Lauritz liest: „Unterwegs“ oder „Ein Leben auf der Straße“
Lauritz liest: „Unterwegs“ oder „Ein Leben auf der Straße“Foto-Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b1/Hitchhiker%27s_gesture.jpg
Lauritz liest: „Unterwegs“ oder „Ein Leben auf der Straße“

Die Siebensachen im Rucksack verstaut, auf der Straße unterwegs und den Daumen draußen: Tramper. Man sieht sie mittlerweile selten. Früher war die Reise per Anhalter gerade bei jungen Leuten verbreiteter. So wie bei Sal Paradise, dem Protagonisten aus Jack Kerouacs Roman „Unterwegs“. Trampen – das ist seine gängige Fortbewegungsart.

Im vergangenen Sommer wollte ich zusammen mit einer Freundin eine gemeinsame Bekannte in Paris besuchen. Eine Mitfahrgelegenheit hatten wir nicht. Und so entschlossen wir uns, aus einer fixen Idee heraus, den Weg per Anhalter anzutreten. Versuchen konnte man es ja. Und tatsächlich: nach circa 24 Stunden waren wir in der Stadt der Liebe angekommen.

Auch mein Vater hat Autostop-Erfahrungen gemacht. Seinerzeit trampte er nach dem Abitur in mehreren Wochen bis nach Marokko. Wenn ich mit ihm über unsere unterschiedlichen Erlebnisse rede, dann betont er immer wieder, wie anders die Zeit damals war. Und wie viel leichter es war, mit dem Auto mitgenommen zu werden.

Doch was ist eigentlich anders geworden? Und waren die Menschen damals wirklich schneller dazu bereit, wildfremden Trampern einen Platz in ihrem Auto zu überlassen?

Ein junger Schriftsteller bricht aus

Gehen wir noch ein paar Jahre zurück: ins Jahr 1957, in dem Jack Kerouac seinen bahnbrechenden Roman „Unterwegs“ veröffentlicht. Das Buch gilt als Spiegel seiner eigenen Biographie und als Manifest einer ganzen Generation. Und auch heute zieht es noch junge Leute wie mich in seinen Bann.

Der Originaltitel „On the road“ trifft den Kern der Erzählung im Grunde besser. Darum geht es in dem Roman nämlich: Um ein Leben auf der Straße, auf dem Asphalt. Um ein Leben Schlag auf Schlag von Ort zu Ort, von Exzess zu Exzess. Die beiden Hauptfiguren Sal Paradise und Dean Moriarty entspringen der sogenannten Beat Generation. Einer Jugend, die die Sinnlosigkeit eines Weltkriegs mitbekommen hat und deswegen keine Perspektive vor Augen hat.

Auch das Leben des Protagonisten Sal ist von einer großen Orientierungslosigkeit geprägt. Er hat gerade eine Scheidung hinter sich und in seinem Beruf als Schriftsteller kann er sich bislang nicht verwirklichen. Doch Sals Leben nimmt eine entscheidende Wendung, als er Dean kennenlernt.

Der junge Mann lässt Sal aus seinem bisherigen Leben ausbrechen, indem er ihn auf eine abenteuerliche Reise durch die Vereinigten Staaten mitnimmt. Das Ziel? Gibt es nicht, entsprechend der Einstellung der Beatniks. Rastlos, immer in Bewegung, die Hauptsache: nur nicht zu lange an einem Ort bleiben.

Mal gemeinsam, mal getrennt trampen die beiden von Augenblick zu Augenblick. Jazz, Frauen, Drogen, der „Kick“ bestimmen das Leben von Sal und Dean. Sie halten sich durch Gelegenheitsarbeit und Diebstahl über Wasser.

Zwischen Freiheit und häuslicher Sicherheit

Dabei hat die Schilderung der Erlebnisse keinen strengen Handlungsstrang, sie ist vielmehr episodenhaft – wie das Leben der Generation eben auch. Und obwohl das Buch keinen sich steigernden Plot hat, zeigt es wie kein zweites die Zerrissenheit einer ganzen Jugend: zwischen Drang nach Freiheit und häuslicher Sicherheit.

