Jede zweite Hähnchenfleisch-Probe mit Erreger belastet
Jede zweite Hähnchenfleisch-Probe mit Erreger belastetFoto-Quelle: Pixabay
Bakterien in Hähnchenfleisch - Jede 2. Probe kontaminiert

Bei knapp der Hälfte aller kontrollierten Hähnchenfleischproben wurde im vergangenen Jahr das Campylobakter-Bakterium nachgewiesen. Der Erreger stammt aus dem Darm von Tieren und kann beim Menschen zu ansteckenden Durchfallerkrankungen führen. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter spricht in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) von "Skandal". Gleichzeitig droht die Zahl der Lebensmittelkontrollen in Deutschland zu sinken.

Dem "NOZ"-Bericht zufolge haben die Grünen die Bundesregierung aufgefordert, die Hygiene in Schlachthöfen zu verbessern - eben wegen der anhaltend hohen Nachweisraten von Darmbakterien auf Hähnchenfleischproben. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde im vergangenen Jahr auf 47,8 Prozent der kontrollierten Hähnchenfleischproben das Campylobakter-Bakterium nachgewiesen. Ein Jahr zuvor waren 51,8 Prozent der Proben belastet.

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Das Bundeslandwirtschaftsministerium teilte der "NOZ" mit, die Regierung nehme die hohe Nachweisrate "sehr ernst". Der Zentralverband der Geflügelwirtschaft (ZDG) wies darauf hin, dass Geflügelfleisch als natürliches Lebensmittel "niemals zu 100 Prozent keimfrei sein" könne. Die deutschen Schlachthöfe täten "alles dafür, ein Auftreten von Campylobacter-Keimen bestmöglich zu minimieren", so eine Verbandssprecherin.

Nur Grippe und Noro noch häufiger als Campylobacter

ZDG und Ministerium betonten der "NOZ" zufolge, dass von den Erregern keine unmittelbare Bedrohung für Konsumenten ausgehe, sofern sie sich an die übliche Küchenhygiene hielten: "Wenn Geflügelfleisch, wie üblich, im durcherhitzten Zustand verzehrt wird, besteht keine Gesundheitsgefahr", so das Agrarministerium. Zudem sollte der Kontakt von frischem Fleisch mit anderen Lebensmitteln vermieden werden. Das Robert-Koch-Institut verzeichnete im vergangenen Jahr fast 68.000 Campylobacter-Erkrankungen. Damit zählte der Erreger zu den am häufigsten registrierten Infektionen. Nur Grippe und Noro-Virus wurden häufiger nachgewiesen.

Zahl der Lebensmittelkontrollen in Deutschland droht zu sinken

Unterdessen wurde bekannt, dass es in Deutschland bald weniger Lebensmittelkontrollen geben könnte. Das geht aus einem aktuellen Referentenentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hervor, der "Welt" und dem "Bayerischen Rundfunk" vorliegt. Das Ministerium plant, mit einer neuen Verwaltungsvorschrift die Überwachung des Lebensmittelrechts zu überarbeiten.

Aus dem Entwurf von Mitte Oktober für die sogenannte AVV RÜb geht hervor, dass die Lebensmittelaufsichtsbehörden in den rund 400 Kommunen künftig seltener Regelkontrollen bei Herstellern, Gaststätten und Händlern durchführen müssen. Betriebe in der höchsten Risikokategorie müssten demnach nicht mehr arbeitstäglich, sondern nur noch wöchentlich mit Kontrollbesuchen rechnen.

Vier statt zwölf Kontrollen im Jahr

Unter die Pläne des Ministeriums fiele auch ein Betrieb wie der Wursthersteller Wilke, an dessen keimbelasteter Wurst drei Menschen starben. Wilke würde künftig seltener kontrolliert werden: nur noch vierteljährlich statt monatlich. Die neue Kontrollverordnung soll nach Auskunft des Ministeriums voraussichtlich Mitte 2020 in Kraft treten und ist derzeit in der Abstimmung mit den Bundesländern.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisierte die Pläne. Das Ministerium wolle "offenbar durchsetzen, dass für Betriebe wie Wilke künftig noch weniger Kontrollen vorgeschrieben sein sollen als bisher", sagte deren Geschäftsführer Martin Rücker.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Ernährung unter Ministerin Julia Klöckner (CDU) dementierte, dass die Zahl der Lebensmittelkontrollen insgesamt sinken werde. Vielmehr gehe es darum, die Kontrollen auf Betriebe mit höherem Risiko zu verlagern.