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Screen-Test für Lolita mit Dominique Swain
Screen-Test für Lolita mit Dominique SwainFoto-Quelle: Standbild: http://www.youtube.com/watch?v=QzM6K_0hjaY
Lauritz liest: „Lolita“ - Darf man dieses Buch empfehlen?

Vladimir Nabokovs Roman „Lolita“ ist ein Skandal-Buch. Und ein Kultbuch. 1958 in den USA veröffentlicht, avancierte es schnell zum Bestseller - und das, obwohl es in der Erzählung um die Liebesbeziehung eines erwachsenen Mannes zu einem zwölfjährigen Mädchen geht. Ich frage mich: Darf man das Buch heute überhaupt noch lesen? Oder muss man es sogar?

Pädophilie. Ältere, die sich zu deutlich Jüngeren, zu Minderjährigen, ja Kindern hingezogen fühlen. Das ist auch heute noch ein tabu-behaftetes Thema. Umso erstaunlicher, dass Vladimir Nabokov mit einer Geschichte, die genau so eine Beziehung zum Inhalt hat, der Durchbruch gelang. Zugegeben, der Roman war nach seiner Veröffentlichung 1955 heftig umstritten. Andererseits wurde er schnell zum Bestseller – und ist in vielen Listen als eines der besten Bücher des 20. Jahrhunderts geführt.

Als Vladimir Nabokov Anfang der 1950er Jahre das Manuskript von „Lolita“ fertiggestellt hatte, fand er in Amerika keinen Verleger für den Roman. Das hatte einen einfachen Grund: den meisten war das Buch zu anstößig. Zeigte es doch etwas Unerhörtes – die Beziehung eines erwachsenen Mannes zu seiner zwölfjährigen Stieftochter. Als sich in Frankreich, wo das Buch 1955 in einem Erotik-Verlag erschien, erste Erfolge abzeichneten, wurde „Lolita“ 1958 auch in den USA veröffentlicht – und rasch zum Bestseller, der auch mehrfach verfilmt wurde.

Die Liebe zu einem jungen Mädchen

Humbert Humbert ist der Erzähler des Romans. Mit dreißig wandert der Literaturwissenschaftler in die USA aus, wo er sich ein Zimmer bei einer einfachen Wirtin nimmt. Diese drängt ihn nach einiger Zeit zur Heirat, doch Humbert ist alles andere als begeistert. Nur weil er durch die Eheschließung mehr Zeit mit der Tochter der Wirtin, Dolores, verbringen kann, willigt er schließlich ein. Als die frisch Verheiratete schließlich ein Tagebuch findet, in dem Humbert leidenschaftliche Gefühle für ihrer Tochter niedergeschrieben hat, rennt sie, von Wut und Verzweiflung getrieben, auf die Straße und wird überfahren.

Humbert erzählt Dolores, die er nur Lolita nennt, vorerst nichts vom Tod ihrer Mutter. Stattdessen nimmt er sie mit auf eine Fahrt quer durch die Staaten. Humbert wird zunehmend abhängig von Lolita. Bald kommt es zu einer erotischen Beziehung der beiden. Und er fühlt sich so zu ihr hingezogen, dass er seine Stieftochter für die Aufrechterhaltung der Beziehung sogar bezahlt.

Doch alle Versuche, Lolita an sich zu binden, scheitern. Auf einmal ist sie weg. Erst Jahre später sieht Humbert sie wieder. Sie will Geld von ihm und schildert ihm, wie sie damals durchbrannte: Mit einem Theatertexter, der ihr den Weg ins Filmgeschäft versprochen hatte, ließ sie sich auf eine Affäre ein. Doch die Filme entpuppten sich als Pornostreifen, zu denen sie der Bühnenautor zwingen wollte.

Wutentbrannt entschließt sich Humbert, den Mann umzubringen, fährt zu dessen Grundstück und setzt sein Vorhaben in die Tat um. Kurz darauf wird er verhaftet.

Kultbuch oder Skandal-Buch?

Das Buch rüttelt auf, verstört - aber fasziniert auch. Und es ist - leider - aktueller denn je. Zahlreiche Missbrauchsskandale belegen: Pädophilie auch auch heute noch ein Thema. Und zwar ein ungemein schwieriges.

Einerseits gilt es, Rücksicht auf die Opfer etwaiger Übergriffen zu nehmen, die durch das Erlebte in der Regel nachhaltig traumatisiert sind und oft ein Leben lang leiden. Andererseits sollten aber auch die „Täter“ gehört werden. Sie müssen ebenfalls Hilfe erhalten, wenn es nötig ist - auch wenn das nicht an jedem Stammtisch so gesehen wird. Aus diesem Grunde finde ich auch weiterhin, dass Lolita ein Buch ist, dass gelesen und diskutiert werden sollte.

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2 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Och führen wir mal eben ne Zensur ein und wir sind wieder die Gutmenschen.
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wize.life-Nutzer
"Lolita" ist eines der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts, und ich bekenne freimütig, eines meiner Lieblingsbücher. Ich habe es dreimal verschlungen. "Lolita" ist nichts weiteres als ein tragischer Liebesroman, eine aussichtslose Liebe, und was kann aussichtsloser Sein als die Liebe eines über vierzig Jährigen zu einem jungen Mädchen. Das war der Motor, den Nabokov trieb. Es sollte möglichst aussichtslos sein. Das Buch galt damals bei seiner Erstveröffentlichung als Skandalbuch. Aus heutiger Sicht kann ich nur darüber schmunzeln. Es gibt keinerlei Sexszene im Roman und keinerlei Vokabular, das obzön ist. Ich bin ein wenig unglücklich mit der Überschrift dieses Beitrages, und ich weiß nicht, Lauritz Müller, ob du das Buch gelesen hast. Ich kann den Roman ohne Einschränkung weiterempfehlen, weil Vladimir Nabokov ein großartiger Erzähler ist, wenn nicht einer der größten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Also, wenn ihr mal ein gutes Buch lesen wollt...
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