Kinder sind Kinder sind Kinder - Manche Eltern wissen das leider nicht
Kinder sind Kinder sind Kinder - Manche Eltern wissen das leider nichtFoto-Quelle: Adobe Stock
Liebe Eltern, lasst eure Kinder Kinder sein!

Laurent Simons, Greta Thunberg - die Welt ist voller Wunderkinder. Da fragen sich moderne Eltern natürlich, was eigentlich in ihrer Tochter oder in ihrem Sohn so alles steckt. Aber, Achtung: Kinder kann man nicht optimieren wie seinen Instagram-Account! Eine Kolumne von Hermann Weiß

Als ich kürzlich, völlig überraschend, einen alten Bekannten wieder getroffen habe, hat er mir als erstes von seiner Tochter erzählt. Er war hörbar stolz. Aber auch ein bisschen gestresst: Sie sei jetzt nämlich bald aus dem Kindergartenalter raus. "Nächstes Jahr", sagte er, "kommt sie in die Schule."

Wow, sagte ich und wollte ihm damit signalisieren, dass ich schon weiß, dass das für Kinder und Eltern eine Herausforderung sein kann. Weil ich aber nicht zu ernst rüberkommen wollte, machte ich diesen Witz: "Dann hoffe ich aber", sagte ich, "dass sie schon lesen und schreiben kann! Und ein bisschen Englisch wäre sicher auch nicht schlecht …"

Er sah mich an. Ich sah ihn an. Aber ihm war nicht zum Lachen.

"Du hast ja keine Ahnung", sagte er: "Das mit dem Druck geht heute im Kindergarten schon los. Da geht’s nicht nur ums Zusammensein. Oder ums Spielen. Da gibt’s Eltern, die wollen Ergebnisse sehen! Und die können unausstehlich werden, wenn sie merken, dass nicht alle so drauf sind wie sie."

Laurent Simons (9) - Akademisches Wunderkind aus den Niederlanden

An die Unterhaltung mit Uwe musste ich denken, als ich jetzt die Geschichte des neunjährigen Laurent Simons las: Das Wunderkind aus Amsterdam muss gerade auslöffeln, was seine überambitionierten Eltern ihm eingebrockt haben.

Ich meine: Niemand kann mir erzählen, dass Eltern ihr Kind mit neun (!) auf eine Hochschule schicken müssen, damit es dort Elektrotechnik studiert und sei es noch so begabt.

Der kleine Laurent tut mir leid, denn es gibt doch wirklich so viele andere schöne und spannende Dinge, die mehr mit Kindheit zu tun haben als Elektrotechnik, von denen er nicht weiß, dass es sie gibt, und die er vielleicht nie kennenlernen wird, wenn er erst mal sein Examen hat und die Tech-Konzerne sich um ihn reißen.

Den Gipfel aber finde ich, dass es Laurents Eltern mit dem Studium offenbar nicht schnell genug ging. Der Bub hätte nur noch ein paar Prüfungen ablegen müssen. Mitte 2020, sagen seine Professoren von der TU in Eindhoven, wäre er mit allem durch gewesen. Aber weil er heuer noch zehn wird und seine Eltern wollten, dass er vorher seinen Bachelor macht, legten sie sich mit der Uni an, machten Rabatz, stritten sich. Mit dem Ergebnis ist, dass Laurent sein Studium vorerst abbrechen musste.

Der arme Junge! Dachte ich mir. Aber wenn ich ehrlich bin, ist mir diese neue, extrem fürsorgliche und deshalb oft überbehütende Elterngeneration schon länger suspekt.

Wenn Fußball-Moms den neuen Messi sehen

Ich kann gar nicht zusehen, wie sie sich ans Optimieren ihrer Kinder macht als ginge es ums Aufhübschen eines Instagram-Accounts. Und verglichen mit diesen "modernen Eltern" kommt mir mein eigener Vater, im Nachhinein, fast schon cool vor.

Als ihm auffiel, dass ich leidlich kicken konnte (woran er nicht ganz unschuldig war), stellte er mich vor die Wahl: "Du kannst dich", sagte er, "für den Fußball entscheiden oder fürs Gymnasium. Beides wird nicht gehen." Die Entscheidung überließ er mir.

