Coronavirus: Schutzbekleidung fehlt - Ärztin setzt Taucherbrille auf
Coronavirus: Schutzbekleidung fehlt - Ärztin setzt Taucherbrille auf
Coronavirus: Schutzbekleidung fehlt - Ärztin setzt Taucherbrille auf

Das Coronavirus breitet sich weiter aus, nahezu stündlich werden neue Fälle in Deutschland berichtet. Offenbar sind die Behörden nur unzureichend auf die Verbreitung vorbereitet. Ärzte klagen über fehlende Schutzvorrichtungen. Dadurch kam auch schon eine private Taucherbrille zum Einsatz.

Nach Angaben der bayerischen Landesärztekammer fehlen Schutzkleidung und Desinfektionsmittel in den Praxen und Kliniken, wodurch Ärzte einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Ärzte sollen Mundschutz sparen

Eine Ärztin in einem Münchner Klinikum berichtete wize.life, dass sie angehalten worden seien, Mundschutz sparsam einzusetzen, da dieser gerade nicht nachbestellt werden könne. Das sei allerdings schwierig. Denn einmal abgesetzt, darf der Mundschutz eigentlich nicht wieder zum Einsatz kommen.

Eine Erlanger Klinikärztin setzte als Notlösung sogar schon ihre Taucherbrille aufgesetzt, als sie Patienten behandelte, sagte ihr Kollege Falk Stirkat dem Bayerischen Rundfunk. Eine andere Kollegin habe die Empfehlung erhalten, Schutzausrüstung bei Amazon zu bestellen. Was kurios klingt, bedeutet für die Ärzte ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.

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"Zustände so nicht haltbar"

Deutschlandweit gibt es laut jüngsten Zahlen der Robert-Koch-Instituts inzwischen 188 bestätigte Fälle, Stand Dienstag, 10 Uhr.

"Wenn man sich die Bilder aus Südkorea oder China ansieht, wo die Leute von oben bis unten vermummt sind und das sehr, sehr ernst nehmen, dann sind das hier für mich Zustände, die so nicht haltbar sind und an denen dringend etwas geändert werden muss", sagte der Arzt dem BR.

Notarzt schreibt Brandbrief

Entsprechend schrieb ein Erlanger Notarzt einen Brandbrief an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). In dem Schreiben, das dem BR vorliegt, kritisiert er die Inkompetenz der Verantwortlichen. Ihm gehe es nicht darum, Panik zu schüren. Vielmehr fühlten sich viele Ärzte von der Politik alleine gelassen. Sie fragten sich, ob sich in Sachen Schutzausrüstung rechtzeitig etwas tut.

KBV befürchtet ebenfalls Engpass

Die Befürchtung, dass es hier Defizite gibt, teilt auch der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Der Grundbestand, über den die niedergelassenen Kollegen in ihren Praxen verfügen, werde bundesweit nicht ausreichen, wenn die Zahl der Verdachtsfälle steigen, sagte er.

Da darauf alles hindeute, sei die KBV im Gespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium und weiteren Beteiligten, um rasch Abhilfe schaffen zu können.

Gesundheitsministerium in Bayern weist Kritik zurück

Das bayerische Gesundheitsministerium weist die Kritik zurück. Es sei ein wichtiges Anliegen, dass medizinisches Personal gut ausgerüstet ist, heißt es in einer Pressemitteilung. "Das bayerische Gesundheitsministerium hat Maßnahmen ergriffen, um notwendige Schutzmasken zu beschaffen." Erste zusätzliche Lieferungen würden in den nächsten Tagen erwartet.

Was tun, wenn Coronavirus-Verdacht besteht?

Patienten, die Kontakt hatten mit einem Infizierten oder bei denen aus anderen Gründen konkreter Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion besteht, sollten unbedingt den Arzt oder das Krankenhaus zunächst telefonisch konsultieren und über ihre Annahme informieren. Weitere Maßnahmen werden dann besprochen. Kontakt zu Dritten sollte vermieden werden.[ü]

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