Stets zu Diensten: Butler James (Freddie Frinton) betrinkt sich Miss Sophie  ...
Stets zu Diensten: Butler James (Freddie Frinton) betrinkt sich Miss Sophie (May Warden) zuliebeFoto-Quelle: NDR/Annemarie Aldag
"Dinner for One": 10 verblüffende Fakten über den Silvester-Klassiker

"Dinner for One" gehört zu Silvester wie Champagner, die Neujahrsansprache der Kanzlerin, das Feuerwerk. Millionen schalten ein, wenn Butler James sich Miss Sophie zuliebe betrinkt. Eine olle Kammelle ist der beschwipste Sketch, der seit fast 50 Jahren am letzten Tag des Jahres im Fernsehen läuft, noch lange nicht.

Und auch, wenn "Dinner for One" inzwischen allein in Deutschland Hunderte Male ausgestrahlt worden ist und Menschen zwischen Schweden und Südafrika zum Lachen bringt, gibt es einige überraschende Fakten über den TV-Klassiker, die nicht jeder Fernsehzuschauer kennt.

Diese Fun Facts bieten den perfekten Gesprächsstoff für jede Silvesterparty:

1. "Dinner for One" als Lückenbüßer

Der Silvester-Klassiker lief nicht immer am letzten Tag des Jahres im deutschen Fernsehen. Am Anfang, nach der TV-Premiere am 8. Juni 1963, wurde der Sketch nur dann ins Programm gehoben, wenn - salopp gesagt - grad sonst nichts Anderes da war. Um "Programmlücken" zu schließen.

Seit 1972 wird "Dinner for One" nur noch an Silvester ausgestrahlt. Dafür läuft die dereinst vom NDR produzierte Sendung an dem Tag dann aber auch rauf und runter, in den dritten Programmen der ARD, im Kinderkanal und auf EinsFestival. Sämtliche Sendetermine für Silvester 2019 finden Sie hier.

Übrigens: Natürlich müssen Fans nicht bis zur Ausstrahlung warten - den Sketch gibt es längst auch als stets verfügbaren Stream in der NDR-Mediathek.

2. Dinner-Stars spielten "fürn Appel und 'n Ei"

"Dinner for One" spielt an einem Abend auf einem englischen Landsitz. Natürlich nur im Film. Der Sketch wurde im Frühjahr 1963 in Hamburg-Lokstedt aufgezeichnet, in einem Studio des NDR.

Alles andere als fürstlich entlohnt wurden auch die beiden Schauspieler, Freddie Frinton als Butler James und May Warden als Miss Sophie für ihren Auftritt in diesem langjährigen Quoten-Hit des Senders: Sie wurden "fürn Appel und 'n Ei“ engagiert, so bezeichnet selbst der NDR heute die vergleichsweise karge Entlohnung. Die beiden Briten erhielten genau 4.150 DM. Davon gingen noch exakt 622,50 DM ans Finanzamt.

Tantiemen für Wiederholungen wurden nicht vereinbart, das war damals nicht üblich. Die Erben der beiden Schauspieler wären reich geworden: "Dinner for One" ist die am häufigsten wiederholte TV-Produktion aller Zeiten.

3. Der erste Gang klingt wie ein Witz - ist aber keiner

Aus Anlass von Miss Sophies 90. wird den vier abwesenden, weil längst verstorbenen Gästen ein viergängiges Menü serviert. Die Menüfolge können Fans längst runterbeten: Los geht es mit Mulligatawny-Suppe, dazu muss Butler James Sherry trinken. Es folgen: Schellfisch, dazu Weißwein. 3. Gang: Huhn und Champagner. 4. Gang: Obstsalat mit Portwein.

Der erste Gang, Mulligatawny-Suppe, klingt für deutsche Ohren wie eine gut ausgedachte Wort-Schöpfung der Fernsehmacher. Doch die scharfe indische Curry-Suppe war seit etwa 1850 in England enorm populär, ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit.

Wer die Suppe nachkochen möchte, findet hier ein Rezept.

4. Peter Frankenfeld half beim Erfolg

Dass "Dinner for One" ein Erfolg wurde, ist auch einem großen deutschen Entertainer zu verdanken: Peter Frankenfeld. Der war 1962 in das englische Seebad Blackpool gereist, das für seine Varietés berühmt war. Peter Frankenfeld war auf der Suche nach neuen Ideen für Fernsehshows, wollte sich inspirieren lassen.

Und ging in eine Vorstellung von Freddie Frintons „Dinner for one“ . Er war so begeistert, dass er Frinton und Warten in seine TV-Sendung „Guten Abend, Peter Frankenfeld“ einlud - am 8. März 1963 spielten sie hier "Dinner for One" live.

