Verwirrter Kaktus: Ja, ist denn heut scho' Weihnachten?
Verwirrter Kaktus: Ja, ist denn heut scho' Weihnachten?
Verwirrter Kaktus: Ja, ist denn heut scho' Weihnachten?

Dieter schimpfte beim letzten Stammtisch-Treffen ganz gehörig auf sein bevorzugtes Gartencenter. „Im Herbst vor zwei Jahren kaufte ich rechtzeitig einen Weihnachtskaktus, den ich zum Fest blühend verschenken wollte. Alles Betrug: Die Pflanze dachte gar nicht daran zu blühen, trotz bester Pflege; erst letzte Woche gingen die Knospen auf!" „Bist Du denn sicher, einen Weihnachtskaktus gekauft zu haben?", fragte ich ihn. „Was stand denn auf dem Etikett?" „Der Preis klebte auf dem Topf, ein Etikett mit Namen gab es nicht. Aber ich erkenne doch einen Weihnachtskaktus - die Pflanze mit den breiten und flachen Trieben!", antwortete mein Freund und blies die Backen auf. „Du hast recht", beruhigte ich ihn, „aber nur zu Hälfte".

Dann erklärte ich, dass der Weihnachtskaktus einen optischen Zwilling hat. „Der an Weihnachten blühende Gliederkaktus heißt ´Schlumbergera´, der Zwilling trägt den Gattungsnamen ´Rhipsalidopsis´ (seit neuestem auch ´Hatiora´) und blüht hauptsächlich um die Osterzeit, weshalb er auch unter der populären Bezeichnung Osterkaktus im Handel ist."

„Wer kennt schon diese komischen Namen und was nützen sie, wenn nichts auf dem Topf steht!", warf mein Freund ein. Da konnte ich nur zustimmten. „Allerdings lassen sich die beiden Arten doch ganz gut unterschieden, wenn man weiss, wo man hinsehen muss. Die breiten Blättchen bei der Ausführung „Weihnachten" sind auffallend gezähnt, während der österliche Bruder deutlich glattere Blattränder aufweist. Auch bei den Blüten erkennt man Unterschiede. Rhipsalidopsis bringt symmetrische Blüten hervor, etwa wie die Margerite, Schlumbergera blüht länglich röhrenförmig mit einer nach unten abfallenden Blütenöffnung, grob vergleichbar einem Löwenmäulchen." „Also habe ich wahrscheinlich einen Osterkaktus gekauft", fasste mein Freund zusammen. „So wirds sein", fügte ich hinzu. Damit war das Thema durch und die Stammtisch-Runde durfte wieder über Fussball granteln.

Die Pflege im Jahreslauf

Beide Gliederkakteen sind genügsame Hausgenossen aus dem Pflanzenreich; es gehört nur wenig Aufmerksamkeit dazu, sie zu gutem Gedeihen und zum Blühen zu bringen. Die Hauptregel lautet: Topferde nur feucht, nicht nass halten, weil die Wurzeln sonst häufig zu faulen beginnen.

Den Osterkaktus gießen Sie nach der Blüte immer dann, wenn die Erde oberflächlich ausgetrocknet scheint. Monatlich einmal Kakteendünger zugeben. Sobald neue Glieder ausgewachsen sind, stellen Sie die Pflanze im Winter zwei bis drei Monate hell, aber sehr kühl, am besten um 10 Grad C auf und düngen nicht mehr. Nur noch so wenig Wasser geben, dass die Erde nicht ganz austrocknet. Wenn die Knospen Erbsengröße erreicht haben, stellen Sie den Topf über mehrere Temperaturstufen wärmer auf, bis er an die übliche Zimmerwärme von 20 Grad C gewöhnt ist und an seinem endgültigen Standort (hell, nicht in voller Sonne) die schönen Blüten ausbilden kann. Möglichst nicht mehr bewegen, sonst fallen die Blüten ab.

Ist der Weihnachtskaktus im Januar oder Februar verblüht, wird die Pflanze nur dann gegossen, wenn sich die oberste Erdschicht im Topf trocken anfühlt. Nicht an Fenster mit voller Sonnenstrahlung stellen, am besten sind helle Plätze in Richtung Osten oder Westen. Während der frostfreien Zeit kann der Topf auch im Freien stehen, dort eignet sich ein Standort unter einem Baum oder in einer schattigen Balkon-Ecke am besten. Normal gießen und auch mindestens einmal monatlich düngen. Ab September muss man den Weihnachtskaktus unter Stress setzen, damit er das Wachsen einstellt und stattdessen Blüten bildet: Nicht mehr düngen, ganz wenig gießen. Sobald sich Blütenknospen zeigen, wieder normal versorgen und die Pflanze an den endgültigen Platz im Haus stellen. Möglichst nicht mehr bewegen, weil sich die Blüten in Richtung Licht drehen und bei Veränderungen den Halt verlieren.

Beide Blattkakteen sind übrigens unkompliziert zu vermehren. Ich habe abgefallene und anscheinend völlig vertrocknete Blattglieder einfach in eine Schale mit wenig Wasser gelegt und eine Frischhaltefolie darüber gespannt. An den Bruchstellen schlug bald ein Wurzelgeflecht aus. Als es etwa ein bis zwei Zentimeter groß war, habe ich die einzelnen Jungpflanzen in lockere Blumenerde gesetzt, wo sie alle zu großen Exemplaren heranwuchsen. So kam ich ohne viel Aufwand zu einem größeren Vorrat an Mitbringseln für Einladungen.

Fotos: Ein Weihnachtskaktus in voller Blüte. // © peterbarabas -- CC-Licence BY 2.0 - flickr.com
An den Blüten lassen sich Schlumbergera (2) und Rhipsalidopsis (3) gut voneinander unterscheiden.
Vermehrung: Einfach in feuchte Schale legen. // © Spiegel

 

4 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Ich habe beide gemeinsam in einem Topf. Ich weis zwar nicht ob es da unterschiedliche Blütenfarben bei einer Art gibt. Der eine Blüht im Winter hat dunkelrote große längliche Blüten. Der andere beginnt Rosa zu blühen wenn der 1, im Frühjahr keine Blüten mehr schiebt. Der blüht bis in den Sommer. Dann ist 4 Monate Ruhe und das Blütenspiel beginnt von vorne.
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wize.life-Nutzer
Auch ich habe einige Weihnachts und Osterkakten,die bluehen bei mir zwei bis drei mal im Jahr.Aber nur zu unterscielichen zeiten.Mein Weinachtskaktus stand schon im November in voller Bluete, und jetzt ist er ausgblueht.
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