Selbstbewusst und stark - Stimmt's?
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Hilfe, die neuen Frauen kommen

Promis wie Anna Lewandowska, Lisa Müller oder Thüringens First Lady Germana Alberti vom Hofe übertreffen sich plötzlich im Betüddeln ihrer Männer. Ist das schon der antifeministische Backlash? Oder demonstrieren hier selbstbewusste Frauen ihre Stärke? Eine Kolumne von Hermann Weiß

Es gibt Dinge, die verstehe ich nicht, so technische Sachen vor allem, vom Aufbau eines Ikea-Schranks bis zur Quantenmechanik. Da fehlt mir der Bezug.

Anders ist es mit Frauen.

Frauen interessieren mich. Die würde ich gern verstehen.

Aber so einfach ist das nicht, obwohl ich eigentlich ein guter Beobachter bin. Einer, der die Antwort auf die großen Fragen auch mal im Kleinen sucht.

Zum Beispiel habe ich mich lang gefragt, warum ich meinen Espresso in der Kaffeebar im Münchner Hauptbahnhof in einer weißen Tasse bekomme, meine Frau den ihren aber in einer rosafarbenen, obwohl sie nun wirklich kein Kind mehr ist und auch sonst nie eine Vorliebe für Rosa hatte (wie übrigens auch keine andere Frau, die ich kenne).

"Irgendwie passend"

Mittlerweile weiß ich, dass sie dort rosafarbene Tassen für Frauen "irgendwie passend" finden. Dass sich also an diesem Tresen "die Vorstellung von Geschlechtern mit bestimmten Eigenschaften verbindet, die VertreterInnen dieses Geschlechts aufweisen müssen, um als solche gesehen werden", wie meine Lieblings-Hardcore-Feministin Margarete Stokowski (die mit der "Spiegel-Online"-Kolumne) sagen würde, die ihren Kaffee schon aus diesem Grund woanders trinken würde.

So weit würde ich nicht gehen. Aber meine Frau und ich tauschen in der Bar jetzt immer die Tassen: Ein Running Gag, der die Mädels im Service jedes Mal wieder irritiert, was uns freut, weil das ja der Sinn der Sache ist. Gleichzeitig ist es mir nicht wirklich geheuer.

Rosa ist Liebreiz in Dauerschleife

Ich meine: Was ich so mit der Farbe Rosa verbinde - Unbedarftheit und Liebreiz in Dauerschleife, mehr Regressives als Progressives - würde ich mir als moderne, selbstbewusste Frau des 21. Jahrhunderts nicht in die Sneakers schieben lassen wollen.

Und wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre es, dass möglichst viele Frauen das genauso sehen. Aber danach sieht es nicht aus. Im Gegenteil.

Einiges deutet darauf hin, dass die Zukunft rosa wird!

Da ist zum Beispiel Thüringens First Lady Germana Alberti vom Hofe.

Was es wohl bedeutet, dass sie ihrem Mann, dem Immer-noch-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, jeden Abend die Garderobe für den nächsten Tag rauslegt?

Ramelow-Sätze wie: "Ich verlasse das Haus nicht ohne ihre Stilberatung, ich werde ausgestattet", sind in meinen Augen ein Armutszeugnis für jeden Mann. Umgekehrt frage ich mich, wie Frauen ticken, die so etwas für normal und selbstverständlich halten.

Ich fände so ein Verhalten übergriffig!

Außerdem wabert darunter schon wieder das Narrativ von der Frau, die ihrem Mann den Rücken frei hält - als ob es sonst keine sinnvolleren und beglückenderen Tätigkeiten für Frauen auf diesem Planeten gäbe.

Kippt da grad wieder was in diese Richtung?

Kommt jetzt der antifeministische Backlash?

Vielleicht ist es ja auch ein Ausdruck weiblicher Stärke, wenn Anna Lewandowska, die Frau des Fußballers Robert Lewandowski, Tag und Nacht an der Transformation ihres Mannes zum Modellathleten arbeitet - von der richtigen Ernährung bis zum optimalen Schlafrhythmus. Kontrolle inklusive.

Wenn man hört, wie sie Dinge sieht ("Mein Mann ist eine Maschine. Ich bin der Boss") könnte man das glauben.

Und Geschichten wie die, dass es nicht der vom Trainer vernachlässigte Bayern-Star Thomas Müller gewesen ist, der die ersten Nadelstiche gegen den später entlassenen Bayern-Coach Niko Kovac setzte, sondern seine Frau Lisa ("Mehr als 70 Minuten, bis der mal nen Geistesblitz hat!"), wären ein weiteres Indiz.

Wie gesagt: Vielleicht gibt's zur Quantenmechanik ja irgendwann noch eine "Sendung mit der Maus". Dann schalte ich ein. Also, wenn's grad passt.

