Pflege von Angehörigen - Warum es auch okay ist, nein zu sagen

Mindestens 3,4 Millionen Menschen sind in Deutschland auf Pflege angewiesen. Gut drei Viertel davon werden zu Hause versorgt. Für die Angehörigen bedeutet das neben finanziellen Einbußen oft eine erhebliche psychische Belastung. Warum Menschen in der Pflege über ihre Grenzen hinausgehen. Von wize.life-Autorin Sandra Tjong

Die Pflege von Angehörigen zu Hause kostet viel Kraft
Die Pflege von Angehörigen zu Hause kostet viel KraftFoto-Quelle: imago images/Martin Wagner

"Ich habe eine anderthalbjährige Pflegehölle (noch vor der Einführung des Pflegegeldes, also ohne jegliche Unterstützung) hinter mir", schreibt eine wize.life-Nutzerin, die sich um ihre Mutter gekümmert hat. Eine "Hölle" sei es deshalb gewesen, weil sie sich allein gelassen gefühlt habe mit der Situation und völlig überfordert gewesen sei. Ihre gesamte Zuneigung und Liebe gegenüber der "aggressiven und aufbegehrenden Mutter" sei von der "täglichen hässlichen Routine" verbraucht worden.

Belastend - aber auch eine wertvolle Zeit

Wir hatten die wize.life-Community nach Erfahrungen mit der Pflege von Angehörigen gefragt, und es war beeindruckend zu lesen, wie viele User und Userinnen sich um einen oder sogar mehrere Angehörige kümmern oder gekümmert haben – teils über etliche Jahre hinweg. Sie berichten von Schwierigkeiten, Zuschüsse zu erhalten, von finanziellen Einbußen und psychischen Belastungen. Ungeachtet dessen heben einige die wertvolle Zeit mit dem geliebten Menschen hervor, andere leiden oder litten erheblich darunter.

"Die schlimmsten 16 Monate meines Lebens"

Über Details will sie nicht berichten, doch eine Nutzerin schreibt: "Es waren für mich als junge Frau die schlimmsten 16 Monate meines Lebens und ich wünsche diese Situation meinem schlimmsten Feind nicht."

Pflege trotz Schikane

Doch sie ist nicht die einzige Userin, die bei der Pflege über ihre Grenzen hinaus gegangen ist. Eine andere etwa berichtet davon, dass sie von ihren Eltern schon als Kind übel behandelt worden sei. Und dennoch übernahm sie die Pflege ihrer Mutter – und wird noch heute von ihr schikaniert. Sie hat eine Tante, die nach der Pflege lebensmüde geworden war - und lange brauchte, um sich zu erholen.

Warum tun sich Menschen dies an? Warum greift der Selbstschutz nicht rechtzeitig?

Pflichtbewusstsein, Scham, schlechtes Gewissen

"Es gab kein Entrinnen, gefangen vom eigenen Pflichtbewusstsein ("Sie ist schließlich deine Mutter!") und dem Versprechen, sie nicht in ein Heim zu geben", so formuliert es die Nutzerin. Andere berichten von der Scham und dem schlechten Gewissen, von außen Hilfe anzunehmen.

Doch warum ist das Pflichtbewusstsein so groß, dass es den Selbstschutz offensichtlich aushebelt?

Viele pflegen bis zu Selbstaufgabe

Der Pflege bis zur Selbstaufgabe begegnet Imke Wolf immer wieder. Sie ist Leiterin eines Teams von fünf Psychologinnen, die auf dem Portal "pflegen-und-leben.de" kostenfrei online und via Videochat psychologische Beratung für Pflegende anbieten.

Komplexe Mutter-Tochter-Beziehung

Nach ihrer Erfahrung neigen besonders Töchter dazu, die eigene Mutter geradezu aufopfernd zu pflegen. "Das hat viel damit zu tun, dass die Beziehung von Mutter und erwachsener Tochter besonders eng ist – egal ob sie wollen oder nicht", sagt sie. "Dazu kommt, dass Töchter, die heute ihre alten Mütter pflegen, oft noch in einer Generation aufgewachsen sind, in denen die pflegende Rolle klar den Frauen zugewiesen war." Teilweise seien Mädchen auch als weniger wert erachtet worden als Jungen.

