Hals oder Kiefer.

Lesen Sie auch:

Herzinfarkt vorbeugen: Diese 4 Tipps mindern das Infarkt-Risiko


Tan: „Männer dagegen klagen vor einem Infarkt eher über typische Symptome wie Brustschmerzen“ - die eher mit einem Herzinfarkt in Zusammenhang gebracht werden.

So wirkt sich die höhere Lebenserwartung aus

Auch dies halten die Forscher für möglich: Dass ein Grund für die weniger häufige Reanimation von Frauen nach einem Herzstillstand an deren höherer Lebenserwartung liegt. Dadurch sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass ältere Frauen verwitwet sind und alleine leben.

Da es zumeist zuhause zu einem Herzstillstand komme, so die Logik, sei in weniger Fällen eine rechtzeitige medizinische Versorgung gesichert.

Um dem entgegenzuwirken, schlagen die Forscher vor, alleinlebende Frauen mit tragbaren Geräten auszustatten, die die Herz und Kreislauf überwachen und im Notfall Alarm schlagen.

7 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
wize.life-Nutzer
Interessant ist doch, dass als Grund angeführt wird, dass sie häufiger allein leben - weil "verwitwet" Die kriegen aber häufig keine Herzinfarkte - weil sie trotzdem noch nach "alter Schule" "echte Kontakte" haben - und es ruhig angehen lassen - und im Zweifelsfall auch jemand haben, der bei ihnen vorbeischaut - Nachbarinnen - oder Töchter z. B. Interessanter wirds doch bei "doppelbelasteten alleinerziehenden "Ich brauch keinen Mann, der für mich was macht!"-Bewusst-Single-Frauen - mit potenziell eher virtuellen Kontakten - die dann auch schon mal zu einer "herzbelastenden Lebensweise" neigen - wenig Bewegung - und ordentlich "Frust-Nahrung" - weil sie ja "so allein sind" obwohl sie doch keinen im Haus haben wollen Dass DA niemand schnell "reanimieren" kann, versteht sich doch von selbst - oder??? Wobei ich umgekehrt im Laufe der letzten Jahre so einige ältere Ehefrauen kennengelernt haben - die gern das Spiel mit den "Brustschmerzen" spielen - und ihren Gatten dann schon mal gern mitten in der Nacht aufscheuchen - und in die Notaufnahme im Krankenhaus drängen - weil sie "keine Luft mehr kriegen" - und dann eben meistens nix festgestellt wird. Männer lassen sich da schon häufiger mal überraschen - von einem ECHTEN Herzinfarkt - der dann auch gleich RICHTIG zuschlägt - und deshalb wirklich nur "energische Reanimationsmaßnehmen" erfordert.
wize.life-Nutzer
Weil hinter der Brust das Herz ist und es kann man nicht so Massieren.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
wize.life-Nutzer
Diese Schlagzeile wäre witzig, wenn es sich nicht um solch ein ernstes Thema handeln würde.
Ich hätte aber auf jeden Fall geschrieben, Frau "KÖNNEN" seltener wiederbelebt werden als Männer!
wize.life-Nutzer
Wundert. Ich nicht. Sie bekommen eine schlechtere ärzicbe Versorgung und auch weniger gute Medikamente als Männer
wize.life-Nutzer
wize.life-Nutzer. ??????????????????????????????????????????????????? Was für eine schlechtere Versorgung und was für weniger gute Medikamente? Der Hersteller ist doch unwichtig. Der Wirkstoff ist wichtig und seine Dosierung. Einfach mal den Apotheker fragen. Schon an seiner Antwort merke ich ob er ein Scharlatan ist oder nicht. Will er nur seine teuren Markenprodukte verkaufen ist ein Apothekenwechsel angesagt. Genau aus dem Grund werden nämlich für bestimmte Medikamente von den Krankenkassen, zumindest bei Zuzahlungsbefreiten chronisch Kranken, die Hersteller gewechselt. Meist sogar der selbe Hersteller b.z.w. eine Tochter des Unternehmens. Nur halt mit einem anderen Namen.
wize.life-Nutzer
Das ist richtig Willy, ich kann mir auch nicht vorstellen warum es bei den Frauen anders gehändelt wird, als bei Männern.
wize.life-Nutzer
Habe ich bei meiner Frau gesehen. Die hatte bei ihrem Herzinfarkt vor 2 Jahren ganz andere Symptome als ich bei meinen 3 vor ihr. Der Notarzt war da. Etwas erhöhter Blutdruck in dem Alter ist normal, hat er gesagt. Sind die Wechseljahre. Und weg war er wieder. Sie könne ja heute, wenn ihr Hausarzt noch auf hat oder dann auch morgen mal zu ihm gehen wenn es ihr nicht besser gehen sollte. Also die Frau zu ihrer Hausärztin gekarrt. Eine Stunde später lag sie auf dem OP-Tisch und sie haben ihr 2 Stents reingebastelt.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.