Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben Anspruch auf zahlreiche Sach- un ...
Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben Anspruch auf zahlreiche Sach- und Geldleistungen.Foto-Quelle: Robert Kneschke - Fotolia
Häusliche Pflege: Diese Leistungen stehen Ihnen zu

Das Ziel vieler Pflegebedürftiger ist es, möglichst lange im gewohnten Umfeld leben und betreut werden zu können. Im deutschen Gesundheitssystem spielt die häusliche Pflege durch Verwandte, Nachbarn oder gute Bekannte daher eine große Rolle.

wize.life gibt einen Überblick, in welchem Umfang Betroffenen Sach- und Geldleistungen sowie Kostenerstattungsansprüche zustehen.

Häusliche Pflege bedeutet, dass der Pflegebedürftige in seiner Wohnung betreut wird, bei einer pflegenden Person lebt oder in einer ambulanten Pflege-WG untergebracht ist. Um für die Pflege zuhause auch finanzielle Unterstützung und andere Leistungen zu erhalten, müssen Betroffene einen Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen.

Denn die Höhe der finanziellen Zuwendungen, Pflegesachdienstleistungen und Hilfsmittel ist abhängig vom Pflegegrad (1-5). Unterschieden werden monatliche, jährliche und einmalige Leistungen.

Einmalige Leistungen bei häuslicher Pflege

Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: Die Pflegekasse übernimmt einmalige Maßnahmen wie zum Beispiel den Umbau des Badezimmers oder die Entfernung von Barrieren im Wohnumfeld. Damit soll es dem Pflegebedürftigen ermöglicht werden, den Alltag so selbstständig wie möglich zu gestalten.

Zusätzlich zu den wohnumfeldverbessernden Maßnahmen gibt es für Wohngruppen eine Anschubfinanzierung, um die Wohnung altersgerecht oder barrierefrei umzubauen.

Technische Hilfsmittel: Hinzu kommt die Finanzierung von technischen Hilfsmitteln. So trägt die Pflegekasse beispielsweise einmalig 90 Prozent der Kosten für Lagerungshilfen oder ein Notrufsystem. Zehn Prozent, maximal 25 Euro pro Pflegehilfsmittel, muss der Betroffene selbst übernehmen. Größere Hilfsmittel (z. B. Krankhausbett) werden häufig leihweise zur Verfügung gestellt. Hier verfällt der Eigenanteil.

Jährliche Leistungen bei häuslicher Pflege

Pflegeunterstützungsgeld für Angehörige: Pflegenden Angehörigen, die kurzzeitig nicht arbeiten können und somit Lohnausfälle haben, steht für bis zu zehn Tagen ein Pflegeunterstützungsgeld zu.

Dies kann beantragt werden, wenn zum Beispiel ein naher Angehöriger durch einen Schlaganfall akut pflegebedürftig wird und eine kurzfristige Pflege organisiert werden muss. Der Pflegende hat dann das Recht, sich bei seinem Arbeitgeber freistellen zu lassen. In dieser Zeit bekommt er in der Regel keine Lohnfortzahlung, sondern eine sogenannte Entgeltersatzleistung von der Pflegekasse/Versicherung. Dieses Brutto-Pflegeunterstützungsgeld beträgt 90 Prozent des ausfallenden Nettoarbeitsentgelts.

Verhinderungspflege: Ist die private Pflegeperson krankheitsbedingt verhindert oder im Urlaub, hat der Pflegebedürftige einen Anspruch auf Ersatzpflege – und zwar bis zu sechs Wochen pro Jahr.

Voraussetzung der sogenannten Verhinderungspflege ist, dass die Pflegeperson den Bedürftigen zuvor mindestens sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung betreut hat. Die Höhe der Leistungen für die Verhinderungspflege liegt für Personen mit Pflegegrad 2 bis 5 bei maximal 1612 Euro pro Kalenderjahr. Bei Pflegegrad 1 entfällt der Anspruch.

Monatliche Leistungen bei häuslicher Pflege

Entlastungsbetrag: Der Entlastungsbetrag wird monatlich gezahlt, um pflegende Angehörige zu entlasten und die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen zu fördern. Es handelt sich dabei nicht um einen Bar-Auszahlung, sondern einen Anspruch auf Kostenerstattung in Höhe von 125 Euro pro Monat.

Erstattbar sind beispielsweise Aufwendungen für Pflegedienste oder Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege. Wer die Sachleistungen in einem Monat nicht vollständig ausschöpft, kann sie in darauffolgende Kalendermonate übertragen. Pro Jahr sind Kosten in Höhe von 1500 Euro anrechenbar. Die Entlastungsbeträge können auch noch bis Ende Juni des darauffolgenden Kalenderjahres beantragt werden.

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Pflegegeld: Ab Pflegegrad 2 steht dem Bedürftigen ein Pflegegeld zu. Die Pflegekasse oder Versicherung überweist den Betrag monatlich an das Konto des Pflegebedürftigen, der frei darüber verfügen kann.

Die Höhe des Pflegegeldes hängt vom jeweiligen Pflegegrad ab:

  • Pflegegrad 1 – 0 Euro
  • Pflegegrad 2 – 316 Euro
  • Pflegegrad 3 – 545 Euro
  • Pflegegrad 4 – 728 Euro
  • Pflegegrad 5 – 901 Euro

Das Pflegegeld kann anteilig mit ambulanten Pflegesachleistungen (z. B. Pflegedienst) kombiniert werden.

