Vor 70 Jahren standen deutsche Gebirgsjäger auf dem höchsten Gipfel des Kauk ...
Vor 70 Jahren standen deutsche Gebirgsjäger auf dem höchsten Gipfel des Kaukasus.
Vor 70 Jahren standen deutsche Gebirgsjäger auf dem höchsten Gipfel des Kaukasus.

Der „Sieg" am Elbrus ist zwar militärisch bedeutungslos, aber für die Deutsche Wehrmacht willkommene Propaganda. Die Filmaufnahmen in Schneesturm und Nebel sind allerdings nicht zu gebrauchen. Im Propagandaministerium ist man enttäuscht. Eiligst wird der Kriegsberichterstatter und Extrembergsteiger Hans Ertl an die Kaukasusfront beordert um die Gipfelszene nachzudrehen. Am 7. September 1942 steht Ertl bei strahlendem Bergwetter auf dem Elbrus. Diese getürkte Flaggenhissung läuft dann in allen Wochenschauen des Reiches. Der Hochgebirgskrieg im Kaukasus dauert von August 1942 bis Januar 1943. Tausende bayerischer Gebirgsjäger verbluten auf eisigen Höhen oder in den Schlammlöchern der Suchumischen Heerstraße zum Schwarzen Meer. Es war eines der sinnlosesten Unternehmen des II. Weltkrieges.

Das erste Hindernis auf dem Weg zum Elbrus, das sich den 30 Gebirgsjägern in den Weg stellt, ist ein militärisches. Hauptmann Groth, der Leiter des Unternehmens, war seiner Mannschaft voraus geeilt. Als er in die Nähe des Elbrushauses kommt, muss er feststellen, dass es von feindlichen Truppen besetzt ist. Dies hält den unerschrockenen Groth nicht davon ab in das Unterkunftshaus hinein zu gehen und mit den russischen Offizieren zu verhandeln. Er spricht von einem groß angelegten Zangenangriff, fordert die Besatzung zur Kapitulation auf und bietet freies Geleit an. Die Russen fallen darauf herein und ziehen ab.

Als die 30 „Zangenangreifer", unter ihnen Heeresbergführer, Spitzensportler und Himalayabergsteiger, schwer bepackt und hundemüde Stunden später eintreffen, können sie in aller Ruhe das komfortable Haus beziehen das in 4200 m Höhe auf einem Felsrücken über dem Asaugletscher thront. Damals war es eher ein Berghotel als eine Schutzhütte. Es gab 40 Zimmer, Zentralheizung und einen Speisesaal, dessen verschnörkelte Paneele jedem städtischen Salon zur Ehre gereicht hätten.

Der Gipfelangriff wird befohlen - trotz Schneesturm und eisiger Kälte.

Wenn man das militärische Vokabular weglässt, klingt die Beschreibung der Gipfelbesteigung wie der Tourenbericht einer Alpenvereinssektion. Die Gebirgsjäger genießen die Annehmlichkeiten des Berghotels insbesondere die von den Russen zurückgelassenen Proviantvorräte. Inzwischen schlägt das Wetter um. Schneetreiben, Nebel und ein sich steigernder Sturm ziehen auf. Über Funk meldet sich General Lanz, der Kommandant der 1. Gebirgsdivision und erteilt trotzdem Befehl zum Gipfelangriff. In der Elbrus-Scharte steckt die Mannschaft vollends im Schneesturm. Am Gipfel Fahnenappell, obwohl sich die Männer im Sturm kaum aufrecht halten können. "Mit letzter Energie und Drohung mit dem Kriegsgericht gelingt es mir die Reihen zusammen zu halten", schreibt Hauptmann Gämmerle, der Heeresbergführer.

Im Januar 1943 nach der Niederlage von Stalingrad ist die Kaukasusfront nicht mehr zu halten. Hitlers Generäle warten aber viel zu lange mit dem Rückzugsbefehl. In letzten aussichtslosen Gefechten, ohne Nachschub und Luftunterstützung, erleiden die Gebirgsdivisionen schreckliche Verluste.

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