Mit einer neuen App soll die Suche nach einem freien Pflegeplatz in NRW erle ...
Mit einer neuen App soll die Suche nach einem freien Pflegeplatz in NRW erleichtert werdenFoto-Quelle: Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen
App "Heimfinder" zeigt Pflegeheim-Plätze - "Enttäuschung" programmiert

Wer einen Platz im Pflegeheim sucht, musste sich bisher "die Finger wund wählen", wie NRW-Gesundheitsminister Laumann weiß. Jetzt reichen Wischbewegungen auf dem Handy - per App soll es möglich sein, freie Plätze zu finden. Doch Pflege-Experten sind skeptisch. Sie befürchten, dass die App nur den Mangel offenbart.

Mit der App "Heimfinder" können Betroffene tagesaktuell nach einem freien Pflegeplatz in verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens suchen. Derzeit sind 2382 Einrichtungen in dem Bundesland erfasst.

Für iphones gibt es "Heimfinder" bereits kostenlos im App-Store, demnächst sollen sie auch Besitzer von Android-Smartphones über den Google-Store herunterladen können.

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"Ich bin überzeugt, dass das neue Angebot die Betroffenen bei der Suche nach einem freien Pflegeplatz erheblich entlastet", sagte Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Laumann (CDU) am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Angebots.

App zeigt tagesaktuelle Angebote an

Das funktioniert so ähnlich, wie man es aus Hotel-Apps kennt: Man gibt in die Suchmaske den Ort ein, in dem man für sich oder einen Angehörigen einen Pflegeplatz sucht. Schon spuckt die App die verfügbaren Angebote aus.

Auch wer kein Smartphone besitzt, auf das er die App laden kann, hat die Möglichkeit, den neuen "Heimfinder" zu nutzen - es gibt auch eine Web-Version.

Direkt buchen kann man einen Platz jedoch - anders als bei den Hotel-Apps - darüber nicht. Erhält aber die nötigen Informationen, um selbst das betreffende Pflegeheim zu kontaktieren.


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Damit die neu App funktioniert, hat das Land die Einrichtungen per Gesetz dazu verpflichtet, ihre freien Plätze tagesaktuell in eine Datenbank des Gesundheitsministeriums einzuspeisen.

Klingt einfach und smart. Doch auch die tollste App kann nichts daran ändern, wenn es in einigen Orten einfach nicht genug freie Plätze gibt, die angezeigt werden können.

Wartelisten werden länger

Und genau das sei das Problem, befürchtet etwa der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa): Es werde zunehmend schwieriger, einen freien Platz in einem Pflegeheim zu bekommen. Die Zahl pflegebedürftiger Menschen steige, die Wartelisten würden immer länger.

Die "Heimfinder"-App werde "bedauerlicherweise die Erwartungen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen enttäuschen", befürchtet Christof Beckmann, bpa-Landesvorsitzender in NRW.

Private Anbieter warnen vor dramatischer Unterversorgung

Vielmehr werde die App den Mangel an freien Pflegeplätzen dokumentieren.

Die privaten Pflegeanbieter warnen vor einer dramatischen Unterversorgung: "Trotz der Rekordzahlen bei den Beschäftigten in der Altenpflege wachsen die Versorgungslücken mit Blick auf die stark steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen", so Beckmann.

Neue Pflegeplätze gefordert

Dies liege auch an "schlechte Finanzierungsbedingungen" der Pflegeeinrichtungen. Dadurch werden laut Beckmann Neubaumaßnahmen behindert und der aktuelle Bestand der gut 170.000 Pflegeplätze im Land gefährdet.

Dies müsse unbedingt verhindert werden, außerdem müsste eine ausreichende Zahl neuer Plätze entstehen.

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