Tanzen - die "süße Medizin"
Tanzen - die "süße Medizin"Foto-Quelle: Photograph © Darren Baker
Tanzen - die "süße Medizin"

Tanzen hält fit, das konnten Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) schon vor einiger Zeit nachweisen. Sie testeten ein speziell für Senioren entwickeltes Tanzprogramm mit verblüffendem Ergebnis: Selbst zuvor inaktive Senioren konnten nach sechs Monaten Training nur einmal pro Woche für eine Stunde nicht nur ihre körperliche Fitness erheblich steigern, sondern auch ihre Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam kürzlich eine Studie der Uniklinik Magdeburg.

Tanzschritte trainieren auch das Gehirn

Basis der RUB-Untersuchung bildeten Studien mit Tieren, die zeigten, dass die Haltung in reizvoller und herausfordernder Umgebung in Gesellschaft degenerative Alterungsprozesse vermindert und die Lernfähigkeit steigert. Durch das Tanzen lässt sich dieser Effekt auf den Menschen übertragen: Tanzen bedeutet körperliche Aktivität, die den individuellen Fähigkeiten angepasst werden kann und dennoch genügend Spielraum für Entwicklungen bietet.

Das Erlernen von Schrittfolgen und Kombinationen ist darüber hinaus eine beträchtliche Herausforderung für das Gehirn. Dazu kommen die sozialen Interaktionen mit dem Partner und anderen Tänzern sowie die akustischen und emotionalen Reize durch die Musik. „Die Geschwindigkeit der Reitverarbeitung hat bei allen Studienteilnehmern deutlich zugenommen“, so das Fazit von Jan-Christoph Kattenstroth, von der RUB.

Verglichen mit vielen anderen sportlichen Aktivitäten wie Laufen, Radfahren oder Kraftsport hat Tanzen viele Vorteile: Es vereint körperliche Aktivität mit sozialer, emotionaler und musikalischer Interaktion und kognitiven Herausforderungen. „Tanzen stellt weitaus größere Anforderungen an das Gehirn, als simple Fitnessübungen mit den repetitiven, automatisieren Bewegungen“, so Professor Notger Müller von der Uniklinik Magdeburg.

Und die Gedächtnisleistung?

Um entsprechende Verbesserungen in der Gedächtnisleistung festzustellen, waren sechs Monate Tanztraining zu kurz. "Nachdem die Studie um zwölf Monate verlängert wurde, zeigten sich jedoch auch Unterschiede im verbalen Gedächtnis", berichtet der Magdeburger Neurologe. Deshalb ist sogar anzunehmen, dass das Tanztraining auch den geistigen Abbau bei einer möglichen leichten Demenz verzögert.

Für Klaus Schelkmann, Teilnehmer der RUB-Versuchsreihe steht jedenfalls fest: „Tanzen hat meine graue Masse in Wallung gebracht.“ Und seine Frau Ingrid Schelkmann hat eine ganz besondere Erfahrung gemacht: „Tanzen ist süße Medizin“.