Erwartung der Mutter genüge leisten

Wenn dann die Erwartungshaltung der Mütter laute: ,Du hast mich zu pflegen', "können sie nicht anders, als für ihre Mütter da zu sein", erläutert Imke Wolf – zumindest sofern kein Abnabelungsprozess stattgefunden habe.

Schuldgefühle aus der Kindheit

Hinter diesem Verhalten stehen ihr zufolge häufig unbewusste Schuldgefühle, die noch aus der Kindheit resultierten. "Schon als Kind haben sie nicht die bedingungslose Liebe ihrer Mutter bekommen und deshalb Schuld empfunden", erklärt sie.

Denn Kinder fühlten sich verantwortlich dafür, dass ihre Eltern zufrieden sind. "Das Gefühl, Mama ist böse mit mir, schlägt tiefe Wunden. Und diese Wunden tragen pflegende Erwachsene noch immer mit sich." Unbewusst versuchten sie, der Mutter zu genügen und sie glücklich zu machen. Das liege aber nicht in ihrem Verantwortungsbereich – und sei auch kaum möglich.

"Es ist in Ordnung, die Mutter zu enttäuschen"

"Die Kinder wollen, dass die Mutter sich ändert und dankbar ist oder sich freut. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass sich ein Mensch in dem Alter noch ändert?", fragt Imke Wolf. Sie betont, dass es dabei nicht um Schuldzuweisungen an die Mutter gehe. "Sie hat ihre eigene Geschichte, die sie zu dem gemacht hat, was sie ist. Wichtig ist, dafür Verständnis aufzubauen und sich gleichzeitig zu erlauben, sich abzugrenzen. Es ist in Ordnung, die Mutter zu enttäuschen."

"Priorität liegt auf der eigenen Versorgung"

Doch wo verläuft die Grenze? Wie viel will oder sollte man tolerieren und ab wann die eigenen Belange in den Vordergrund stellen? Eine schwierige Frage, die letztlich jeder selbst für sich beantworten muss. Imke Wolf führt als Orientierung das Bild der Sauerstoffmaske in Flugzeugen an: Erst muss man sie selbst aufziehen, um dann anderen helfen zu können. "Das ist in der Pflege genauso. Die Priorität liegt auf der eigenen Versorgung." Klienten und Klientinnen, die sich verausgaben, frage sie oft: Wie lange können Sie das denn durchhalten? Was, wenn es noch fünf Jahre weiter geht?

Tipp 1: Netzwerk aufbauen

Grundsätzlich gelte: Die Pflege eines Menschen kann niemand alleine stemmen. Wichtig ist, ein Netzwerk an Unterstützung aufzubauen. "Je nach Bedürfnissen des Pflegebedürftigen kann dieses ambulante Pflegekräfte, die Familie oder eine dauerhafte Helferin aus dem Ausland mit einbeziehen", sagt Wolf.

Tipp 2: Wichtige Fragen vorher regeln

Vorbeugend rät sie zudem, frühzeitig eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht auszufüllen. "Es gibt viel Sicherheit, wenn man weiß, was sich der andere wünscht, wenn man plötzlich vor der Entscheidung steht."

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Demenz bringt Zusatzbelastung

Eine zusätzliche Belastung entsteht, wenn die pflegebedürftigen Menschen demenzkrank sind. Zig Mal dasselbe hintereinander gefragt zu werden, kann aggressiv machen, wie es auch wize.life-User schildern. Noch schlimmer wird es, wenn die Betroffenen - je nach Demenzerkrankung - auch noch aggressiv werden.

Demenzkranke brauchen anderen Umgang

"Die Hülle bleibt, aber die Person dahinter verändert sich. Das ist für Angehörige äußerst schmerzhaft und schwer zu verstehen", sagt die Psychologin. Sie rät, sich eingehend mit dem Krankheitsbild zu beschäftigen und sich bewusst zu machen, dass der Demenzkranke nicht anders handeln kann. "Entsprechend muss man den Umgang mit dem Erkrankten ändern." Das fängt bei der eigenen Erwartungshaltung an: Auf die fünfte wiederholte Frage gereizt zu reagieren, weil der andere die Antwort schon wieder vergessen hat, sei zwar menschlich, bringe aber beiden Seiten nichts.

Wie viel tolerieren?

