Als "gesundheitlich bedenklich" bewertet das Bundesamt für Verbraucherschutz ...
Als "gesundheitlich bedenklich" bewertet das Bundesamt für Verbraucherschutz Coffee-to-go-Becher aus Bambus oder MaisFoto-Quelle: Pixabay
Gesundheitsgefahr: Diese Coffee-to-go-Becher können giftige Stoffe freisetzen

Coffee-to-go-Becher aus Bambus oder Maismehl gelten als umweltfreundliche Alternative zu Papp-Einwegbechern. Doch Vorsicht: Die Kaffeebecher enthalten nicht nur vermeintlich natürliche Rohstoffe. Sondern meist auch Melamin und Formaldehyd.

Die Kunststoffe werden fast immer in die Heißgetränke abgegeben, hat eine aktuelle Untersuchung des Bundesamts für Verbraucherschutz ergeben. Das kann zu schweren Gesundheitsschäden führen.

Der schnelle Kaffee zum Mitnehmen ist seit einigen Jahren auch in Deutschland enorm populär. Wenn da nur nicht die Müllberge wären, zu denen die Coffee-to-go Becher mit den Kunststoffdeckeln in erheblichem Maß beitragen. Als ökologisch bessere und nachhaltige Alternative gelten deshalb Mehrwegbecher aus Bambus oder Mais, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

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Doch vor genau diesen Coffee-to-go-Bechern aus "vermeintlich natürlichen Rohstoffen" warnt jetzt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Denn diese Becher können Schadstoffe auf die Lebensmittel abgeben, wenn sie mit heißen Getränken befüllt werden, was bei Kaffee oder Tee ja naturgemäß der Fall ist.

"Gesundheitlich bedenklich"

Das Problem: Die Trinkbecher bestehen nicht nur aus Bambus oder Maismehl. Sondern sie enthalten in den meisten Fällen auch Kunststoffe wie Melamin-Formaldehyd-Harze (MFH).

"Bei höheren Temperaturen können gesundheitlich bedenkliche Mengen an Melamin und Formaldehyd in Lebensmittel übergehen (migrieren)", teilt das BVL am Dienstag (26. November 2019) mit.

MFH-Geschirr nicht erhitzen

Das sei der Fall, wenn etwa Heißgetränke wie Kaffee oder Tee eingefüllt werden, oder Speisen darin in der Mikrowelle erhitzt werden. Denn nicht nur Kaffeebecher aus Bambus sind seit einiger Zeit sehr beliebt, auch Teller, Schüsseln oder Besteck gibt es in dieser Form auf dem Markt.

Grundlage für die Warnung ist eine bundesweite Untersuchung: Dabei wurden insgesamt 56 Produkte mit Heißgetränken gefüllt und analysiert.

Ergebnis: In allen Proben wiesen die Tester Melamin in den jeweiligen Lebensmitteln nach. In fast allen (91 Prozent) fanden sie Formaldehyd.

Grenzwerte um das 19-fache erhöht

Besonders bedenklich war auch die Menge, die offensichtlich von dem Geschirr auf die Getränke übergegangen war: In einem Viertel der untersuchten Proben wurde der gesetzliche Grenzwert für Melamin überschritten. Bei 11 Prozent der Proben für Formaldehyd.

Im schlimmsten Fall waren die Werte für Melamin um das Vierfache erhöht, die für Formaldehyd um das 19-fache.


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Die höchsten Werte lagen um das Vierfache bei Melamin und um das bis zu 19-fache bei Formaldehyd.


Produkt mit "gesundheitlichem Risiko"

Und nicht nur das: Je öfter Coffee-to-go-Becher aus Melamin-Formaldehyd-Harzen (MFH) benutzt werden, umso höher die Mengen an Melamin, die in das Getränk abgegeben werden.

„Die Verbraucherinnen und Verbraucher denken, sie greifen zu einer umweltfreundlichen Alternative, halten dann aber ein Produkt in Händen, von dem ein gesundheitliches Risiko ausgehen kann“, sagte BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky am Dienstag.

Wer regelmäßig - also täglich - und über einen längeren Zeitraum zu hohe Mengen an Melamin zu sich nehme, bei dem kann dies zur "Bildung von Harnwegssteinen und zu einer Schädigung der Nieren führen", warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer aktuellen Stellungnahme.


Diese Gesundheitsschäden drohen

Harnwegssteine werden mit einem erhöhten Risiko für Blasenkrebs in Verbindung gebracht. "Bei dauerhaft zu hoher Aufnahme von Formaldehyd wurden im Tierversuch Entzündungen im Bereich des Magens beobachtet", heißt es.

Dass Kaffeebecher und anderes Geschirr die bedenklichen Melamin-Formaldehyd-Harze (MFH) enthalten, ist für Verbraucher auf den ersten Blick kaum zu erkennen: Hersteller müssen darauf nicht hinweisen, es gibt keine Kennzeichnungspflicht.

Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung Kaffeeliebhabern Becher aus Glas, Porzellan oder Edelstahl.

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