Heute stehen schon bei Bambini-Begegnungen traubenweise Eltern am Spielfeldrand, die jede Bewegung, jeden Ballkontakt ihrer Sprösslinge auf Anflüge von Genialität checken - auch wenn die Kinder wie tapsige Welpen über den Rasen stolpern und, völlig altersadäquat, keinerlei Spielidee erkennen lassen außer einem Haufen Spaß. Läuft ein Spiel mal gegen den eigenen Sohn oder die Tochter, fangen solche Eltern schon mal an zu toben. Gegenspieler werden beschimpft, Schiedsrichter beleidigt und, manchmal, tätlich angegriffen.

Ums Kindeswohl, denke ich, geht’s dabei eher nicht.

Aber vielleicht bin ich da ja zu sensibel.

Ich hab’ ja auch um Greta Thunberg Angst

Die 16-jährige Klimaaktivistin und "Fridays for Future"-Erfinderin Greta Thunberg kann mittlerweile ohne Security keinen Schritt mehr tun. Journalisten und Fans kleben an ihr. Und die rücksichtslosesten, machtbesoffensten Egozentriker des Planeten wie Donald Trump oder Brasiliens Präsident Jair Bolsonara schleudern ihr ihre Wut entgegen - einem Teenager, nur weil der ihnen politisch in die Quere kommt.

Greta Thunberg: Rummel um die junge Schwedin beim UN-Klimagipfel in Madrid
Greta Thunberg: Rummel um die junge Schwedin beim UN-Klimagipfel in MadridFoto-Quelle: imago images/Agencia EFE

Wo, frage ich mich, sind eigentlich Greta Thunbergs Eltern?

Ich hoffe, sie denken nicht nur darüber nach, wie sich der Ruhm ihrer Tochter, die vergangene Woche vom "Time Magazine" zur "Person des Jahres" gekürt wurde, noch mehren lässt.

Oder was sonst noch alles in ihr steckt.

P.S.: Mit Uwe war es dann doch noch ganz nett. Er erzählte, wie er seine Tochter mit fünf zum Balletttanz schickte, weil sie das wollte. Nach einem halben Jahr hätte sie dann plötzlich keine Lust mehr gehabt. "Aber neulich tanzte sie so auffällig-unauffällig durchs Wohnzimmer, da habe ich sie gefragt. Sie hat gesagt, dass sie eigentlich schon ganz gern wieder ins Ballett gehen würde. Da haben wir die Spitzenschuhe wieder ausgepackt."

So, dachte ich mir, geht das also auch.


Hermann Weiß ist freier Autor. Er hat (u.a.) für die "Abendzeitung" geschrieben, war Kulturredakteur im Münchner "Welt"-Büro. In "Mittlere Reife", seiner wöchentlichen Kolumne auf wize.life, nimmt er sich Alltags- und Zeitgeistphänomene vor und macht sich darauf seinen ganz persönlichen Reim.