Genauso sei es wenig hilfreich, auf Aggression mit Aggression zu reagieren, sagt Imke Wolf. "Es gibt Wege, mit dem anderen wertschätzend zu sprechen." Stichwort: Integrative Validation, eine spezielle Form der gewaltfreien Kommunikation. Gleichzeitig gelte auch hier, sich klar zu machen, wie viel man gewillt ist zu tolerieren – und ab wann die Pflege abgegeben werden sollte.

Pflegeheim bedeutet nicht abschieben

Der Schritt fällt vielen Menschen schwer. Dabei sollte man sich vergegenwärtigen, dass die Entscheidung, die Pflege abzugeben, mitnichten einem "Abschieben" gleichkommen muss. Wie im Falle einer weiteren wize.life-Userin: Sie und ihr Bruder hatten den dementen Vater schließlich in ein Pflegeheim gegeben, da sie die Pflege mit ihrer Arbeit nicht vereinbaren konnten.

"Mein Bruder und ich sind so oft wie es geht bei ihm", erzählt sie. Es sei nicht einfach zu sehen, dass ein geliebter Mensch so abbaut und vergisst. Sie halte alles auf Bildern fest, um es ihm zu zeigen. "Denn nur der Moment zählt, wenn ich sein Lachen sehe und er glücklich ist."

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10 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Einfach mal nach sooo viel traurigen Geschichten was zum Schmunzeln:

KOMPLOTT - ICH BIN ENTSETZT - und es geschieht HIER in unserem Land !!!

Habt Ihr‘s auch schon bemerkt, dass die Treppen jeden Tag steiler, Lebens-
mittel immer schwerer und Entfernungen immer weiter werden ??? Gestern
ging ich um die Ecke und war verblüfft, wie lang unsere Straße geworden ist !

Die Gravitation hat auch stark zugenommen in den letzten 30 Jahren.
Ich spüre es besonders beim Aufstehen von meinem Sofa.
Und die Leute sind jetzt auch weniger rücksichtsvoll, besonders die Jungen.
Sie flüstern die ganze Zeit ! Wenn ich sie bitte, sich lauter zu äußern,
wiederholen sie die stille Nachricht mit der Lippensprache.
Was denken die sich, bin ich vielleicht ein Lippenleser ?

Die sind auch wesentlich jünger, glaube ich, als ich damals in dem Alter war.
Andererseits, Leute in meinem Alter sehen älter aus als ich.
Unlängst habe ich einen alten Bekannten getroffen und er ist um vieles älter geworden, so dass er mich nicht einmal erkannte. Ich selbst kann mein Spiegel-
bild erkennen. Aber, irgendwie sind sogar die Spiegel nicht mehr so groß,
wie sie früher waren.

Außerdem, jeder fährt heutzutage so schnell !
Ich riskiere Kopf und Kragen, wenn ich auf der Autobahn unterwegs bin.
Alles bremst sich hinter mir ein, ich sehe sie schreien und gestikulieren im Rückspiegel. Ihre Bremsen müssen einen furchtbaren Verschleiß haben.

Auch die Hersteller von Kleidung werden immer unseriöser. Oder warum
zeichnen sie plötzlich eine Jacke, Größe 50 oder 52 als Größe 56 + 58 aus ?
Glauben sie, dass es keiner bemerkt ?
Und die Hersteller von Personenwaagen erst !
Denken die wirklich, dass ich glaube, was ich auf der Skala sehe ? HAH !
Ich habe mir nie was aus Zahlen gemacht ! Wen wollen die damit reinlegen ?

Ich wollte schon jemandem anrufen und berichten, was da vorgeht, aber die Telefongesellschaft ist auch bei dem Komplott dabei. Sie haben die Telefon-
bücher in so kleiner Schrift herausgegeben, daß ich ohne Lupe keine Nummer
dort finden kann !

Alles, was ich machen kann, ist diese Warnung weiter zu schicken:
Wir werden systematisch angegriffen !

