Kritik an PSA-Test auf Prostatakrebs - Urologe warnt vor Verteufelung

Schlechtes Zeugnis für den PSA-Test auf Prostatakrebs: Laut eines aktuellen Gutachtens überwiegen mögliche Schäden durch Überdiagnosen und Übertherapie einem Nutzen des Bluttests. Oft schlage der Test sogar falsch an, was Patienten unnötig in Angst versetze. Doch ein bekannter Urologe widerspricht jetzt vehement.

PSA-Test laut Gutachtern nicht zu empfehlen
PSA-Test laut Gutachtern nicht zu empfehlenFoto-Quelle: Adobe Stock

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat untersucht, ob Männern ohne Verdacht auf Prostatakrebs innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ein Prostatakarzinomscreening mittels PSA-Test angeboten werden sollte. Nach Auswertung der Studienlage kam das Institut in seinem Vorbericht zu dem Ergebnis, dass der Nutzen einer solchen Reihenuntersuchung den damit verbundenen Schaden nicht aufwiegt.

Zwar nutze das Screening einigen Männern, indem es ihnen eine Belastung durch eine metastasierte Krebserkrankung erspare oder verzögere. Im Gegenzug müssten jedoch deutlich mehr Männer wegen Überdiagnosen und Übertherapie mit dauerhafter Inkontinenz und dauerhafter Impotenz rechnen - und das in relativ jungem Alter.

Urologe Dr. Schiefelbein warnt vor voreiligen Schlüssen

Der Würzburger Urologe und Mitgründer der Prostata Hilfe Deutschland (PHD), Dr. Frank Schiefelbein, warnt indes davor, den PSA-Test vorschnell zu verteufeln. "Er ist nach wie vor unser empfindlichster Parameter zur Früherkennung von Prostatakrebs", so Schiefelbein. Steige der PSA-Wert bei Männern, die sich einer regelmäßigen Prostata-Vorsorge unterziehen, exponentiell an, sei dies ein entscheidendes Alarmzeichen, sagte er der Prostata Hilfe Deutschland.

Der Mediziner verweist auf die Studie "European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer" (ERSPC), wonach der PSA-Test die Sterblichkeit für Prostatakrebs um bis zu 21 Prozent verringern und das Risiko für Metastasen um bis zu 42 Prozent senken könne. Dennoch müsse man sehr differenziert mit dem Wert umgehen. Der Prostata-Experte plädiert vor diesem Hintergrund für eine risikoadaptierte Prostata-Vorsorge.

Der Begriff "risikoadaptiert" bedeutet, dass Ärzte das individuelle Risikoprofil eines Mannes für Prostatakrebs ermitteln. So ist zum Beispiel ein erhöhter PSA-Wert im Alter von 40 bis 45 Jahren ein besonderes Risiko, weil diese Männer öfters und früher aggressiven Prostatakrebs entwickeln. Dies konnte in einer schwedischen Studie bereits 2013 nachgewiesen werden.

Prostatakrebs: Häufigste Tumorerkrankung des Mannes

Das Prostatakarzinom ist eine bösartige Veränderung der Prostata, die mit Fortschreiten der Erkrankung das unmittelbar benachbarte Gewebe (Samenblase, Harnblase, Dickdarm) infiltrieren und Fernmetastasen bilden kann. Gemessen an der Neuerkrankungsrate ist das Prostatakarzinom in Deutschland mit 23 Prozent aller Krebserkrankungen die häufigste Tumorerkrankung des Mannes.

Nach Schätzung des Robert Koch-Instituts stellten Ärztinnen und Ärzte im Jahr 2014 bei 57.370 Männern erstmals die Diagnose Prostatakrebs. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 72 Jahren, vor dem 45. bis 50. Lebensjahr tritt das Prostatakarzinom kaum auf. Im Jahr 2017 starben in Deutschland knapp 14.000 Männer an den Folgen eines Prostatakarzinoms. Das waren 3 Prozent aller in diesem Jahr verstorbenen Männer (gesamt: 460 000).

Digital-Rektale Untersuchung oder PSA

Vom Screening des Prostatakarzinoms verspricht man sich die Entdeckung von Prostatakarzinomen mit einem hohen Progressionsrisiko in einem heilbaren Stadium, um die Morbidität (zum Beispiel Schmerzen wegen Knochenmetastasen) und die Sterblichkeit zu reduzieren. Derzeit kommen in Deutschland zwei Screening-Tests auf das Prostatakarzinom zum Einsatz: die digital-rektale Untersuchung und der Test auf das prostataspezifische Antigen (PSA).