Was denken Sie? Hat sich die Zeit für Tramper tatsächlich so verändert? Welche Erfahrungen – als Tramper wie als Fahrer – haben Sie gemacht? Und würden Sie auch heute noch eine Mitfahrgelegenheit anbieten?

5 Kommentare

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wize.life-Nutzer
ich bin früher auch so oft getrampt und gottlob ist nie was passiert, es war abenteuerlich und lustig. Als ich mein 1. Auto hatte habe ich auch sehr oft Tramper mitgenommen. Meinen Kindern habe ich es schon nicht erlaubt per Anhalter unterwegs zu sein, ,sie kamen auch schon nicht auf die Idee. Diese Zeit war vorbei
Ab und zu fahre ich heute mit der Mitfahrzentrale und auch hier sehr gute Erfahrungen gemacht. Erst vor ein paar Tagen habe ich junge Leute gesehen, die per Anhalter von Berlin nach Hamburg wollten .Leider musste woanders hin, die hätte ich mitgenommen.
Das war 74 meine Strecke per Anhalter
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Thomas Bily
Danke! Kannt ich nicht, gehe heute direkt ins Buchgeschäft nach diesem Beitrag.
Ich bin früher eher kurze Strecken getrampt in meiner Heimat, wo einfach der ÖPNV "nicht besonders gut aufgestellt" war, und solange ich kein Auto hatte. Und auf meinen Interrailreisen habe ich "nicht-Zug" Strecken mit Trampen bestritten: in kleinere Dörfer in Frankreich etc.. Heute sieht man nur selten Tramper. Dazu eine Geschichte aus der Autoindustrie: In BMWs ist die automatische Verriegelung standardmäßig eingerichtet. Du setzt dich ins Auto und nach einiger Zeit gehen die Knöpfe nach unten. Auf die Frage bei BMW, ob man das ändern könne, sagte man mir: nein, Umfragen haben ergeben, dass die Käufer diesen Schutz wollen.
Dann kann man sich natürlich vorstellen, dass immer weniger bereit sind, aktiv zu halten, die Tür zu öffnen und jemand Wildfremden aufzunehmen. Trampen: verblaßter Mythos?
wize.life-Nutzer
Die Menschen werden immer ängstlicher und verschlossener gegenüber Fremden. Mag sein, dass es an den vielen Medienberichten über Kriminalität liegt.

Früher waren die Menschen einfach sorgloser. Ich kann mich an eine Zeit in den 70ern erinnern, wo auf dem Dorf tagsüber die Haustüren nicht verschlossen waren, wenn die Bewohner einkaufen gingen oder die Autos unverschlossen auf der Straße abgestellt wurden. In der Großstadt, wo ich aufgewachsen bin, war das immer schon anders.

Mir kommt es so vor als ob jeder seine eigene Trutzburg errichtet. Sich nach außen hin weltoffen und tolerant geben, aber im Privatbereich gegen alles Fremde mauern. Die automatische Türverriegelung ist ein gutes Beispiel dafür.
wize.life-Nutzer
mein Lieblingsexperiment ist das am Geldautomaten, wo man ja jetzt Plastik-Sichtschutz für die Eingabetastatur hat und aufgefodert wird, genau darauf zu achten, dass keiner zuschaut.
Wenn ich mit Anzug neben oder hinter jemandem stehe, der gerade den Automaten bedient, ist der "normal" vorsichtig.
Wenn ich mit Jeans und Lederjacke dastehe, wird doppelt gesichert und erstmal skeptisch über die Schulter geschaut. Klappt (fast) immer. Ich lach mich echt schlapp.
wize.life-Nutzer
Freut mich, wenn ich Dir Lust machen konnte auf das Buch! Lustigerweise hab ich ähnliche Erfahrungen hier in Eichstätt gemacht. Für kurze Strecken hab ich bisher zweimal spaßeshalber den Daumen rausgehalten - und innerhalb von einer Minute hat jemand angehalten. Nach Frankreich war das Ganze leider nicht so leicht... Fragt sich, woher das kommt...
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