PS: Ich schreibe es in ganz großen Buchstaben, weil,
mit der Schrift in meinem Computer ist auch was passiert;
sie ist viel kleiner, als sie es einmal war !!!
wize.life-Nutzer
Sehr schön beschrieben die Veränderungen im Alter.
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wize.life-Nutzer
Hallo, ich bin jetzt in einem Seniorenheim nachdem meine Frau vor 11 Jahren
gestorben ist. War alles Super. Dann hätte ich in meinem Wohnung einen
Sturzunfall. Ich bemühte mich um den Pflegedienst den ich auch bekam und
wurde in den Pflegrad 2 eingestuft, da ich eine Schulterprothe abkam. Ich war
mit meiner Tochter nicht immer einig. Sie fand das auch nicht korrekt das ich
in ein Seniorenheim ging. Auch beim Umzug war sie mir nicht behilflich.
Ich baute immer mehr ab ,so das meine Hausärztin mich zum CT und MRT
geschickt hat. Dabei wurde ein Lungenkarzinom festgestellt. Jetzt macht sie
mir Vorwürfe ich sei ja selber an allem Schuld. Mittlerweile ist es soweit
gekommen, das ich eine Stufe also von 2 auf 3 eingestuft werden muss.
Sie weiß es, aber sie könnte sich auch etwas mehr kümmern. Nicht nur
alle 14 Tage mal zum Kaffe für eine Stunde ins Kaffee. Ich will mich ja nicht
selbst bemitleiden, aber ich bin doch ihr Papa. Ich habe mich damit abgefunden
das ich alleine bin und schon früher kontaktarm war und in dieser Situation
ist es noch schlimmer : ich versuche es im Haus aber auch da klappt es nicht.
So muss ich mich damit abfinden und alleine bleiben. Auf Kommentare
dieses Schreibens wäre ich Ihnen dankbar wenn Sie mir dies per E-Mail zusenden könnten. Ingvar.reinsch@t-online.de
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wize.life-Nutzer
ich hab meine Mama gepflegt sie hatte Alzheimer 11 Jahre lang. Tagsüber hab ich sie in die Tagespflege getan. Bin dann arbeiten gegangen und abends wenn ich Feierabend hatte wurde sie dann nachhause gebracht. Alle 14 Tage konnte ich sie auch am Wochende in die Tagespflege bringen. Sie ist dann in der Tagespflege gestürzt und hat den Oberschenkel gebrochen. Der Bruch wurde oparativie behoben. Nach 2 Wochen teilte mir der Arzt mit das sie entlassen wird, aber mindestens noch 2 Wochen liegen muss. Es blieb mir nichts anders übrig sie in ein Pflegeheim zu tun, ich wollte sie erst mal vorrüber gehen und sie dann wieder nach Hause holen. Das Pflegeheim hat mir dann ein Vertrag untergeschoben da stand nichts von kurzzeitpflege. In der Zeit im Pflegeheim hat dann meine Mutter so abgebaut weil keiner sich um sie gekümmert hat. Sie lag ja nur im Bett konnte nicht mehr alleine essen und trinken, nicht mehr sitzen und laufen. Die ganze Zeit über wurde mir vom Pflegepersonal nahe gelegt sie sterben zu lassen. Als ich ihr beim nächsten Krankenhausaufenthalt eine Magensonde legen musste hat mich die Hausärztin zur sau gemacht. Warum ich das gemacht hätte ohne die Absprache mit ihr. Von der Zeit an bin ich immer in der Mittagszeit in das Pflegeheim zu Besuch gegangen um keinen begegnen zu müssen. Nach einem dreiviertel Jahr hab ich dann gemerkt das meine Mama auf nichts mehr reagiert sie hat die flüssignahrung die sie bekam über die Magensonde nicht vertragen und reagierte mit Dauerdurchfall. Ich hab dann der Hausärztin zugestimmt die flüssignahrung und die wasserzufuhr über den Tropf wegzulassen. Sie ist dann nach 3 Tagen gestorben.
Ich bin nach ihrem Tod in ein tiefes Loch gefallen, ich hab mich schuldig gefühlt, ich hab sie vermisst. Ich musste meine Selbstständigkeit aufgeben mangels umsätze, sass nur zuhause rum von meinen Mann bekam ich überhaupt keinen Rückhalt. Ich hab mich allein gelassen gefühlt.
wize.life-Nutzer
