Krank am Arbeitsplatz?
Krank am Arbeitsplatz?Foto-Quelle: imago images/photothek
Krankschreibung per Telefon jetzt doch wieder erlaubt

Nach massiver Kritik von Ärzten ist eine Krankschreibung per Telefon bei Atemwegsbeschwerden jetzt doch wieder möglich. Zunächst sollte diese Corona-Ausnahmeregelung ab diesem Montag nicht mehr gelten. Jetzt sind die Verantwortlichen zurückgerudert.

Krankschreibungen bei leichten Atemwegserkrankungen können vorerst weiterhin nach telefonischer Anamnese erfolgen. Dies teilte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Montag (20. April 2020) mit - und nahm damit seine zunächst betroffene Entscheidung zurück.

Zunächst sollte die Corona-Ausnahmeregelung nur bis Montag gelten. Patienten mit einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege sollten wegen einer Krankschreibung wieder in die Arztpraxis gehen müssen. Dagegen hatten Ärzte massiv protestiert.

"Das ist unverantwortlich. Diese Patienten könnten eine harmlose Erkältung haben, aber auch an Covid-19 erkrankt sein und damit Ärzte, Praxispersonal sowie andere Patienten mit teilweise schweren Erkrankungen anstecken", so etwa der Vorsitzende de Freien Ärzteschaft (FÄ) Wieland Dietrich. "Es ist empörend, wie der dringend gebotene ärztliche Sachverstand hier missachtet wird."

Auch die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) äußerte Unverständnis über diese Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) entgegen dem einhelligen Votum von Kliniken und Kassenärzten. "Das Ende der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per Telefon gefährdet medizinisches Personal und Patienten", so Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK.

Jetzt hat der Gemeinsame Bundesausschuss entschieden, dass die Corona-Ausnahmeregelung bis zum 4. Mai verlängert wird.

Damit ist es möglich, dass "eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund telefonischer Anamnese" für die Dauer von einer Woche bescheinigt wird, wie es in einer Mitteilung heißt. Bei fortdauernder Erkrankung könne dies einmal verlängert werden.

Hygienevorschriften am Arbeitsplatz

"Wer in diesen besonderen Zeiten arbeitet, braucht auch besonderen Schutz", erklärte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in der vergangenen Woche. Konkret sollen Arbeitsabläufe im Unternehmen so organisiert werden, dass Beschäftigte möglichst wenig direkten Kontakt zueinander haben - etwa während Pausen, beim Schichtwechsel oder was die Anwesenheit im Büro betrifft.

Für Beschäftigte gelte der Grundsatz: "Niemals krank zur Arbeit", so Heil. "Personen mit erkennbaren Symptomen (auch leichtes Fieber, Erkältungsanzeichen, Atemnot) verlassen den Arbeitsplatz bzw. bleiben zu Hause, bis der Verdacht ärztlicherseits aufgeklärt ist."

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