Narkosemittel werden knapp - Ober-Anästhesist warnt vor Notstand

Dass viele Kliniken hierzulande wegen des Coronavirus‘ mit einem Mangel an Schutzkleidung und Masken zu kämpfen haben, ist bekannt – die Politik hat Maßnahmen in Gang gesetzt, um Abhilfe zu schaffen. Offenbar droht allerdings auch ein Engpass bei dem Narkosemittel Propofol.

Droht das Narkosemittel Propofol knapp zu werden
Droht das Narkosemittel Propofol knapp zu werdenFoto-Quelle: pixabay

"Nach Ostern haben die ersten Kliniken einen Notstand", warnt Götz Geldner, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten und Ärztlicher Direktor der Ludwigshafener Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin in einem Gespräch mit der der "Bild"-Zeitung.

"Vor allem auf Intensivstationen ein Problem"

Propofol wird demnach mittlerweile bei jeder Operation verwendet, wichtig ist es insbesondere aber für die Intensivmedizin: Mit dem Mittel werden künstlich beatmete Patienten ruhiggestellt. Deshalb ist der Bedarf zu Coronavirus-Zeiten hoch und wird wohl noch wachsen. Die Vorräte vieler Krankenhäuser seien allerdings überschaubar und könnten im Falle von Mehrbedarf bald enden. "Vor allem auf den Intensivstationen werden wir Probleme bekommen, wenn Propofol nicht mehr verfügbar ist", unterstreicht Geldner.

Lieferengpässe "Riesenthema"

Auch der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker, Rudolf Bernard, spricht von Lieferengpässen unter anderem bei Propofol – das sei seit Jahren ein "Riesenthema", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" im März. Die Krankenhäuser wüssten sich zu helfen: Die Apotheken importieren das Arzneimittel aus dem Ausland oder setzen andere Narkotika ein. Der Kampf gegen das Coronavirus verschärfe allerdings die Engpässe.

Nachschub erst im Juni?

Dem "Bild"-Bericht zufolge ist das Problem, dass die Grundstoffe für solche Betäubungsmittel in Asien hergestellt werden und die Produktion derzeit brachliege. Einen Insider aus Pharmahandelskreisen zitiert die Zeitung mit der Aussage, dass im Juni mit Nachschub gerechnet werde.

Unternehmen sehen keine Gefahr für akute Versorgung

Ein Fresenius-Sprecher sagte, die Firma liefere das Medikament derzeit "in insgesamt weitaus höheren Mengen als üblich". Trotzdem könne sie momentan nicht alle Bestellungen in vollem Umfang bedienen. Und: "Unserer Kenntnis nach beeinträchtigt dies aber nicht die akute Versorgung von Patienten."

Und B. Braun Melsungen AG, der zweite große Lieferant in Deutschland, ließ wissen, dass die Produktion aktuell problemlos in Berlin und Melsungen laufe und man derzeit nur übliche Mengen ausliefere, um einer "unverhältnismäßige Bevorratung einzelner Artikel" vorzubeugen.


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