Hallo Heike, Sie brauchen sich keine Vorwürfe zu machen. Sie haben richtig gehandelt. Ich habe meine Lebensgefährtin zu Hause 5Jahre gepflegt. 24 Stunden war ich für sie da. Ich würde es nie wieder tuen. Durch die schwere körperliche Pflege habe ich mir mehre Rücken-Op`s zugezogen. Denn man sitzt ja nicht nur am Bett und hält Händchen sondern die Pflege macht einen körperlich und nervlich kaputt. Aber was tut man nicht alles wenn man mit einer Lebensgefährtin über 20 Jahre zusammen gelebt hat. Es war mein Fehler diese Pflege zu übernehmen. Heute bin ich davon überzeugt daß sie in einem Pflegeheim besser versorgt worden wäre.
Ich bin keine gelernte Pflegekraft. Wenn sie in der Kurzzeit-Pflege war habe ich feststellen müssen, daß sie dort wesentlich besser gepflegt wurde. Zum Beispiel:" Ich mußte sie zu Hause alleine auf die Toilette setzen. Im Pflegeheim wurde das von 2 Pflegekräften erledigt." Das ist der Unterschied. Sie ist auch nach meinenm letzten Kh.-Aufenthalt im
Pflegeheim geblieben weil sie sich dort auch wohl fühlt
Ich hätte sie besser jeden Tag im Pflegeheim besucht. Das wäre nicht nur für meine Lebensgefährtin besser gewesen, sondern auch für mich.
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wize.life-Nutzer
ich habe meine frau bis zu ihrem heimgang (der knochenkrebs war stärker als wir beide zusammen....) daheim gepflegt...es war ihr letzter wunsch an mich und für mich eine selbstverständlichkeit dies mit all meiner kraft und liebe zu ihr zu tun,dennoch muss ich eines doch anmerken....es wird von seiten der politik immer so getan als sei für alles gesorgt und man bräuchte sich keine sorgen um entsprechende unterstützung oder finanzielle entlastung machen....welch schöne worte,doch die realität ist eine grundliegend andere....von der antragsstellung im oktober 2019 bis zu bewilligung im januar 2020 war es ein hindernislauf durch die slalomstangen der verbohrten bürokratie des systems... es hat mir nicht nur alle kraft und geduld abverlangt die ich viel besser für meine geliebte frau gebraucht hätte,nein ich hatte das gefühl als wenn der mdk wusste wie lang unser wenig erspartes (welches eigendlich als notgroschen gedacht war) ausreicht ...am 03.01.20 kam endlich nach erheblichen druck meinerseits und dankbarerweise durch den palliativdienst endlich die langersehnte bewilligung (pflegestufe 5 / schwierigskeitsgrad 3) so das endlich die notwendigen hilfsmittel wie pflegebetteinsatz,weichlagerungsmatraze,sowie die diversen hygienemittel wie inkontinenzvorlagen,einmalhandschuhe, einmal-mundschutz,sowie desinfektionsmittel geliefert wurden....bis dahin habe ich alle notwendigen mittel von unserem kleinen notgroschen und den rest von unseren renten finanziert....es war ein für mich sehr anstrengender 24.-std.-dienst an meiner frau,da der krebs die unteren drei lendenwirbel zerfressen hat...psychisch bin ich innerlich durch die hölle gegangen,da ich selber herzrisikopatient bin und erschwerend an schwerer aktivierter athrose in schultergelenken,hüfte und kniegelenke erkrankt bin und als austherapierter schmerzpatient versorgt werden muss....(bekomme 2xtägl. 90mg. morphin in tabl.-form) trotzdem habe ich meine frau mit all meinen begrenzten möglichkeiten die ersten 3 monate bis zum 03.01.20 allein gepflegt und versorgt mit allem was dazu gehört incl. alle 1,5 std. medikamentengabe über bauchzugang....nach meinem seelischen und körperlichen befinden wurde seitens der behörden (mdk und pflegekasse) nicht mal ansatzweise gefragt es war für diese instutitionen eine selbstverständlichkeit das man geduld und eigeninititative aufbringt....wie gesagt es war für mich ein nicht enden wollender gang durch die innere hölle,denn meine frau konnte nun mal nicht dafür und ich wollte es ihr auf garkeinen fall spüren lassen....dies wäre mehr als nur ungerecht aus meiner sicht gewesen. was mich so sehr gestört und auch zornig gemacht hat war der umstand,das man als bedürftiger der einen rechtmässigen antrag auf die notwendige unterstützung gestellt hat wie ein mensch 2.