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Abdankung von Benedikt XVI: Darf ein Papst einfach zurücktreten?

Papst Benedikt XVI. ist zurückgetreten. Der 84- jährige plant, sein Pontifikat am 28. Februar aufgeben. Das meldete der Vatikan am Montag und bestätigte damit Berichte der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sowie der Zeitungen "Corriere della Serra" und "La Repubblica. Zitiert wird das Kirchenoberhaupt mit den Aussagen, er spüre "die Belastung des Amtes" und: "Ich gehe zum Wohl der Kirche."

Laut Ansa habe Joseph Ratzinger seinen Beschluss im Rahmen einer Ratssitzung zur Heiligsprechung der Märtyrer von Otranto verkündet – in lateinischer Sprache. Er scheint damit selbst Insider verblüfft zu haben. Nach einem Bericht von Spiegel Online habe Kardinaldekan Angelo Sodanodie die Nachricht mit den Worten kommentiert, die Entscheidung komme „wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel“.

Eine Übersetzung der Erklärung ist inzwischen zum Beispiel auf Spiegel Online zu lesen. Darin heißt es unter anderem: „Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben. (....) Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.“

Erlaubter Rückzug

Aus juristischer Sicht ist gegen die Entscheidung nichts (mehr) einzuwenden. Denn auch wenn das Amt des Papstes an und für sich auf Lebenszeit angelegt ist, legt doch das 1983 von Johannes Paul II. reformierte Kanonische Recht fest (Can. 332 § 2): „Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch dass er von irgendwem angenommen wird.“

Dennoch ist die Entscheidung des deutschen Papstes mehr als ungewöhnlich. In 2000 Jahren Kirchengeschichte gab es bislang nur einen Rückzug vom Heiligen Stuhl. Nach Papst Coelestin V., der am am 13. Dezember 1294 nach nur fünf Monaten sein Amt aufgab, blieben alle Päpste bis zu ihrem (natürlichen oder gewaltsamen) Tod im Amt.

Joseph Ratzinger scheint nun die erste Ausnahme der Neuzeit zu werden. Er, der nach eigenem Bekunden schon im Konklave gebetet hatte, „ dass ein anderer gewählt wird“, überlässt den Stuhl Petri nun einem anderen.

Können Sie die Entscheidung des Papstes verstehen?

Nein. Als Stellvertreter Christi darf man nicht amtsmüde werden.
3.8 %
Nur, wenn er gute Gründe hat.
28.8 %
Ja. Auch ein Papst hat das Recht auf einen ruhigen Lebensabend.
64.1 %
Dazu habe ich keine Meinung.
3.3 %
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Die ersten Reaktionen aus Berlin:

10 Kommentare

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den ruhestand hat jeder verdient,auch ein pabst,bei krankheit führen doch andere,in seinem namen, die geschäfte und daß die kirche das größte geschäft ist,dessen sind wir doch einig.so sollte man ihm seine jahre in frieden gönnen und er noch viele jahre haben möge.in frieden
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mir geht die kirche am ars... vorbei, aber ein rücktritt ist auf jeden fall besser, als siechend rumsitzen und nichts (noch weniger als sonst) mitbekommen was menschen wirklich benötigen. diese heuchler braucht eh kein normaler mensch.
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Irgendwann wird man müde und die Kräfte lassen nach. Man kann mit 85 Jahren eine Weltkirche mit über 1 Millarde Menschen nicht mehr verantwortungsvoll führen. Es ist weise die Grenzen der eigenen Fähigkeiten zu erkennen. Man sollte ihm den Rest seines Lebens in Frieden in einem Kloster gönnen.
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Auch der Pabst hat das Recht selbst zu entscheiden ob er weiter im Amt bleibt oder nicht.

Es ist Benedikt dem XVI hoch anzurechnen , wenn er merkt, dass er den Anforderungen körperlich und geistig nicht mehr voll gewachsen ist, dann sich von seinem Amt zu trennen.

Es wäre sicher nicht schlecht, wenn in unserer Gesellschaft einige zurücktreten würden weil sie den Anforderungen bei weitem nicht mehr folgen können.
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da stimme ich voll zu,auch ein Papst darf Mensch sein!!!
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Ich bin ungläubig und deshalb ist es mir egal, wer Paost ist, oder wird. Die Entscheidung des Papstes halte ich für sehr vernünftig. Man stelle sich einmal einen Senilen oder gar an Alzheimer erkrankten Papst vor bis ans Ende seiner Tage imAmt. Das würde der Kirche enorm schaden
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Ist nicht gut fuerdiekatholische Kirche das ist meine Meinung.Der Papst war vielleicht gutmütig .
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wize.life-Nutzer
Eine Entscheidung die Respekt verdient. Auch wenn das Amt auf Lebenszeit ausgelegt ist, sollte man trotzdem gehen wenn man sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen sieht. Mir tat ja der letzte Papst immer leid wenn er an den Feiertagen so mühsam und krank im TV zu sehen war...
Vielleicht schafft es ja ein Jüngerer Licht in die ganzen undurchsichtigen und unseligen Vorfälle zu bringen und die überalterten Zöpfe abzuschneiden...
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wize.life-Nutzer
Der Rücktritt von Herrn Ratzinger lässt hoffen, dass sich in der katholischen Kirche nun endlich was bewegt und das Mittelalter und die Inquisition auch dort vorbei sind.
Ich habe viele Freunde, die praktizierende Katholiken sind und sich freuen werden.
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