34 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Aus mir hätte auch ein Wunderkind werden können. Ich hab als Kind so viel gemacht das sich alle gewundert haben das ich so normal geworden bin.
wize.life-Nutzer
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wize.life-Nutzer
Ich finde es schade das die heutigen Kinder so gedrillt werden. Man sieht kaum noch Kinder die draussen spielen. Ich war als meine Söhne in den Kindergarten gingen so eingestellt das im Kindergarten gespielt wird und dann in der Schule lernt man lesen und schreiben. Ich kann mich noch erinnern wie mir die Kindergärtnerin vorhaltung gemacht hat das mein Sohn noch keine Farben erkennen konnte. Meine Söhne sind Handwerker geworden der eine Landschaftsgärtner und der andere Elektriker. Also kann ich ja nicht allzuviel verkehrt gemacht haben.
wize.life-Nutzer
Nee das hast du auch nicht.Was Eltern nicht zustande gebracht haben, müssen heute die Kinder.Es kann nicht jedes Kind ein Einstein sein und das ist auch gut so.Kinder sollten noch Kind sein.Meine Kinder waren auf der Dänischen Schule,sie sind nicht so bekloppt wie hier und aus allen Kinder ist was geworden
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wize.life-Nutzer
Vor langer Zeit gelesen: Würden sich alle Kinder so weiter entwickeln wie bis zum 6.Lebensjahr, gäbe es nur Wunderkinder. Und noch eins. Ich befürchte die 16.Jährige Schwedin wird von Erwachsenen geistig missbraucht. Und die ständigen Bilder um sie usw. bewirken, dass wir sie als Aktivistin wahrnehmen.
wize.life-Nutzer
wize.life-Nutzer Großes Veto! Ein mit Asperger Syndrom begabtes Kind kann Niemand geistig missbrauchen! Bitte informiere Dich!
wize.life-Nutzer
Stimmt,sie ist so wie ist.Vor 30Jahre gab es auch ein solches Mädchen.Nur da gab es noch keine Soziale Medien
wize.life-Nutzer
FCVdB wer mich anonym kritisiert, ist nicht kompetent. Informieren Sie sich. Dumme Behauptungen, die Sie da vertreten.
wize.life-Nutzer
Anonym? Hat Du mich gefragt wie mein ausgeschriebener Name ist, der in Lettern da steht? Meine Aussage bleibt als wahrhaftig bestehen, die das Asperger Syndrom betrifft!
wize.life-Nutzer
dumme Behauptungen?
Die kommen doch von dem User wize.life-Nutzer, der schreibt ganz 'kompetent':
Zitat <Ich befürchte die 16.Jährige Schwedin wird von Erwachsenen geistig missbraucht.>
Seiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, aber seinem Wissen über das Asberger Syndrom - gibt es doch so viele Möglichkeiten, sich zu informieren.
wize.life-Nutzer
Sagt der Mann mit dem blass blauen Gesicht.
wize.life-Nutzer
Mein Name ist voll zu lesen. Wer mich anonym und geistig primitiv beleidigt sollte mal in den Spiegel schauen.
wize.life-Nutzer
Asperger Syndrom, ich verfolge alle Berichte über das Mädchen. Diese Einordnung wird nur vorgeschoben, damit sich Erwachsenen dahinter verstecken können.
wize.life-Nutzer
Also wir können problemlos in den Spiegel schauen. Denn wir sehen reale Gesichter. Bei dir gestaltet sich das etwas schwieriger. Ich sehe bei dir gar nichts.
Was bedeutet ein Name ohne Gesicht ? Nichts !
Außer Feigheit zu gesagtem zu stehen.
wize.life-Nutzer
Ich weiß ja nicht was du so verfolgst, aber jetzt wird's auf alle Fälle komisch.
Daher finde ich es auch reine Zeitverschwendung darauf einzugehen.
wize.life-Nutzer
wize.life-Nutzer Wenn Du alle Berichte verfolgst, solltest Du auch Gretas eigenem Bericht begegnet sein, in dem sie ihr Syndrom ausführlich beschreibt und von ihr selber gehört haben was es für sie bedeutet! Auch ebenfalls für ihre Eltern! Dann ist es Dir kaum möglich so deutlich unwissend zu schreiben.
wize.life-Nutzer
Zum Mitschreiben für alle. War jemand an die 4O Jahre im Gesundheitsdienst. Ich kenne die meisten Krankheiten. Ich weiß also auch, dass es Menschen gibt, die sich eine Krankheit oder Fähigkeit aussuchen, die ihnen gefällt. Erwachsene können durchaus einer 16jährigen suggerieren(verkürzt): Sage, ich habe, die oder die Fähigkeit, dass kommt in Öffentlichkeit an. Damit genug. Ich glaube die veröffentlichte Behauptung nicht.
wize.life-Nutzer
Oweia, noch eins drauf gesetzt.
Was stimmt mit dir nicht ?