Genau genommen war dies jedoch nicht das allererste Mal, dass Miss Sophies 90. zum ersten Mal im deutschen Fernsehen lief. Bereits im Dezember 1961 war der Sketch in der Livesendung „Lassen Sie sich unterhalten“ mit Evelyn Künneke zu sehen.

5. Von "Dinner for One" gibt's verschiedene Versionen

Fans schwören natürlich am Silvesterabend auf das Original. Doch von dem Fernsehklassiker gibt es längst auch unterschiedliche Versionen. Etwa auf Plattdeutsch:

oder Kölsch:

Wer mag, kann sich anschauen, wie der Sketch mit Legofiguren nachgespielt wird. Und Discounter Aldi nutzte den Klassiker gerade für einen Dinner-inspirierten Werbespot:

Und vor ein paar Jahren brachte Netflix eine modernisierte und etwas verfremdete Fassung auf den Markt.

Apropos Modernisierung. Der Sketch flimmert auch im Jahr 2019 noch immer in Schwarzweiß über die Bildschirme. Eigentlich wollte der NDR Ende der 60er-Jahre eine Farbfassung drehen. Doch dann starb Freddie Frinton überraschend im Jahr 1968, die Pläne platzten. Stattdessen erstellte der Sender zur Jahrtausendwende eine nachträglich kolorierte Fassung. Doch die kam längst nicht so gut an beim Publikum wie das Original.

Wen's interessiert: Der NDR stellt die Farbfassung in seiner Mediathek zur Verfügung.

6. Der Tiger sollte eigentlich ein Eisbär sein

Das Tigerfell spielt eine wichtige Rolle in "Dinner for One". Der zunehmend beschwipste James stolpert immer wieder darüber - exakt elf Mal bleibt er am Tigerkopf hängen. Eigentlich hatte der NDR für den Sketch ein Eisbärenfell als Requisite vorgesehen. Doch darauf wollte sich Schauspieler Freddie Frinton nicht einlassen: Er hatte die Stolperei so penibel einstudiert, dass die Höhe des Kopfes dabei eine wichtige Rolle spielte. Mit einem Eisbären hätte er mit seinem Rollen-Studium nochmal von vorn anfangen müssen.

7. Im Tiger steckt noch ein anderes Raubtier

Bei James' Stolperei wurde das Tigerfell ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Um die aufgeplatzte Stelle hinten am Kopf des Tigers zu flicken, wurde ein Stück Leopardenfell benutzt - womöglich war in Hamburg-Lokstedt grad kein Tiger zur Hand.

8. Geburtstagsparty mit erheblichem Sachschaden

Vor ein paar Jahren hat die Allianz zum Spaß ausgerechnet, wie hoch eigentlich der Schaden ist, den Butler James durch seine angetrunkene Stolperei verursacht - und kam auf 2120 Euro. Größter Posten in der fiktiven Schadensakte des Versicherungskonzerns: die Reparatur des Tigerfells in Höhe von 2000 Euro. Plus die Kosten für den ramponierten Teppich und die mit Wein- und Speiseflecken besudelte Tischdecke.

Butler James stolpert zunehmend beschwipst über die Bühne - und mehrmals übe ...
Butler James stolpert zunehmend beschwipst über die Bühne - und mehrmals über das TigerfellFoto-Quelle: NDR/Annemarie Aldag

Ist das viel, ist das wenig? Kommt drauf an: Wer nach seiner privaten Geburtstagsparty auf über 2000 Euro Schaden sitzen bleibt, wird sich ziemlich ärgern. Aber angesichts des Millionenerfolgs der Sendung sind das natürlich Peanuts.

9. Sendung brachte Lehrer auf die Barrikaden

"Dinner for One" ist die einzige Sendung im deutschen Fernsehen, die - abgesehen von der deutschen Einführung durch Erzähler Heinz Piper - ausschließlich auf Englisch ausgestrahlt wird - und das ohne Untertitel. Doch der Charme des Sketchs besteht auch darin, dass ihn selbst diejenigen verstehen, die kein Englisch sprechen.

Englischlehrer sollten also begeistert sein. Doch das waren sie am Anfang überhaupt nicht - denn Erzähler Heinz Piper war in der ursprünglichen Version ein Fehler unterlaufen. Statt "same procedure as every year" sagte er darin: "same procedure than every year" - was Lehrer jedem Schüler ankreiden würden.

Doch "Dinner for One" kam damit durch. Zumindest ein paar Jahre lang. Und obwohl Lehrer regelmäßig nach der Ausstrahlung Protestbriefe an den NDR schickten. Dann, 1988, tauschte der Sender die Tonspur aus - und ersetzte den kritischen Teil durch ein Stück aus der Aufzeichnung einer Probe, in der Piper korrekt sagt: "as every year". Doch wer ganz genau hinsieht, erkennt an den Lippen des Erzählers, dass er eigentlich sagt: "than every year".