Und an den Frauen bleibe ich dran!


Hermann Weiß ist freier Autor. Er hat (u.a.) für die "Abendzeitung" geschrieben, war Kulturredakteur im Münchner "Welt"-Büro. In "Mittlere Reife", seiner wöchentlichen Kolumne auf wize.life, nimmt er sich Alltags- und Zeitgeistphänomene vor und macht sich darauf seinen ganz persönlichen Reim.

13 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Ist das Peter Lustig?
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wize.life-Nutzer
Ich hätte im Cafe‘ um eine weisse Tasse gebeten. Ist doch stilvoller🤗
wize.life-Nutzer
Also, so ein Café, das noch solchen Klischees verhaftet ist, würd ich auch wechseln. Ansonsten find ich dss fürsorgliche Verhalten von Frauen, die das tun, was sie WIRKLICH besser können, nicht "übergriffig" - sondern eben GENAU DAS: "Fürsorglich" - und eben partnerschaftlich. Gibt eben tatsächlich Dinge die Frauen besser können - und ein "starker Mann" kann diese "Schwäche" doch locker akzeptieren - solange SIE sich nicht hinstellt und rumposaunt, dass ER ohne SIE nicht mal in der Lage wäre, sich anzuziehen - geschweige denn einen vernünftigen Satz von sich zu geben. Und wenn ne Frau dafür sorgt, dass ihr Partner - und "Leistungsträger" - sich gesund ernährt und gesund erhält - was soll daran verkehrt sein??? Über die Stränge schlagen kann er deshalb immer noch genug - wenn sie nicht da ist. Wer das nicht abkann, hat wohl an sich ein Problem mit derart "starken Frauen". Besser als ne "dominante Kampfemanze", die ständig gegen Männer ätzen muss, sind die allemal.
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wize.life-Nutzer
Ich freu mich auf die NEUEN Frauen .... Die können bestimmt gut putzen, waschen und kochen..............
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wize.life-Nutzer
...Ich bin farbenblind, daher habe ich nicht das Problem mit den Tassen und nur Narren versuchen Frauen zu verstehen. Selbst der Teufel sitzt in der Ecke und hört zu, wenn Frauen sprechen.
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wize.life-Nutzer
hm, ich meine schon seit längerer Zeit, dass die Emanzipation übers Ziel hinausgeschossen ist bzw. eigentlich nie stattgefunden hat. Denn wirkliche Gleichberechtigung würde bedeuten, dass Hausarbeit, Kindererziehung, Pflege und Familienmanangement gleichwertig anderen Tätigkeiten wäre, die sich da "Berufsleben" nennen. Als ich damals gefragt wurde, was ich denn beruflich mache, und sagte, ich sei Mutter und Hausfrau, bekam ich zu hören, das sei doch kein Beruf. Meine Antwort: Vorher zu Zeiten meiner "Berufstätigkeit" (also einer Tätigkeit für die es ein Gehalt gab), hatte ich eine 35-Stunden-Woche, ein freies Wochenende, regelmäßigen Erholungsurlaub. Jetzt als Mutter habe ich einen 24-Stunden-Tag, 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr ohne Urlaubsanspruch, mit Unterbrechungen der Nachtruhe, mit großer Verantwortung für die Zukunft und die absehbare Nachhaltigkeit und das alles ohne Gehalt!

Und das bedeutet, dass berufstätige Frau und auch Mann, der heute zuhause mitarbeitet, mindestens zwei Jobs haben, nämlich bezahlten Beruf und unbezahltes Familienmanagement.
Ist/war das das Ziel der sog. Emanzipation? Doppelbelastungen? Gleichberechtigung für alle Tätigkeiten? Oder wird eher dafür gesorgt, dass die Menschen keine Zeit und Energie mehr haben sollen um nachzudenken, zu diskutieren, vielleicht sogar zu rebellieren???

