Seit Wochen sind Krankenhäuser im Krisenmodus
Seit Wochen sind Krankenhäuser im KrisenmodusFoto-Quelle: Pixabay
Corona-Virus: Ärzte schlagen Alarm - Das muss Deutschland jetzt tun

In der Corona-Krise steht Deutschland vor schweren Wochen: Experten befürchten, dass die Zahl der Infizierten und die der Schwerkranken stark steigen wird. Immer mehr Ärzte schlagen jetzt Alarm: Es fehle an Schutzausrüstung und einige Kliniken seien nicht ausreichend vorbereitet.

Die Ausbreitung des Coronavirus übertrifft selbst die Vorstellungskraft von Experten, die sich seit Jahren und Tag für Tag mit Infektionen beschäftigen.

Experten erwarten starken Anstieg bei Infizierten

"Wir sind in einer Krise, deren Ausmaß ich mir nie hätte vorstellen können", sagte am Freitag (20. März 2020) Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI) - der Bundesbehörde zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Deutschland stehen dramatische Wochen bevor, machte der Mikrobiologie-Professor klar - "wir werden viel mehr Infizierte haben", sagte Wieler am Freitag auf seiner täglichen Pressekonferenz.

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Und auch mehr Schwerkranke, die wegen Covid-19 in die Notaufnahme und beatmet werden müssen.

Gesundheitsämter und Krankenhäuser in ganz Deutschland sind im Krisenmodus. RKI-Chef Wieler hatte an die Kliniken seit Wochen appelliert, vorbereitet zu sein.

"Wird uns an Grenzen unseres Gesundheitssystems bringen"

"Was auf uns zukommt, wird uns an die Grenzen unseres Gesundheitssystems bringen", sagt ein Münchner Arzt, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Wenn man sich unter niedergelassenen Medizinern und Krankenhausärzten umhört, bekommt man immer wieder zu hören: Einiges läuft nicht so rund wie es angesichts des dramatisch grassierenden Virus müsste.

Zu wenig Schutzausrüstung


Stichwort: Schutzausrüstung.

So gut wie alle niedergelassenen Ärzte (80 Prozent) klagen über fehlende Schutzkleidung. Das hat kürzlich eine Umfrage des Ärztenachrichtendienstes (änd) ergeben.

"Wir versuchen seit Wochen verzweifelt, irgendwo auf der Welt Schutzausrüstung zu kaufen, das ist fast nicht möglich", hatte Walter Plassmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung dem Blatt gesagt.

"Wenn uns die Schutzausrüstung ausgeht, sind wir am Ende"

Jedem müsse klar sein, so Plassmann: "Wenn uns die Schutzausrüstung ausgeht, sind wir am Ende."

Die Bundesregierung habe versprochen, dass das für die Versorgung Infizierter so dringend benötigte Material auf dem Weg sei.

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"Da ist nichts gekommen. Nicht eine einzige Maske haben wir gekriegt", sagte Plassmann.

Dabei müssten diejenigen, die mit Infizierten zu tun haben "besonders geschützt werden", so RKI-Chef Wieler.

Ärzte sollen Schutzmasken recyceln

Zu wenig Gesichtsmasken, Mundschutz und Schutzkleidung - darüber klagen nicht nur Ärzte in ihren Praxen und in Kliniken. Sondern auch Mediziner in Gesundheitsämtern, die ebenfalls Abstriche bei Menschen vornehmen, bei denen es einen Verdacht auf eine Infektion gibt.

"Weil es nicht ausreichend Schutzkleidung gibt, wurden wir aufgefordert, das, was wir haben, zu recyceln", berichtet eine Ärztin aus Bayern, die im Gesundheitsamt einer mittelgroßen Stadt arbeitet.

Bedeutet konkret: Masken und Kleidung mehrmals zu verwenden. Zu normalen Zeiten aus hygienischen Gründen undenkbar.

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"Bei Schutzbrillen mag das ja noch funktionieren", sagt die Ärztin. "Aber beim Mundschutz wird es schwierig."

Von einigen Intensivstationen wird berichtet, dass Ärzte ihre Spezial-Atemschutzmasken nach dem Gebrauch zum Trocknen aufhängen müssen. Und sie dann wieder verwenden.

Vorwürfe an Gesundheitsministerium

All das müsste nicht sein. Wenn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn frühzeitig reagiert hätte.

Das zumindest glaubt Achim Theile, Chef des Unternehmens Franz Mensch, das Hygienebekleidung, Mundschutz und Atemschutzmasken für Krankenhäuser und Ärzte herstellt und vertreibt - und der dem Bundesgesundheitsministerium schwere Versäumnisse vorwirft.

Bereits Anfang Februar habe er Spahn per E-Mail gewarnt, dass es in Kürze in Krankenhäusern zu bedenklichen Engpässen bei der Versorgung mit Schutzmasken kommen werde, sagte Theiler dem "Spiegel".

"Keiner hat uns gehört"

"Wir haben gemahnt, und keiner hat uns gehört“, sagte Theiler dem Nachrichtenmagazin. Dennoch seien die Behörden seit Wochen untätig geblieben. "Das ist grob fahrlässig und verschärft die Krise unnötig."

Auch an anderen Stellen hapert es nach Ansicht von Medizinern gewaltig.

"Wir gehen davon aus, dass auch wir spätestens Anfang kommender Woche eine große Zahl Corona-Patientin aufnehmen und versorgen müssen", sagt ein Urologe, der in einer bayerischen Spezial-Klinik arbeitet.

Eine Notaufnahme gibt es hier nicht. Nicht zu normalen Zeiten. Doch diese sind alles andere als das.