Geltungsbedürftig ? So langsam verstehe ich wieso du hier gesichtslos unterwegs bist.
wize.life-Nutzer
wize.life-NutzerMit dem Kommentar setzt Du noch eins drauf und bringst hier die VIELEN aus dem medizinischen Bereich zum Kopf schütteln. Mich eingeschlossen. Ein Asperger begabtes Kind ist recht bald zu erkennen/zu diagnostizieren, von FACHLEUTEN. Zwar ohne haarstäubende Vermutungsunterstellungen wie Deine!. Du schreibst nicht, auch nicht zum Mitschreiben, dass Du an die 40 Jahre im Geundheitsdienst gearbeitet hast. Was soll dann die Frage wer es hier war? DU stellst doch Deine Unterstellungen hier lesbar ein! Was Du glaubst, oder nicht glaubst ist allein Deine Sache. Googelen hilft jedenfalls Greta mal selber zuzuhören.
wize.life-Nutzer
wize.life-Nutzer schau mal in den Spiegel, vielleicht merkst du dann deine Selbstverliebtheit unbedingt - anonym Recht zu behalten.
wize.life-Nutzer
Hahahahahahaha...........Ich Ziel einer argumentfreien Projektion? Nö! Für so eine Unterstellung ist Kenntnis der PERSÖNLICHKEIT gefragt!
wize.life-Nutzer
Ich zweifle sogar seine Tätigkeit an.
wize.life-Nutzer
Die äußert er ja - wohlweißlich - (?) NICHT?
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wize.life-Nutzer
Da Stimme ich dir zu. Ist einfach nicht mehr normal.
wize.life-Nutzer
Seit meiner Kindheit bekannt: Der eine hat die, der andere jene Gabe.
stammt von W. Goethe Alle sollten mehr Demut üben.
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wize.life-Nutzer
Ja heutzutage muss jedes Kind studieren und dann im internationalen Business tätig sein.
Wer den ganzen Akademikern später die Toilettenspülung repariert weiss keiner.
( Siehe Fachkräftemangel im Handwerk )
wize.life-Nutzer
Es gibt auch Akademiker, die auch noch gute Handwerker sind!
wize.life-Nutzer
Wir brauchen halt auch Kopfwerker, oder wer soll den Handwerkern die Toilettenspülung konstruieren?
Aber: jede/r sollte nach seinen/ihren Fähigkeiten aufwachsen, nicht als Projektionsfläche der unerfüllten Lebensträume der Verwandtschaft und/oder als Prestige-Objekt für die Nachbarschaft.
wize.life-Nutzer
Es besteht jetzt schon Fachkräfte-mangel. Und das auch im Pflegebereich.
wize.life-Nutzer
Fachkräfte mangel gibt es schon seit vielen Jahren. Politik und Wirtschaft propagiert seither Eine höhere Bildung die diese sich selbst auferlegt haben ( genauso wie die irrsinnige Globalisierung)
Ich musste als Kind viel arbeiten, hatte weder Taschengeld noch viel Spielzeug. Dennoch war ich zufrieden mit dem was ich hatte. Vorallem war die Selbstverständlichkeit im Gegensatz zu heute nicht selbstverständlich.
wize.life-Nutzer
Und was sagt die PISA Studie?
wize.life-Nutzer
Von der Pisastudie halte ich nicht sehr viel, denn sie beachtet zu wenig die unterschiedlichen Lehrsysteme der Länder.
wize.life-Nutzer
Ja Bayer seht laut PISA gut da.Die Länder wollen ja kein einhaltliches System
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wize.life-Nutzer
Kindesbegleitung beginnt für mich mit dem wachsenden Frauen- Bauch. Den verabscheuten Begriff Er-ZIEH- ung ad acta zu legen konnte nicht falsch sein. Neun Monate Abenteuer Freude, Musik, innere Kommunikation. Schließlich ist so eine Lebens- Leibesfrucht keine Mensch-Produktion! Auch wird eine Frau nicht automatisch auch Mutter, ein Mann nicht unbedingt Vater! Ein Mythos der lange schon überholt ist.
Drei Kinder nacheinander purzelten in die Welt, mit meinem Versprechen, dass ich sie für ihr Leben geboren habe, nicht als mein Eigentum. Kinder entfalten sich am besten "undressiert!" Sie entdecken die Welt, wie sie ihnen gemäß ist.
Mein Credo war/ist: Geduld, liebevolle Konsequenz, Kommunikation, Talente erkennen und durch Angebote fördern. Grenzen wahren, eigene Grenzen aufzeigen. Vor allem nicht bestrafen, weder körperlich, noch verbal. Motivieren, nicht demotivieren.
Die Erziehungshölle meiner Kindheit war der strengste Lehrer.
Fehlerfrei begleiten gibt es nicht. Es bleibt ein lebenslanger Lernprozeß zwischen Eltern und Kindern. Wie bereit/reif Eltern waren Vorbild zu sein und zu bleiben , beweist jede Gesellschaft zu ihrer Zeit!
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