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Lauritz liest: „Die Godin“  - wie ich die dunklen Seiten meiner Heimat entde ...
Lauritz liest: „Die Godin“ - wie ich die dunklen Seiten meiner Heimat entdeckteFoto-Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/12/Perlach_postkarte.jpg
Lauritz liest: „Die Godin“ - wie ich die dunklen Seiten meiner Heimat entdeckte

Lokalkrimis boomen. Egal ob Hunsrück, Schwarzwald oder Allgäu – mittlerweile haben die meisten Regionen ihren eigenen Kommissar. Einer von ihnen ist Inspektor Kajetan, der im München der 1920er Jahre ermittelt. Absolut lesenswert, finde ich. Doch was ist eigentlich der Reiz von Krimis mit Regionalkolorit?

Lokalkrimis, wohin man schaut: Im Allgäu ermittelt Kommissar Kluftinger, im Saarland Heiner Spürmann und im Schwarzwald trifft man auf Hubertus Hummel. Ihnen allen ist gemein, dass sie uns in eine Welt entführen, die uns eigentlich vertraut ist: die eigene Heimat. Doch die bekannte Umwelt wird in diesen Geschichten umgedeutet, wir lernen sie neu kennen – und zwar, indem sie Schauplatz eines fiktiven Verbrechens wird, das uns ermöglicht, eigene Gedankenspiele weiter zu spinnen: Was, wenn in meiner Umgebung Ähnliches passiert, von dem ich bloß nichts mitbekomme?

Eine imaginäre Zeitreise

Eine noch ungewöhnlichere Gedankenlandschaft entwirft Robert Hültner in seinem Roman „Die Godin“. Das Buch wurde als Krimi prämiert. Doch es ist viel mehr als ein einfacher Kriminalroman. „Die Godin“ ist eine Kombination aus Zeitgeschichte und Spannung; eine Kombination, die geglückt ist. Das Buch nimmt uns mit auf eine Zeitreise in das München der frühen 1920er Jahre, genauer: in den Spätsommer 1924, knapp ein Jahr nach Hitlers missglücktem Putschversuch.

Der besondere Charme dieser Zeitreise: Die Schauplätze sind – selbst jungen Lesern wie mir – wohlbekannt. Und doch wirken sie anders. Fremd. Haidhausen, das heutige Inviertel, war damals aufgrund der ärmlichen Bewohner noch als „Glasscherbenviertel“ in Verruf. Und auch die Altstadt um den Viktualienmarkt und das Sendlinger Tor wirken ganz anders als heute.

Wo man heutzutage hauptsächlich Touristen begegnet, trifft Paul Kajetan auf Besitzer schummriger Spelunken, Prostituierte, Zuhälter und bärbeißige Schläger.

Mehr durch Zufall als durch Vorsatz gerät er in den Machtkampf zweier zwielichtiger Rotlichtmagnaten. Einer der beiden, der Varieté-Besitzer Fritz Urban, beschafft Kajetan, der wegen Ungehorsam aus dem Polizeidienst ausgeschieden ist, einen heiklen Job im illegalen Waffenhandel. Aufgrund akuter Geldnot willigt der entlassene Inspektor ein und bekommt so zum ersten Mal eine Vorstellung davon, was sich hinter der Fassade gediegener Lokale und ansehnlicher Wohnhäuser tatsächlich verbirgt.

Als dann die illegalen Geschäfte das Leben einer Prostituierten fordern, beginnt Kajetan auf eigene Faust zu ermitteln. Die Fäden seiner Nachforschungen laufen in einem kleinen Dorf im Münchner Umland zusammen und der Inspektor stößt auf eine Wahrheit voller Verstrickungen. Eine Wahrheit, in die die meisten Figuren des Münchner Untergrunds verwickelt sind …

Die Faszination der Heimat

„Die Godin“ zeigt ein historisches München. Der Autor entwirft eine Geschichte um Korruption, Waffenhandel und Prostitution, die man heute mehr mit der Mafia als mit dem „eigenen“ München, der eigenen Heimat in Verbindung bringen würde. Vielleicht ist das die eigentliche Brisanz von Lokalkrimis. Sie malen unbekannte Bilder von dem, was wir zu kennen glauben.

Oder ist da noch mehr?

Welcher Lokal-Ermittler ist Ihr Favorit?

