"Sie sterben nicht im Schlaf" - Der traurige Tod von Coronavirus-Patienten
"Sie sterben nicht im Schlaf" - Der traurige Tod von Coronavirus-PatientenFoto-Quelle: imago images / Independent Photo Agency Int.
Italien: Ärzte berichten über dramatische Zustände auf Intensivstation

Seit Anfang Januar hält das neuartige Coronavirus die Welt in Atem. Nach dem Ausbruch der Krankheit im chinesischen Wuhan gilt inzwischen Europa als Zentrum der Pandemie. Am schwersten betroffen ist Italien mit 25.000 Infizierten und 1800 Toten. Ärzte aus Mailand und Bergamo berichten über den dramatischen Alltag auf der Notstation.

"Wissen Sie, was das traurigste Gefühl ist?" fragt Francesca Cortellaro im Gespräch mit der mailändischen Zeitung "Il Giornale". "Sehen zu müssen, wie die Patienten allein sterben. Zu hören, wie sie einen bitten, sich von ihren Kindern und Enkelkindern verabschieden zu dürfen." Wer in Mailand am Coronavirus leidet, muss laut Cortellaro unbegleitet ins Krankenhaus.

Die junge Ärztin leitet die Notaufnahme des San-Carlo-Borromeo-Klinikums im Zentrum der italienischen Metropole Mailand. In ihrem Bericht für "Il Giornale" schildert sie den traurigen Alltag von Patienten, die kurz vor dem Tod stehen. "Sie sind bei Bewusstsein, sie sterben nicht im Schlaf. Es ist so, als ob sie ertrinken würden - aber mit ausreichend Zeit, es zu wahrzunehmen."

Für die junge Ärztin ist dieser Moment, in dem die Patienten wissen, dass sie sterben werden, besonders schwierig. Damit sich einige von ihnen - viele sind bereits in fortgeschrittenem Alter - von ihren Liebsten verabschieden dürfen, ruft Cortellaro sie mit ihrem eigenen Handy an. Die Liste der Videoanrufe auf ihrem Gerät bezeichnet sie inzwischen als "Abschiedsliste".

"Ich habe das Gefühl, ich bin in einen Tsunami hineingelaufen"

Über die außerordentliche Situation, die seit dem Ausbruch der Krankheit in Italien alle Ärzte im Land überrumpelt, berichtete auch Cortellaros Kollege, Professor Stefano Muttini, gegenüber "Il Giornale". Für seine Abteilung, die ursprünglich über acht Betten verfügte, habe er wegen der immer steigenden Zahlen an Erkrankten 29 zusätzliche Plätze organisieren müssen.

"Das Hauptproblem ist, neue Plätze zu schaffen. Am Sonntagmorgen war ich überglücklich, sechs neue Betten gefunden zu haben", so Muttini. "Aber am Mittag waren sie schon alle besetzt. Ich habe das Gefühl, ich bin in einen Tsunami hineingelaufen, den ich - egal wie sehr ich mich abmühe - nicht mehr aufhalten kann. Für einen Moment fühle ich mich dann besiegt."

"Der Krieg ist buchstäblich ausgebrochen"

Auch ein Assistenzarzt aus dem norditalienischen Bergamo berichtet über die dramatischen Zustände in seiner Klinik, dem Krankenhaus Humanitas Gavazzeni: "Der Krieg ist buchstäblich ausgebrochen, und die Kämpfe sind Tag und Nacht ununterbrochen", schrieb Daniele Macchini am 7. März auf Facebook. Sein Post wurde inzwischen über 42.000-mal geteilt.

Der Allgemeinchirurg appelliert vor allem an junge Menschen, ihre Abwehrkräfte nicht zu überschätzen und sich vor dem Virus zu schützen: "Ich versichere euch - wenn ihr die jungen Leute seht, die auf der Notstation intubiert und an Maschinen angeschlossen sind, die ihr Blut mit Sauerstoff versorgen müssen -, dass eure Seelenruhe spätestens dann vorbei ist."

Auch in Deutschland greift das neue Coronavirus um sich. Um einen rapiden Anstieg der Ansteckungen zu verhindern, haben Bund und Länder drastische Maßnahmen ergriffen und die Bevölkerung gebeten, das soziale Leben auf ein Minimum zu reduzieren. Charité-Virologe Christian Drosten warnt: "Kinder möglichst nicht mehr bei Oma und Opa abgeben."

IM VIDEO | Coronavirus: Virologe entdeckt neue Symptome

Quelle:
Il Gionale

1 Kommentar

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wize.life-Nutzer
,die wären so auch gestorben,die Sterberate ist nicht höher wie in den letzten Jahren
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