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"Bald werden vermutlich auch Ärzte anderer Fachbereiche herangezogen, sagt er. Also nicht nur Narkoseärzte, die auch als Intensivmediziner ausgebildet sind.

Sondern auch Gynäkologen, Chirurgen, Orthopäden.

"Wir wollen alle mithelfen"

Aus Gesprächen mit Kollegen weiß er: "Wir alle wollen mithelfen - jeder will alles dafür tun, die Krise in den Griff zu bekommen."

Was die Ärzte jedoch frustriert, ist das aus ihrer Sicht mitunter zögerliche und unzureichende Krisenmanagement der Klinikleitung.

"Viel zu lange haben wir noch elektive Operationen durchgeführt", sagt ein anderer Klinikarzt. Das sind chirurgische Eingriffe, die nicht dringend nötig sind. Und verschoben werden könnten.

Auch RKI-Chef Lothar Wieler hatte bereits vor Wochen die Kliniken aufgefordert, solche Operationen zu streichen. Um Raum und Kapazitäten für Corona-Patienten freizumachen.

Doch gerade solche Eingriffe sind vor allem für private Kliniken lukrativ.

"Endlich die Augen öffnen"

Mediziner berichten, dass sie sich durch ihre Klinikleitung unzureichend vorbereitet fühlen, dass es "zu wenige konkrete" Notfallpläne gebe.

Eine Fachärztin sagt, sie habe in ihrer Abteilung noch vor kurzem vorgeschlagen, Ärzte-Teams zu bilden, die unabhängig voneinander im Einsatz sind. Damit im schlimmsten Fall nicht alle auf einmal krank sind.

"Da haben einige Kollegen mit den Augen gerollt", erzählt sie. „Von Panikmache war da die Rede."

Das ist inzwischen vorbei. Doch nicht jeder habe den Ernst der Lage erkannt, klagte am Freitag auch RKI-Chef Lothar Wieler.

Diese Menschen forderte er auf: "endlich die Augen zu öffnen".

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8 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Alle Maßnahmen bisher kamen zu spät. Während man anderswo die Schulen schloß, hat man hier diskutiert, ob und wie man Notbetreuungen machen könnte. Während es anderswo seit Wochen Ausgangssperren gab, ging man hier noch in Scharen ins Eiscafe und anschließend in die Disco. Während man anderswo den Ernst der Lage erkannt hat, wurde und wird man hier vertröstet. Es gibt keine genauen Zahlen zu Genesenen und Schwerkranken. Es gibt keine Zahlen zu Beatmungsplätzen. Es gibt keine Voratshaltung an Schutzausrüstung oder Desinfektionsmittel. Die Anzahl Covid-19-Tote in Deutschland wird mittlerweile von der ganzen Welt angezweifelt. Unsere Politiker und Experten behaupten , sie hätten das Ausmaß so nicht erwarten können, was völliger Blödsinn ist, da man sich das Ausmaß leicht ausrechnen konnte, nachdem man die Entwicklung in China schon 4 Wochen studieren konnte. Bei 20000 Infizierten ist das Gesundheitssystem bereits am äußersten Anschlag, die Wirtschaft nachhaltig geschädigt.

Das kann doch einfach nicht wahr sein in einem der angeblich technologisch hochstehendsten und reichsten Länder dieses Planeten!

Wenn das alles durch ist, muß man über einige Dinge in Deutschland und ganz EU mal ganz intensiv nachdenken, und einiges schleunigst ändern. Gewinnmaximierung darf keine Priorität im Gesundheitssystem sein!
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wize.life-Nutzer
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wize.life-Nutzer
Na was denn nur...im Jauar hatte doch der zuständige Minister vollmundig erklärt Deutschland sei gut gerüsten. Warum haben da die Ärzte, die genau wussten das diese Aussage unwahr ist, nicht zu diesem Zeitpunkt Alarm geschlagen??? Der Virus war ja noch sooooo weit weg und wird wohl in DL nicht "so schlimm" werden. Hier am Brett hatte ich gelesen, wir haben ja schon soviel Kriesen überwunden und diese schaffen wir auch noch....Bloß das Ausmaß und die Tücke dieses Virus ist mit keinem anderen der letzten 30 Jahre vergleich bar. Die "Karre" ist schon halb im Dreck versunken. Die eingeleiten Maßnahmen helfen schon, aber die fehlenden Kapazitäten die man sich selbst geschaffen hat, werden nur schwerlich aufzu holen sein. Was China, Taiwan und weitere asiatische Länder , Menschen und auch Regierungen im Kampf gegen Corana geleistet haben ist aus meiner sicht großartig. Das funktioniert nur mit klaren einheitlichen Konzepten und deren Durchsetzung.
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Finger weg,von diesen Scharlatan Marian Kluczny.Ich habe immer versucht ihn hier zu stoppen aber Wize.life schmeisst ihn einfach nicht raus
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Marian Kluczny?
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na super hinein in die Praxen - es muss brummen - die Ansteckungsgefahr auf 200 - 1000 % erhöhen - da bleibe ich lieber einfach mal gesund https://facebook.com/Stemafa
wize.life-Nutzer
Ich finde ich es nicht akzeptabel, dass man mit diesem Virus soviel Unfug treibt! Ich kann sagen, dass ich meine Medikamente, Blutverdünner, Blutdruck und Schilddrüsen Medizin kamente alle bekommen habe, nur nicht von der Firma die von der Krankenkasse eigentlich vorgesehen sind.
wize.life-Nutzer
liebe Hannelore ich habe übe r20 Jahre häusliche Pfllege gemacht - mir brauchst du darüber nichts erzählen LG machs gut -
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