Die digital-rektale Untersuchung ist Teil des gesetzlichen Früherkennungsangebots für Männer ab dem 45. Lebensjahr und wird somit von den Krankenkassen erstattet – der PSA-Test hingegen nicht. Die digital-rektale Untersuchung war nicht Gegenstand der aktuellen Nutzenbewertung. "Es gibt allerdings keinen Grund anzunehmen, dass diese besser in einer Bewertung abschneiden würde als der PSA-Test", heißt es.

IM VIDEO | Grafische Darstellung: So entsteht Krebs im Körper

10 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Ich ( 53 jahre) lasse bei jedem großen Blutbild vierteljärtlich den Psa Test machen und der Wert ist immer im guten Bereich. Diesen Test muss ich aber selbst beszahlen ( round about 50 €) Andere Vorsorge Tests ( Mammographie bei den Frauen und auch Darmspiegelungen zur Früherkennung von Darmkrebs werden beworben, Einladungen verschockt et. ) und müssen nicht selbst bezahlt werde. Folgendes Beispiel: Der gesunde und von den Ärzten empfohlende Wert beim Blutdruck lag bei 120: 80. Dann gab es auf einmal eine Studie das der Wert zu hoch sein und deswegen auch Jemand mit diesem Wert Blutdruck senkene Mittel nehmen muss. " Fun Fakt" : Wer hatte diese Studie erstellt ? Richtig, ein Unternehmen das blutdrucksenkende Arznei herstellt. Ich habe nun folgende Überlegung: Ist der Psa Test zu einfach und zu günstig ? Bringen andere Untersuchen mehr ein ? Deswegen bleibe ich vierteljährlich bei dem Test. Wenn ich mich irre, werden es meine Erben hier vermerken...
wize.life-Nutzer
Wichtig ist doch das Mann überhaupt zum Urologen geht und sich Untersuchen lässt. Und es tut nicht weh. Ich gehe schon seit ich 30 bin zum Urologen. Früher alle 2-3 Jahre in den letzten 10 Jahren jedes Jahr. Aber ich hatte auch einen Tumor aber im Hals ..... Obwohl ich oft beim HNO war!
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wize.life-Nutzer
Ganz einfach, je öfter man(n) einen Orgasmus hat, desto wenigr das Risiko einer Prostata Erkrankung........wie man zum Orgasmus kommt ist egal......
wize.life-Nutzer
Tja, scheinbar wissen die wenigsten daß die meiste Flüssigkeit des Ejakulates in der Prostata produziert wird.....also eine regelmäßige Entleerung ist gesund.......
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wize.life-Nutzer
Der PSA-Wert gibt nur einen Anhaltspunkt dass irgendwas nicht in Ordnung sein könnte. Wenn der Wert steigt oder kontinuierlich Hoch ist, sollte man ein Prostata-MRT in Erwägung ziehen. Wenn da etwas festgestellt wird, dann kommt eine Biopsie, die dann die absolute Gewissheit bringt. Ein guter Urologe wird auch bei Verdacht diese Reihenfolge einhalten. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Alles was solche Experten herausfinden ist Humbug, warum sind 2017 Vierzehntausend Männer an Prostatakrebs gestorben??? Sollte man mal drüber nachdenken!!! Vorsorge ist WICHTIG und alle Männer sollten ab 45 Jahren damit anfangen. Die 25 Euro sollte es einem Wert sein und wenn ein Urologe einen Verdacht hat, dann sind die PSA-Wert Messungen kostenlos ...
wize.life-Nutzer
Hallo Peter guten Abend du ist diese Untersuchung schmerzhaft, kann man echt davon sterben wenn man erkrankt ist daran?
wize.life-Nutzer
Habe diesen Bericht über Prostatakrebs gelesen aber nicht zu 100 %verstanden zwecks Inkontinenz und und und zumal bin ich davon betroffen von der inko naja hab irgendwie schieß vor solch einer Untersuchung kenne es nicht bin vergangen Weihnachten 45 Jahre alt geworden ist es den ein muß für uns Männer??? Lg Naser
wize.life-Nutzer
Was wize.life-Nutzer schreibt ist absolut korrekt. Ich möchte nur ergänzen, dass bei einem hohen bzw. steigenden PSA-Wert *unbedingt* das Prostata-MRT gemacht werden sollte. Meinem Partner rettete das MRT möglicherweise das Leben. Die herkömmlichen Tast- und auch Ultraschalluntersuchungen ergaben wenig Klarheit über das Ausmaß der Erkrankung.
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wize.life-Nutzer
Leider wird ja nur der PSA Test angeboten,allerdings auch die Prostata Punktion,aber ob das alles das richtige ist,sei in Frage gestellt!
wize.life-Nutzer
Oben habe ich die Reihenfolge genau beschrieben. Es gibt auch einkostenloses Prostata MRT und ein guter Urologe wird das auch empfehlen und eine Überweisung ausstellen ...
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