Franz Beckenbauers Karriere hätte fast geendet, bevor sie begann - wegen ein ...
Franz Beckenbauers Karriere hätte fast geendet, bevor sie begann - wegen einer jungen Frau
Franz Beckenbauers Karriere hätte fast geendet, bevor sie begann - wegen einer jungen Frau

Sepp Maier schrieb in seiner Biografie "Ich bin doch kein Tor" auch über die Anfänge eines "Genies namens Franz":

Franz Beckenbauer gab seinen Einstand gegen den FC St. Pauli aus Hamburg. Wir siegten mit 4:0 und führten schon nach der ersten Halbzeit der Aufstiegsrunde die Tabelle mit 5:1 Punkten an. Das Spiel in Hamburg habe ich nur erwähnt, weil damals ein gewisser Franz Beckenbauer – noch nicht ganz achtzehn Jahre alt und daher nur mit Sondergenehmigung des DFB spielberechtigt – zum erstenmal das Trikot des FC Bayern trug.

Der Jugendleiter hatte unserem Trainer den Franz so sehr empfohlen, dass der Tschik, ohne lange zu zögern, das junge Talent in die Mannschaft nahm und auf Linksaußen stellte. Franz rechtfertigte die Berufung denn auch mit seinem Tor zum 4:0 in der 84. Spielminute.

Ich kannte den Franz schon lange. Wir hatten beide in der Bayernjugend gespielt. Das erste Mal sind wir uns auf einer Hütte in der Nähe von Oberstdorf begegnet. Wir waren mit der Jugend bayerischer Vizemeister geworden und erhielten als Anerkennung für diese Leistung den Aufenthalt vom Verein bezahlt. Vierzehn Jahre war der Franz damals, ich immerhin schon stolze fünfzehn. Fußballspieler, wäre der Franz doch um ein Haar in einem ganz anderen Beruf gelandet. Denn mit sechzehn hatte er seine erste Freundin, und darauf reagierte der damalige Jugendtrainer, der Rudi Weiß, bekanntlich allergisch.

Zur Strafe verbannte er den Franz ins zweite Glied der Bayernjugend. Der Jungstar verlor daraufhin alle Lust am Fußball und wollte sich schon anderweitig umsehen. Da wollte es das Glück, dass seine Ingrid sich bei einem fanatischen und hochbegabten Fußballschüler wohl zu weit im Abseits fühlte. Sie begann sich umzuorientieren, und der neue Franz versuchte, seinen Liebeskummer durch ungeheure Trainingsleistung zu vergessen. Daran hatte der Rudi Weiß nun wiederum seine helle Freude.

Schon in seiner allerfrühesten Jugend beim Verein war der Franz in unseren Augen ein Genie. Wo andere sich quälen mussten, ging er ganz leicht an die Sache heran. Nie sah ich ihn überanstrengt oder gar an der Grenze des Stehvermögens. Auch bei der schwierigsten Trainingsarbeit wirkte er elegant und souverän, obwohl der sich genausoviel Mühe gab wie wir. Anders hätte er es auch nie zu einer so vollendeten Form gebracht – von nichts kommt nun mal nichts. Selbst in seinem Fall war das Talent nicht ausreichend. Nur durch enormen Fleiß ist er der geworden, den die Welt kennt. Und für mich wird er immer der Größte bleiben.

Wer ihn nur privat als ruhigen, netten Kerl erlebt hat, der kann sich nie immer vorstellen, wie wild und temperamentvoll er gegenüber seinen Mitspielern auf dem Feld auftrumpfen konnte. In seiner späteren Position als Libero und Kapitän hielt er kraft seiner Persönlichkeit die Abwehr mit eiserner Hand und äußerst unhöflichen Ausdrücken zusammen. „Abwehr auf Angriff, los!“ Niemand hätte es je gewagt, sich seiner Order zu wiedersetzen. Das hat seine Vorteile, lähmt aber auch die Entwicklung der anderen Spielerpersönlichkeiten. Die meisten von uns haben vor ihm gekuscht. Ich meine das durchaus positiv, beruhte diese Reaktion doch auf der neidlosen Anerkennung seiner sportlichen Leistung.

Allerdings litten empfindliche Spieler sehr unter seinen Temperamentsausbrüchen. Unser Däne, beispielsweise, der Johnny Hansen, auch ein ausgezeichneter Spieler, duckte sich förmlich unter den scharfen Worten des Kapitäns, fletschte dabei vor Wut die Zähne und fluchte ebenso lautstark zurück: „Scheiße, Scheiße, Scheiße…“

Damals, nach unserem Sieg am Millerntor beim FC St. Pauli, war er überglücklich, dass ihm sein Einstand bei den Großen so gut gelungen war. Er hielt sich auch bei unseren Glückwünschen sehr bescheiden zurück. Zu dieser Zeit war der Erhardt Ertl noch Chef der Mannschaft. Sein Wort kam gleich nach dem des Trainers, war für uns somit eine Art Ersatzevangelium. Der Ertl war ein hochverdienter Altinternationaler, den wir alle mit Sie anzureden hatten. Schlie0lich waren wir im Schnitt ungefähr zehn Jahre jünger als er. Den Altersunterschied demonstrierte seine Glatze, die uns wie von selbst auf Distanz zwang.

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