Siggi Baumeister aus der Eifel.
27.8 %
Kommissar Kluftinger aus dem Allgäu.
11.1 %
Louise Boni aus dem Breisgau.
0 %
Heiner Spürmann aus dem Saarland.
0 %
Ann Kathrin Klaasen aus Ostfriesland.
5.6 %
Keiner von all denen, sondern.... (siehe Kommentare).
16.7 %
Pauschal kann ich das nicht sagen.
33.3 %
Ich lese keine Krimis.
5.6 %
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10 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Siggi ist der Favorit, weil die "Schreibe" mit treffenden Seitenhieben auf so einige eigenartige Zeitumstände einfach stimmt und gut rüberkommt. Das soll aber nicht heißen, dass die anderen "schlechter" sind! Bei Kluftinger zB trifft die Darstellung des Allgäu so zu, wie ich es aus den Urlauben in dieser Region in Erinnerung habe. Das ostfriesische Lokalkolorit ist ebenfalls gut getroffen: Also lese mann/frau gemischt, dann ist es eine Deutschlandreise der besonderen Art...
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wize.life-Nutzer
Der Inspektor Kajetan ist schon mein Favorit, aber "Süden" von Friedrich Ani kann ich auch sehr empfehlen.
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wize.life-Nutzer
Hallo Lauritz, eigentlich bin ich nicht d e r Krimileser, aber als ich den 1. Eifelkrima las, war ich infiziert! Inzwischen habe ich alle Geschichten von Siggi Baumeister gelesen und auch die Gegend besucht, wo seine Geschichten spielen. Es ist das Drum und Dran an seinen Geschichten, was mich so begeistert. Man lernt, wie die Menschen in der Eifel ticken. Der Mord ist eigentlich "Nebensache"...Siggi Baumeister ist so herrlich menschlich. Bevor ich an den Rhein zog, hatte ich keine Ahnung von der Eifel. Jetzt bin ich, auch Dank der Eifelkrimis, ein wenig klüger
So hat sicher jede Gegend ihren Charme und ihre Krimis
Danke für diese Info.
Mit nicht kriminellem Gruß
Franziska
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wize.life-Nutzer
Hallo Lauritz,
diese Leseprobe hat mich neugierig gemacht und da ich ein Fan von Krimis im Umland bin, habe ich es mir gerade bei www.booklooker.de gestellt. Jetzt kann ich es kaum erwarten, dass es kommt und ich mich rein lesen kann in das alte München. Ich kenne es aus den Anfänger der 70er.
Schönes Wochenende und danke für diese Info. Liebe Grüße Roswitha
wize.life-Nutzer
Hallo Roswitha,

schön, dass Sie der Artikel neugierig gemacht hat. Hoffentlich sagt Ihnen der Krimi genauso zu wie mir. Übrigens: Inspektor Kajetan ermittelt noch in zwei weiteren Fällen. Das heißt, es gibt noch weiteren historischen Lesestoff, falls Ihnen das Szenario gefällt.

Viele Grüße
Lauritz
wize.life-Nutzer
Hallo Lauritz,

danke für die Info - jetzt bin ich noch neugieriger geworden,
falls das steigerungsfähig ist

Liebe Grüße Roswitha
wize.life-Nutzer
hat Wort gehalten und spannend ohne Ende - gschbassig fand ich die Übersetzungshilfen am Ende des Buches
und ein neues ist bestellt
wize.life-Nutzer
Das freut mich! Und schön, dass es gleich weiter geht. Ja, die sind mir auch aufgefallen. Einige davon kannte ich gar nicht.
wize.life-Nutzer
Hallo Lauritz,
das Fest der Gaukler und Kajetans 2. Fall werden meine Neuen. Ich lese viel und wenn es dann noch Bayrische Mundart sein darf, vom Feinsten, dann paßt es 100pro. Auch ich kannte nicht alle Ausdrücke und Umschreibungen. Eine Geschichte, wie aus dem richtigen Leben, könnte ich mir vorstellen. Denn dass es diese Geschichte geben könnte, damals, das glaub ich unbesehen.
Schönen Tag und danke nochmals für den Tipp.
Meld mich, wenn ich´s gelesen hab
wize.life-Nutzer
Der Sommer der Gaukler - heißt es richtig - hab grad nachgesehen, sorry!! Liebe Grüße, Roswitha
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