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Pflege-TÜV wird reformiert
Pflege-TÜV wird reformiertFoto-Quelle: Robert Kneschke - Fotolia
Pflege-TÜV funktioniert nicht - Darauf kommt es bei Entscheidung fürs Seniorenheim wirklich an

Hoher bürokratischer Aufwand, dafür geringer Nutzen. Jahrelang stand der Pflege-TÜV in der Kritik. Nun hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Reform der Qualitätsprüfung für den Herbst 2019 angekündigt. Aber spielt der Pflege-TÜV für die Deutschen bei der Suche nach einem Pflegeheim überhaupt eine Rolle?

Die richtige Pflegeeinrichtung für ein Familienmitglied zu finden, fällt nicht leicht. Schließlich will man sicher sein, dass der Pflegebedürftige die optimale Betreuung erhält. Hilfe bei der Suche nach einem guten Heim oder einer ambulanten Pflegeeinrichtung soll der im Jahr 2009 eingeführte Pflege-TÜV bieten.

Alle Einrichtungen werden seitdem jährlich vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen überprüft und anhand von rund 70 Kriterien mit Schulnoten bewertet. Ziel des Pflege-TÜVs war es zudem, für mehr Qualitätswettbewerb zwischen den Einrichtungen zu sorgen. Bereits kurz nach der Einführung stellte sich jedoch heraus, dass das System mit den Schulnoten nicht funktionierte.

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„Es werden bewusst Schwachstellen vertuscht, damit keine Pflegeeinrichtung schlechter dasteht als andere“, kritisierte der vormalige Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU). Alle Heime erhielten im Bundesdurchschnitt die Note 1,2 – für Kritiker ein Hohn angesichts der Zustände in den Einrichtungen. Gesundheitsminister Spahn berichtete von einem Heim, das die Note eins bekommen hatte, wenig später aber wegen erheblicher Mängel geschlossen werden musste.

Bürokratie wird bewertet, nicht Pflege des Menschen

Verbraucherschützer, Pflegekassen und Politik kritisierten insbesondere, dass bei der Abfrage vor allem bürokratische Abläufe überprüft wurden, und dass keine unabdingbaren Anforderungen aufgestellt wurden. „Wenn in einem Pflegeheim keine Maßnahmen zum Schutz vor schmerzhaften Druckgeschwüren ergriffen werden, dann darf das Heim keine gute Gesamtnote erzielen können“, erklärte bereits 2010 Eugen Brysch, Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospitz-Stiftung. „In der Schule kann eine Sechs in Mathe auch nicht durch eine Eins in Singen ausgeglichen werden.“

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Seit Sommer 2016 wird nun an der Reform des Pflege-TÜV gearbeitet, im Juni dieses Jahres legte der Pflege-Qualitätsausschuss sein Konzept vor. Danach soll es künftig ein Baukasten-System geben, das mehr Informationen als bisher bereitstellt. Zudem soll jeder Bewohner begutachtet werden, um so die Entwicklung der Bewohner auch über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren – was dann ebenfalls in die Wertung einfließen soll.

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Das neue Bewertungssystem soll den Verbrauchern aber auch Informationen aus dem Alltag liefern. So sollen die Einrichtungen künftig veröffentlichen, wie viele Bewohner ein Pfleger zu betreuen hat.

Pflege-TÜV hilfreich bei Entscheidung für oder gegen Einrichtung?

Wie wichtig die Reform des Pflege-TÜV ist, zeigt auch eine aktuelle und repräsentative Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ). 52 Prozent der Befragten bezeichneten das aktuelle Bewertungssystem mit den Schulnoten als nicht aussagekräftig genug. Aber welche Rolle spielt der Pflege-TÜV bei der Entscheidung für oder gegen eine Einrichtung? Auch das hat die DGQ abgefragt.

56 Prozent der Deutschen wussten, dass sich Pflegeeinrichtungen in Deutschland einer regelmäßigen und staatlich vorgeschriebenen Qualitätsprüfung unterziehen müssen. 39 Prozent der Befragten war jedoch nicht klar, nach welchen Kriterien der Pflege-TÜV bewertet und wie die Gesamtnote zustande kommt. Fast genauso viele, nämlich 40 Prozent, wissen nicht, wo sie die Ergebnisse des Pflege-TÜV finden können.

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Die Folge: Aktuell spielt der Pflege-TÜV bei der Pflegeheim-Entscheidung eine geringe Rolle. 69 Prozent der Befragten gaben an, sich mehr auf den persönlichen Eindruck oder die Empfehlung von Freunden zu verlassen als auf das Ergebnis der staatlich verordneten Prüfung. Zudem zweifeln 52 Prozent der Deutschen an, dass die Aspekte, auf die es bei einer qualitativ hochwertigen Pflege ankommt, überhaupt messen lassen.

Qualitätsunterschiede sollen künftig herausgestellt werden

„Mit der anstehenden Reform gilt es, anhand transparenter Bewertungskriterien Qualitätsunterschiede zwischen den Einrichtungen deutlicher herauszustellen“, sagt DGQ-Vorstandsmitglied Claudia Welker. „Dabei muss jedoch auch die Sichtweise der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen berücksichtigt werden.“

Was die Reform des Pflege-TÜV angeht, ist die Zahl der Befürworter groß, auch das zeigt die Umfrage. 59 Prozent befürworten, dass das Bewertungssystem auf eine neue Grundlage gestellt wird. 64 Prozent geht die Reform aber nicht weit genug. Die Gründe hierfür liegen nicht nur in dem undurchsichtigen Bewertungssystem. Immerhin 29 Prozent der Befragten haben bereits schlechte Erfahrungen mit Einrichtungen gemacht, die vom Pflege-TÜV mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet worden waren.

Weitere Informationen und passende Angebote finden Sie bei der ERL Immobiliengruppe.


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