-klasse betrachtet,bzw.teilweise behandelt wurde,der die dreistigkeit besitzt etwas zu beantragen....es war für mich eine zusätzliche belastung die nicht immer leicht zu verkraften war.... dennoch bin ich diesen weg mit einer gewissen beharrlichkeit im sinne meiner schwerstkranken frau weiter gegangen....leider kam die ersehnte hilfe fast schon zu spät....wie gesagt die bewilligung kam erst nach langen hin und her und mit druck des palliativdienst am 03.01.2020....meine frau verstarb leider am 23.01.2020.....ich habe mich oft gefragt,ob dieses zeitspiel seitens der bewilligungsinstanzen system hat.....und wo bleiben die angehörigen der pflegebedürftigen....warum fragt da mal nicht jemand nach ihnen,sie bekommen einen knüppel nach dem anderen zwischen die beine geworfen....wie es ihnen seelisch und körperlich dabei ergeht scheint niemanden zu interessieren...als meine frau am 23.01. in meinen armen daheim einschlief fehlte es auch an unterstützung jeglicher art...erst die schwester vom palliativdienst versuchte nach ihrem eintreffen mir so gut es ging zur seite zu stehen wofür ich ihr heute noch mehr als dankbar bin.....als meine frau dann v.bestattunghaus abgeholt wurde, da trat das ein wovor wohl die meisten von uns grosse ängste haben dürften,es tritt die grosse leere ein und man fällt in eine komplette hilfs.-und haltlosigkeit....nicht nur der seelische schmerz über den verlust eines geliebten menschen tritt in den vordergrund...sondern auch der körper erinnert einen mehr als schmerzhaft daran das man mehr als einmal die roten grenzenlinien überschritten hat...und ihr dürft es glauben,den körper interessiert die motivation der die übertritte nötig gemacht hat überhaupt nicht...aber eines steht auch fest,wenn alle gegangen sind dann fragt erst recht niemand mehr nach den angehörigen,man setzt vorraus,das es da noch familie oder sonstige verwandtschaft gibt die ihn auffängt...nur meine frau und ich haben weder das eine noch das andere,wir waren auf uns allein gestellt und hier krankt das system,man selbst ist in diesen ersten momentum gar nicht fähig um hilfe zu bitten...der/die helfen könnten...??... der rest ist schweigen und vergessen,bzw.geht im alltäglichen unter.
wize.life-Nutzer
DEa hatte ich bei meinem Mann völlig andere Erfahrungen gemacht. Er ist querschnittgelähmt und mittlerweile auch an beiden Oberschenkeln amputiert. Er hatte nach Krankenhaus- und Rehaaufenthalt erstmal Pflwegestufe 1. Zwischen dem Antrag und dem Besuch des MDK lag nicht mal eine Woche und es wurden noch zusätzliche Dinge seitens des MDK angefordert. Er wutrde sofort auf pflegestufe 2 (jetzt Pflegegrad 3) hochgestuft. Sämtliche Hilfsmittel, wie Weichlagerungsmatratze, Elektro-Ropllstuhl und div. andere Dinge wurden innherhalb von 2 Wochen bewilligt. Die Pflegekasse hat auch den erforderlichen Umzug (Gutachten durch Pflegedienst war erforderlioch) bezahlt. Da sollte man nicht alle Krankenkassen pauschal
kritisieren.
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wize.life-Nutzer
Ich pflege meinen Ehemann jetzt seit knapp 5 Jahren (Pflegegrad 3), damit habe ich keine Probleme. Die Pflege meiner Mutter wäre für mich niemals in Frage gekommen. Sie verlangte eine Scheidung von meinem Mann, außerdem sollte ich nicht mal ein eigenes Bankkonto haben, Sie wollte über meine sämtlichen Einnahmen bestimmen und mir ein Taschengeld (1999) in höhe von 5 DM damals pro Monat zugestehen. Ich bin immer noch glücklich verheiratet und meine Mutter durfte im Pflegeheim über ihre böse und undankbare (und unerwünschte) Tochter gerne meckern.
wize.life-Nutzer
Hut ab, das hast Du richtig gemacht!
wize.life-Nutzer
Da warst Du zu Recht konsequent!👍
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