Lauritz liest: „Jakob der Lügner“ - die Hoffnung stirbt zuletzt
Lauritz liest: „Jakob der Lügner“ - die Hoffnung stirbt zuletztFoto-Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c9/Judenstern_JMW.jpg
Lauritz liest: „Jakob der Lügner“ - die Hoffnung stirbt zuletzt

Freunden Hoffnung schenken, wo eigentlich keine Hoffnung mehr ist. Wieviel würden Sie dafür riskieren? Jakob Heym aus dem Roman „Jakob der Lügner“ setzt dafür Tag für Tag sein Leben aufs Spiel – und rettet damit das Leben anderer.

Als ich den Roman „Jakob der Lügner“ zum ersten Mal las, war ich in der 9. Klasse. Wir hatten in Geschichte zu dieser Zeit viel über das Dritte Reich gelernt, den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg. Ich war damals schon sehr geschichtsinteressiert und wie die meisten meiner Klasse ziemlich reizüberflutet von der Vielzahl der Informationen und der Eindringlichkeit der Bilder.

Einerseits war ich schockiert von so viel Grausamkeit und es war mir unverständlich, wie Menschen zu so übersteigertem Hass und Brutalität fähig sind. Andererseits wollte ich ständig noch mehr wissen über die Verhältnisse damals. Und da ich leider nicht die Möglichkeit hatte, mit meinen Großeltern darüber zu sprechen, bezog ich viele meiner Informationen aus Büchern.

In dieser Zeit las ich auch zum ersten mal den Roman „Jakob der Lügner“ von Jurek Becker aus dem Jahr 1969. Die Geschichte eines Mannes, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte zu lügen, fesselte mich von der ersten Seite an.

Von der Notlüge zur notorischen Lüge

Alles beginnt damit, dass Jakob Heym auf seinem Heimweg von Scheinwerfern erfasst wird. Er wohnt im Ghetto Lodz und ihm ist der Ausgang nach 20:00 verboten. Also muss er im Revier vorstellig werden und um eine gerechte Strafe bitten. Der diensthabende Wachmann schläft allerdings seelenruhig und so schnappt Jakob einige Worte des Nachrichtensprechers im Radio auf: Die rote Armee ist schon knapp 400 Kilometer vor Lodz und somit nicht mehr fern!

Als er nach Hause geschickt wird, beschließt Jakob zunächst noch, die Information für sich zu behalten. Doch schon bald ändert sich sein Vorhaben. Denn er beobachtet seinen Freund Mischa dabei, wie er Kartoffeln stehlen will. Um ihn von dem riskanten Unterfangen abzuhalten, erzählt er ihm kurzerhand, er habe heimlich einen Radio aufgetrieben und wisse, dass die Russen bald das Ghetto befreien würden.

Schnell spricht sich die Neuigkeit herum. Und aus der Notlüge wird schnell ein ganzes Geflecht aus Lügen, weil immer mehr Leute Jakob aufsuchen, um von ihm Informationen zu erhalten. Jakob merkt, dass er den Menschen damit Hoffnung gibt und das diese auf einmal wieder anfangen, Pläne zu schmieden – und deshalb beschließt er sich, weiter zu lügen. Um seine Geschichten authentischer wirken zu lassen, versucht er auch an reale Nachrichten heranzukommen, stiehlt Zeitungen und belauscht Gespräche von Nazis.

Doch einige Leute werden unvorsichtiger. Als ein guter Freund Jakobs erschossen wird, macht er sich schwere Vorwürfe und beschließt, das Lügen aufzugeben. Kurz darauf erhängt sich Kowalski, Jakobs bester Freund, der von den Bekenntnissen Jakobs vollkommen desillusioniert ist. Die Handlung endet schließlich, als die Nazis das Ghetto räumen und Jakob und seine Leidensgenossen deportiert werden.

Das Schicksal vieler

Der Schluss des Buches ist demoralisierend und traurig. Und doch spiegelt Jakobs Schicksal die Geschichte so vieler Menschen wider. Der Roman ruft mir diese Tatsache bei jedem Aufschlagen wieder in Erinnerung.

Haben Sie Erinnerungen oder Geschichten aus dieser Zeit – z. B. von den Eltern oder anderen Verwandten –, die Sie teilen möchten?

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