Lauritz liest: „Der geteilte Himmel“ oder „Was bleibt von der DDR?“
Lauritz liest: „Der geteilte Himmel“ oder „Was bleibt von der DDR?“Foto-Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/20/Bundesarchiv_Bild_173-1282%2C_Berlin%2C_Brandenburger_Tor%2C_Wasserwerfer.jpg?uselang=de
Lauritz liest: „Der geteilte Himmel“ oder „Was bleibt von der DDR?“

Vor ziemlich genau anderthalb Jahren starb Christa Wolf. Und vor genau 50 Jahren veröffentlichte sie ihre DDR-Erzählung „Der geteilte Himmel“. Warum man das Buch auch heute noch lesen sollte? Weil es zeigt, dass nicht alle dem System abgeneigt waren. Und weil es Fragen aufwirft, denen heute noch immer oft aus dem Weg gegangen wird.

Als die Medien den Tod Christa Wolfs vermeldeten, musste ich schlucken. Denn mit Christa Wolf starb eine der ganz großen Schriftstellerinnen ihrer Zeit. Und eine, die wie keine zweite den Zeitgeist der Gesellschaft, in der sie lebte, zeichnen konnte: den der DDR nämlich.

Ein schönes Bild entstand dabei zwar nicht immer. Doch es war greifbar. Authentisch. Christa Wolf war SED-Mitglied, arbeitete sogar kurzzeitig mit der Stasi zusammen. Andererseits: Die gängigen Prinzipien des Systems, Überwachung und Ausbeutung waren nicht die ihren. Vielmehr suchte sie Zeit ihres Lebens nach einer Möglichkeit, den sozialistischen Gedanken so weiter zu spinnen, dass tatsächlich alle davon profitierten. Selbst nach der Wende ging sie fiebrig der Frage nach: Was waren die guten Seiten der DDR, die bestehen bleiben müssen? Und was muss sich ändern?

Außerdem ermöglichen ihre Romane jungen Lesern wie mir, die erst kurz nach dem Mauerfall geboren sind, auf eindrucksvolle Weise eine Vorstellung vom Alltag, von den Wirren und den Probleme der DDR-Bevölkerung.

Geteiltes Land – geteilter Himmel

So auch „Der geteilte Himmel“ von 1963. Der Titel lässt es schon erahnen: Die Erzählung gibt einen Einblick in das Leben in einem geteilten Land. Genauer gesagt, in das Leben in einem noch nicht vollständig geteilten Land. Denn die Handlung setzt unmittelbar vor dem Bau der Mauer ein.

Die Protagonisten, Rita und Manfred, sind so gewöhnlich wie du und ich. Gewöhnlich, weil sie zunächst den Weg eines ziemlich normalen jungen Paares beschreiten. Sie lernen sich bei einer Tanzveranstaltung kennen, verlieben sich ineinander, ziehen bald zusammen in die Stadt.

Dort studiert Rita Lehramt, Manfred arbeitet im technischen Bereich. Zwar unterscheiden sich ihre Berufe stark voneinander, aber ihre Überzeugungen und ihr Glaube an die Werte der DDR stimmen zunächst noch überein. Doch alles ändert sich, als Manfred in beruflicher Hinsicht starke Rückschläge einstecken muss. Hohe Wirtschaftsvertreter lehnen seine Erfindung, eine verbesserte Spinnmaschine, ab und sein Glaube an das System des ostdeutschen Staates bröckelt.

Also entschließt sich Manfred, in den Westen zu gehen – seine berufliche Karriere ist ihm wichtiger, als seine Beziehung zu Rita. Diese steht vorerst noch zu ihrem Freund und begleitet ihn in die BRD. Doch das Leben dort empfindet sie als befremdlich und so kehrt sie schnell wieder in die Heimat zurück, überzeugt, sich für sozialistische Reformen einzusetzen.

Als dann kurze Zeit später die Mauer gebaut wird, bedeutet dies die endgültige Trennung der beiden. Ernüchtert unternimmt die junge Frau einen Suizidversuch, der allerdings fehlschlägt. Während ihres Aufenthaltes im Krankenhaus beginnt sie, in Rückblenden die Erlebnisse der letzten Zeit zu schildern.

Was bleibt

Die Geschichte zeigt uns zwei unterschiedliche Geister: einen, der aufgrund herber Rückschläge die Ordnung der DDR verteufelt. Und eine, die auch Stärken im System erkennt und vielmehr bestrebt ist, die Schwächen aktiv zu bekämpfen.

Doch die Frage hat Bestand: Was bleibt denn nun, was darf nicht, und was soll von der DDR bleiben? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

2 Kommentare

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wize.life-Nutzer
"Die gängigen Prinzipien des Systems, Überwachung und Ausbeutung "
Aha,na dann,was ist heute anders?Gut die Überwachung ist viel defizieler geworden aber wir werden überwacht und(das ist dem Kapitalismus so inne)ausgebeutet.
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Thomas Bily
Vor kurzem habe ich das Buch "Eisenkinder" gelesen, weil mich auch das Leben in der DDR interessiert. Die erste Hälfte des Buchs gefiel mir gut. Danach verfiel es in eine gewisse Beliebigkeit. Aber ich würd´s wieder lesen
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