10. Mit 55 Jahren Verspätung auch in England zu sehen

"Dinner for One" kommt ur-englisch daher. Die Namen, das Essen, der Landsitz. Doch in England ist der Sketch bei weitem nicht so bekannt wie hierzulande. Bis voriges Jahr stimmte sogar: Die Show mit Butler James und Miss Sophie ist in England völlig unbekannt, weil sie dort noch nie im Fernsehen lief. Das gilt inzwischen nicht mehr: 2018 lief "Dinner for One" erstmals auch im britischen TV - 55 Jahre nach der Premiere im deutschen Fernsehen. Doch so ganz können die Engländer nicht verstehen, was die Deutschen an der schrägen TV-Hit fasziniert: "Eine obskure britische Nummer" - so wurde der Sketch mal in der englischen Presse genannt.

Doch mit der Begeisterung für den Silvester-Klassiker sind die Deutschen nicht ganz allein: Der NDR hat die Show an Fernsehsender in rund 20 Ländern verkauft, unter anderem nach Südafrika, Polen und: Schweden und Norwegen. Dort im Norden Europas übrigens läuft "Dinner for One" immer an Weihnachten.

Warum ist der TV-Klassiker ausgerechnet an Silvester so beliebt?

Bleibt die Frage: Warum ist der Slapstick eigentlich ausgerechnet an Silvester so beliebt? Das ist natürlich Auslegungssache und Gegenstand zahlreicher Theorien.

Unsere Erklärung geht so: Bei aller Freude über das anbrechende neue Jahr ist Silvester immer auch ein Start ins Ungewisse. Was 2020 bringen wird, das weiß niemand.

Und genau da - wenige Stunden vor dem Jahreswechsel - wirkt ein lieb gewonnenes Ritual wie "Dinner for One" irgendwie beruhigend.

Denn darin wird das Gewohnte inmitten all der Veränderungen aufs Schönste zelebriert. In diesem Sinne: "Same procedure as every year!"

16 Kommentare

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wize.life-Nutzer
aber nur das """Original"""
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oh es ist einfach Tradition, dass man sich das anschaut, auch wenn man den Sender wechseln muss!!
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wize.life-Nutzer
DINNER VOR ONE ..... EIN MUSS AN SILVESTER
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wize.life-Nutzer
Diese Anzeigen verdecken den Inhalt um den es eigentlich geht, deshalb interessieren sie mich nicht!!! Brauche keine Sale anzeigen!!! Macht die Anzeigen am Rand, dann ignoriere ich sie auch nicht!!!
wize.life-Nutzer
Gut, jetzt sind sie am Rand!
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wize.life-Nutzer
Ist zu silvester immer wieder sehenswert
wize.life-Nutzer
WARUM?
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Na gut. Mann kanns auch lassen
Aber man sollte gegen die schlechte Feige Gesellschaft gegenarbeiten
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Warum nicht?
Wer´s nicht sehen möchte, darf beruhigt wegsehen.
Tut niemandem weh. Happy New Year!
wize.life-Nutzer
Genau so sehe ich das auch.
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wize.life-Nutzer
Ein Programmfüller erster Klasse! Wenn man nicht mehr weiß, was man an Wiederholungen dem Fernsehzuschauern vorsetzen soll, ist dies doch der ideale Zeitfüller für ein anspruchsvolles Abendprogramm. Da kann man sich auch gleich mit besaufen vor lauter lange Weile .
wize.life-Nutzer
......es gibt eben Leute, die lieben kleine und einfache Rituale. Keiner muss Silvester (mit-)feiern und kann stattdessen (ehrenamtlich) arbeiten gehen.....
Dagegen gibt es auch Menschen, die meckern über den nostalgischern schwarz-weißen Beitrag. Mögen sie gerne tun - aber dann bitte nicht mehr zusehen im TV und hinterher darüber meckern - aus reiner Langeweile. Diese Menschen mussten es ja nicht sehen, sie wollten es nur um hinterher zu meckern.
Übrigens, jeder TV-Apparat eine einen roten Knopf oder ggf weitere 99 Kanäle, die man sehen kann...oder mal mit den Menschen im Zimmer reden und nicht auf das Smartphone einhämmern
wize.life-Nutzer
Rolf Michelsen Bravo
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wize.life-Nutzer
Die Form wahren bei steigendem Besoffenheitsgrad ist schon ein Kunststück. Einfach herrlich und das immer wieder. Typisch englischer Butler eben. Einmalig.
wize.life-Nutzer
KULT!!!BESTÄNDIGKEIT IN DIESER SCHNELLLEBIGEN ,OBERFLÄCHLICHEN ZEIT.
wize.life-Nutzer
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