Frische Oldies (III): Mercedes G-Oldie - Forever young
Frische Oldies (III): Mercedes G-Oldie - Forever young
Frische Oldies (III): Mercedes G-Oldie - Forever young

„Als Fels in der Brandung", bezeichnet Mercedeschef Zetsche die G-Klasse. Seit 33 Jahren unverändert in seinem Äußeren, hält sich der Oldie mit elektronischen Updates und diversen Evolutionsstufen fit.

Wenn Sheikh Mohamed bin Rashid al Maktoum, Herrscher von Dubai und Vizepräsident der Vereinigten Emeriate, VAE, seinen Palast in Dubai verlässt und seine Hoheit mit Hofstaat und einem Tross von Freunden zur Falkenjagd in die Wüste aufbricht, dann freut sich der Deutsche Frank Bernthaler an seinem TV-Gerät über all die Bilder, die das lokale Fernsehen von dieser hochherrschaftlichen Lustbarkeit überträgt. Er sieht eine schier endlose Karawane schneeweißer Mercedes G-Klasse Modelle über die abgesperrte Einkaufs- und Luxusmeile am Meer Richtung Landesinnere rollen.

612 PS und tausend Newtonmeter Drehmoment

„Werden diese Szenen ausgestrahlt, weiß ich, dass am nächsten Tag wieder sehr viele Interessenten in unseren Mercedes-Showroom kommen und dieses Auto kaufen wollen", sagt der gebürtige Schwabe. „Genau dieses und sofort. Wie es im Fernsehen gezeigt wurde". Bernthaler ist verantwortlicher Mercedes Verkaufsdirektor für den Mittleren Osten und Levante, das „Morgenland", der Staaten am östlichen Mittelmeer. Wenn G-Klasse, dann muss es in diesen Breiten die AMG-Variante sein, 612 PS stark und mit dem bulligen Drehmoment von 1000 Newtonmeter. In den kleinen, aber ölreichen Emiraten sind andere Fakten, wie Preis, Höchstgeschwindigkeit oder Benzinverbrauch, Nebensache. 240 km/h Spitze und der Durst von 17,9 Litern ist eher ein theoretischer Normwert. Im Alltag genehmigt sich der leer 2,5 Tonnen wiegende Geländebolide 20 und mehr Liter.

Märchen aus tausendundeiner Nacht

Es klingt wie ein orientalisches Märchen, dass das älteste, bei Daimler aktuell gebaute Fahrzeug, die Mercedes G-Klasse, in dieser Region ein solcher Magnet ist. In Dubai oder Abu Dhabi, zwischen Persischem Golf und Rotem Meer, steht der Methusalem unter den Geländewagen ganz oben in der Gunst der Käufer. Natürlich nicht in der kargen Ausstattung und Camouflage-Lackierung, wie der überaus robuste Wagen für den militärischen und harten Offroadeinsatz vor 32 Jahren konzipiert wurde. 1979 aus einer Zusammenarbeit mit dem österreichischen Allradspezialisten Steyr-Puch entstanden, hatte der Wagen schon früh das Interesse der Militärs und Potentaten geweckt.

Der Schah von Persien als Großbesteller

Der damalige Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi, hatte sich bereits 1975 zwanzigtausend zukünftige Exemplare gesichert. Da sollte die G-Klasse aber noch ein reines Zweckfahrzeug werden. Passend zur mickrigen Innenausstattung war die Motorisierung. 72 und 88 PS leisteten die Diesel- und bis 150 PS die Benzinmotoren. Als aber die Happy-few sich in diesem robusten Offroader zeigten und er den Boulevard, mutierte er zum Luxus-Geländewagen. Daimler reagierte darauf und stattete ihn mit allen Finessen aus, die das Innendesign an feinstem Leder und edlen Hölzern bot. Auch die Motoren passten sich im Laufe der Jahre an, wurden stärker und ihr Abgas sauber. Aber die Karosserie und Technik des Fahrzeugs blieb unverändert. Der legendäre wie kantige Klassiker erfreut sich größter Beliebtheit und jüngst wurde die Off-Road-Legende wieder zum besten Luxus-Geländewagen gewählt.

Fit für die nächsten 33 Jahre

Gerade hat Mercedes seinen überaus rüstigen Oldie eine umfangreiche Überholung spendiert und den Wagen auf den neuesten elektronischen Stand gebracht. Solch ein Checkup muss sein, ansonsten sind die frischen Oldtimer unverkäuflich. Gleichzeitig will Mercedes aber auch dokumentieren, dass an der uralt G-Klasse weiterhin festgehalten wird, obwohl ja mit der M- und GL-Klasse durchaus Ablöse bereitstünde. „Aber unsere G-Klasse ist seit 33 Jahren der Fels in der Brandung" sagt Mercedeschef DieterZetsche. „In der jüngsten Evolutionsstufe bietet sie neben legendären Offroad-Eigenschaften moderne, kraftvolle Motoren, eine noch hochwertigere Luxusausstattung sowie aktuelle Sicherheitsfeatures. Gleichzeitig bleibt ihr Design dem kernigen, unverwechselbaren Stil treu."

Dezente Modifikationen außen, komplett neuer Look innen

Die sparsamen Modifikationen im Exterieur beinhalten lediglich LED-Tagfahrlicht und neue Rückspiegel für alle Motorisierungsvarianten. Komplett neu gestaltet sind hingegen das Armaturenbrett sowie die Mittelkonsole mit neu designten Bedienelementen und großzügigen, exklusiven Zierteilen. Im Instrumentenfeld zwischen den zwei Rundinstrumenten findet der G-Klasse Fahrer nun ein Farb-Display. Ein weiterer großer Farbbildschirm, blickgünstig in der Mitte angeordnet, gehört zum COMAND Online System mit DVD-Wechsler und COMAND-Controller, mit dem alle Modelle der G-Klasse serienmäßig ausgerüstet sind. Diese neue Infotainment-Generation bietet unter anderem Internetzugang, Navigation mit speziellen zusätzlichen Offroad-Funktionen, die Sprachsteuerung LINGUATRONIC sowie drahtlose Bluetooth®-Verbindung.

Umfangreiche Assistenzsysteme

Um den Charakter der G-Klasse zu erhalten, wurden auch im Interieur stilprägende Elemente beibehalten. So verfügt die G-Klasse weiterhin über den Haltegriff auf der Beifahrerseite, die im Sichtfeld positionierten und in lackiertem Silber Schalter für die drei Differenzialsperren sowie den neu gestalteten Wählhebel in der unteren Mittelkonsole. Auf Wunsch neu mit an Bord sind die Sicherheits-Features DISTRONIC PLUS, Totwinkel-Assistent sowie die Einparkhilfe PARKTRONIC mit Rückfahrkamera. Das vollständig überarbeitete ESP® verfügt jetzt über eine Anhänger-stabilisierung und eine HOLD-Funktion. Hinzu kommen neue beziehungsweise überarbeitete Motoren.

 Preise wie aus dem Morgenland

Keine Grund also, den G-Oldie zum alten Eisen zu zählen. Im Gegenteil, das teure Stück langt beim Preis heftig zu. Der Einstige in die G-Klasse beginnt bei gut 85 311 Euro und für den G AMG 65 werden 264 180 Euro verlangt. Das bedeutet aber nicht den Verzicht auf eine umfangreiche, aufpreispflichtige Zubehörliste.

Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.