Ambulante Pflegesachleistungen: Der ambulante Pflegedienst unterstützt Angehörige von Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 bei der häuslichen Pflege. Dazu gehören:

  • Körperpflege, Ernährung, Förderung der Bewegungsfähigkeit
  • Pflegerische Betreuungsmaßnahmen wie Hilfe bei der Orientierung oder Alltagsgestaltung sowie bei der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte
  • Medikamentengabe, Verbandswechsel, Injektionen
  • Beratung der Pflegebedürftigen und Angehörigen, Unterstützung bei der Vermittlung von Essensbelieferung, Organisation von Fahrdiensten und Krankentransporten
  • Hilfe bei der Haushaltsführung, z. B. kochen und putzen

Die Pflegekasse übernimmt monatlich folgende Kosten für Pflegesachleistungen:

  • Pflegegrad 1 – 0 Euro
  • Pflegegrad 2 – 689 Euro
  • Pflegegrad 3 – 1298 Euro
  • Pflegegrad 4 – 1612 Euro
  • Pflegegrad 5 – 1995 Euro

Wir der Betrag für ambulante Pflegesachleistungen pro Monat nicht voll genutzt, gibt es für maximal 40 Prozent des Betrags einen Umwandlungsanspruch. So kann der nicht verbrauchte Betrag für Leistungen der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag verwendet werden.

Pflegehilfsmittel: Für den Verbrauch von Hilfsmitteln wie Einmalhandschuhen oder Betteinlagen stehen dem Pflegebedürftigen monatlich bis zu 40 Euro zu.

Wohngruppenzuschlag: Pflegebedürftige, die in einer Pflege-WG untergebracht sind, haben Anspruch auf einen Wohngruppenzuschlag. Voraussetzung dafür ist, dass mindestens zwei weitere Personen der Wohngruppe pflegebedürftig sind, dass drei bis zwölf Personen in der ambulant betreuten WG wohnen und dass es eine unterstützende, gesunde Person gibt, die den Alltag der Bewohner organisiert.

Übersicht aller Leistungen bei häuslicher Pflege

Pflegegrad 1:

  • Pflegegeld/Pflegesachleistungen – 0 Euro
  • Entlastungsbetrag – 125 Euro pro Monat
  • Wohngruppenzuschlag – 214 Euro pro Monat
  • Pflegehilfsmittel – 40 Euro pro Monat
  • Verhinderungspflege – 0 Euro
  • Pflegeunterstützungsgeld – 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen – 4000 Euro einmalig
  • Anschubfinanzierung – 2500 Euro einmalig
  • Technische Hilfsmittel – 90 % Kostenübernahme, Eigenanteil max. 25 Euro pro Hilfsmittel oder kostenlose Leihe

Pflegegrad 2:

  • Pflegegeld – 316 Euro pro Monat
  • Pflegesachleistungen – 689 Euro pro Monat
  • Entlastungsbetrag – 125 Euro pro Monat
  • Wohngruppenzuschlag – 214 Euro pro Monat
  • Pflegehilfsmittel – 40 Euro pro Monat
  • Verhinderungspflege durch Angehörige – 474 Euro pro Jahr
  • Verhinderungspflege durch Fremde – 1612 Euro pro Jahr
  • Pflegeunterstützungsgeld – 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen – 4000 Euro einmalig
  • Anschubfinanzierung – 2500 Euro einmalig
  • Technische Hilfsmittel – 90 % Kostenübernahme, Eigenanteil max. 25 Euro pro Hilfsmittel oder kostenlose Leihe

Pflegegrad 3:

  • Pflegegeld – 545 Euro pro Monat
  • Pflegesachleistungen – 1298 Euro pro Monat
  • Entlastungsbetrag – 125 Euro pro Monat
  • Wohngruppenzuschlag – 214 Euro pro Monat
  • Pflegehilfsmittel – 40 Euro pro Monat
  • Verhinderungspflege durch Angehörige – 817,50 Euro pro Jahr
  • Verhinderungspflege durch Fremde – 1612 Euro pro Jahr
  • Pflegeunterstützungsgeld – 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen – 4000 Euro einmalig
  • Anschubfinanzierung – 2500 Euro einmalig
  • Technische Hilfsmittel – 90 % Kostenübernahme, Eigenanteil max. 25 Euro pro Hilfsmittel oder kostenlose Leihe

Pflegegrad 4:

  • Pflegegeld – 728 Euro pro Monat
  • Pflegesachleistungen – 1612 Euro pro Monat
  • Entlastungsbetrag – 125 Euro pro Monat
  • Wohngruppenzuschlag – 214 Euro pro Monat
  • Pflegehilfsmittel – 40 Euro pro Monat
  • Verhinderungspflege durch Angehörige – 1092 Euro pro Jahr
  • Verhinderungspflege durch Fremde – 1612 Euro pro Jahr
  • Pflegeunterstützungsgeld – 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen – 4000 Euro einmalig
  • Anschubfinanzierung – 2500 Euro einmalig
  • Technische Hilfsmittel – 90 % Kostenübernahme, Eigenanteil max. 25 Euro pro Hilfsmittel oder kostenlose Leihe

Pflegegrad 5:

  • Pflegegeld – 901 Euro pro Monat
  • Pflegesachleistungen – 1995 Euro pro Monat
  • Entlastungsbetrag – 125 Euro pro Monat
  • Wohngruppenzuschlag – 214 Euro pro Monat
  • Pflegehilfsmittel – 40 Euro pro Monat
  • Verhinderungspflege durch Angehörige – 1351,50 Euro pro Jahr
  • Verhinderungspflege durch Fremde – 1612 Euro pro Jahr
  • Pflegeunterstützungsgeld – 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen – 4000 Euro einmalig
  • Anschubfinanzierung – 2500 Euro einmalig
  • Technische Hilfsmittel – 90 % Kostenübernahme, Eigenanteil max. 25 Euro pro Hilfsmittel oder kostenlose Leihe

Ausführliche Informationen gibt’s beim Bundesministerium für Gesundheit.


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