Dass es heute (wieder) Frauen gibt, die ihren Partner gern unterstützen, und Männer, die die Unterstützung ihrer Partnerin anerkennen, aber auch umgekehrt, mag vielleicht als Rückschritt angesehen werden, kann aber ein richtiger Schritt zu einer goldenen Mitte sein.
Zeitgemäß oder zukunftsweisend wäre, für beide Bereiche, eine Entlohnung zu geben, evtl. in einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle, denn da bekämen eben auch Menschen, die einer anderen "Berufung" nachgehen als die heute kommerzialisierten eine Anerkennung für ihre Talente/Berufungen.
wize.life-Nutzer
Tätigkeit im Haushalt wird laut BGB als Beitrag zum Lebensunterhalt der Familie betrachtet. Nur zur Info.
wize.life-Nutzer
Und wie sieht das Gehalt aus? Und wer bezahlt das Gehalt
wize.life-Nutzer
Von einem Gehalt ist nicht die Rede. Wie man sich über die Teilung der Lasten in einem gemeinsamen Haushalt einigt, ist Sache der Ehegatten. Wenn das nicht klappt, sollte man auch keinen gemeinsamen Haushalt gründen.
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wize.life-Nutzer
Wie gut dass ich mich nie um das gerade vorherrschende "Frauenbild" geschert habe. Auch wenn meine Mutter sich wirklich Mühe gegeben hat, ist es ihr nicht gelungen mir dies bei zu bringen.
Ich laufe seit Jahr und Tag in Jeans, Stiefeln oder Sneakers durch die Gegend,
kann Ikea Küchen und Schränke aufbauen. Mode hat mich noch nie interessiert, Emanzipation im Sinne von rechtliche, gesellschaftliche Gleichstellung der Frau dagegen, sehr.
Und eins weiß ich ganz sicher, würde mir Jemand meinen Kaffee in einer rosa Tasse bringen würde er ihn wieder mit nehmen
wize.life-Nutzer
Du nimmst mir die Worte aus der Tastatur!
Mit einem Unterschied:
Meine Mom hat nie versucht, aus mir ein “Weibchen“ zu machen, dazu war sie selbst viel zu rebellisch.

Die rosa Tasse würde auch ich ablehnen. Rosa ist ein No-Go. Nicht mal meine Tochter hat diese Farbe getragen, ich habe alle zur Geburt erhaltenen rosa Strampler weiter verschenkt.
wize.life-Nutzer
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wize.life-Nutzer
Betüddeln oder instrumentalisieren? Theodor Fontane schrieb in seinem letzten (möglicherweise unvollendetem) Roman "Mathilde Möhring" die Geschichte einer jungen, mittellosen Frau aus einfachsten Verhältnissen, die sich einen verbummelten Jurastudenten anlacht, ihn antreibt und seine Karriere befördert, bis er es zum Landrat in Ostpreussen bringt. Als er unerwartet sehr jung stirbt, steht die Witwe auf einmal genau so mittellos da wie zu Anfang: keine Witwenpension, die Kinder zu Verwandten, sie wieder mehr oder weniger auf der Straße. Fontane "entlässt" Mathilde zurück in Berlin, wo sie als Hilfskraft in einem Büro verdingt und eisern spart, um nebenher eine Ausbildung zur "professionellen" Bürokraft zu machen.

Man kann sich streiten: ist Mathilde die eigentliche Tatkräftige, die durch die gesellschaftliche Konvention um ihren Erfolg betrogen wird oder ist sie die berechnende, die sich hinter der Fassade eines schwachen Mannes emporarbeiten will und zwangsläufig scheitert? Ich hatte mich für erstere Deutung entschieden, las aber letztere vor einigen Wochen in einer Betrachtung über Fontanes Frauenfiguren (die anderen waren Jenny Treibel und, wer sonst, Effi Briest) in der "ZEIT". Wie man es auch sieht, so zeigt Fontane doch auf, dass unabhängig von der Bewertung des Verhaltens seiner drei Frauenfiguren diese im Rahmen gesellschaftlicher Verhältnisse geradezu NULL Chancen auf eine anerkannte eigenständige gesellschftliche Existenz hatten - es sei denn in der Demi-Monde wie "Cécile", am Rande als kleine Büglerin Lene Nimptsch, die von einem frömmelnden Witwer zur Frau "genommen" wird oder bestenfalls als reiche Witwe. So unabhängig manche erscheinen, so sehr sind sie in letzter Instanz immer von der Willkür von Männern abhängig und werden bei kleinsten Verstössen mit der höchtstrafe der gesellschftlichen Ächtung bedacht.

Natürlich herrschen heute - wenn auch noch nicht sonderlich lange - rechtlich und auch sozial andere Verhältnisse. Aber die Vorstellungen des 19. Jahrhunderts herrschen offenbar immer noch in den Köpfen - in männlichen wie weiblichen. Vielleicht ist es ja für manche Frauen bequemer, solche versteckten gesellschaftlichen Normen nicht zu hinterfragen, sich anzupassen und im Hintergrund die Fäden zu ziehen, und manche Männer verstehen es vielleicht gut, ihrerseits solche Haltungen für sich zu instrumentalisieren. Ich halte dies nicht für einen "backlash", sondern eher für ein Zeichen dafür, dass wir bewusstseinsmäßig erst langsam ans "Eingemachte" der Geschlechterbeziehung kommen. Die Debatte um das "Gender Mainstreaming" scheucht schließlich so manchen oder manche auf, die sich für liberal, aufgeschlossen und fortschrittlich in dieser Frage hält.

Auf alle Fälle aber finde ich den Dreh mit den vertauschten Tassen für lustig. Die Reaktionen hätte ich gern gesehen ...
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